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NSU-Prozess : Gerichtsgutachter hält Zschäpe für voll schuldfähig

  • Aktualisiert am

Angeklagt: Beate Zschäpe Bild: dpa

Beate Zschäpe, die 38 Jahre alte Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München, ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig.

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          Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe ist nach Ansicht eines Gerichtsgutachters voll schuldfähig. Zu diesem Schluss komme der Psychiater Henning Saß vom Universitätsklinikum Aachen in seinem Gutachten für das Oberlandesgericht München, berichtete die „Bild“-Zeitung am Mittwoch. In der 71 Seiten langen Expertise sehe der Mediziner bei Zschäpe keine Anhaltspunkte für eine relevante psychische Störung. Offen lasse er, ob Zschäpe als so gefährlich einzustufen sei, dass eine Sicherungsverwahrung notwendig werde.

          Zschäpe muss sich von diesem Montag (6. Mai) an als Hauptangeklagte im Prozess in München verantworten. Ihr wird die Mittäterschaft an zehn rassistisch motivierten Morden sowie Anschlägen der Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) vorgeworfen. Sie sitzt seit Ende 2011 in Untersuchungshaft.

          Bislang hat die 38 Jahre alte Zschäpe zu den Vorwürfen geschwiegen und will nach Angaben ihrer Verteidiger auch vor Gericht keine Aussage machen. Im Vorfeld des Prozesses hatte sie eine Untersuchung durch einen psychiatrischen Gutachter abgelehnt. Deshalb musste sich Saß bei seinem Gutachten auf Ermittlungsunterlagen und Zeugenaussagen stützen. Der Mediziner hat schon in spektakulären Fällen wie dem Mord an Rudolph Mooshammer die Täter-Psyche untersucht.

          Schwierige Kindheit

          Laut Zeitungsbericht hat Saß in seinem Gutachten den Lebensweg der Angeklagten nachgezeichnet - besonders die schwierige Kindheit. So ließ ihre Mutter sie gleich nach der Geburt im Januar 1975 zurück bei der Großmutter in Jena, um in Rumänien ihr Zahnmedizin-Studium fortzusetzen. Gutachter Saß schildert das Mutter-Tochter-Verhältnis als weitgehend zerrüttet. Auch der Vater, ein Rumäne, zeigte nach den Erkenntnissen aus den Ermittlungen nie Interesse an der Tochter und hatte wohl auch keinen Kontakt zu ihr.

          Trotz der schwierigen Familienverhältnisse habe sich Zschäpe zu einer lebhaften, selbstbewussten und burschikosen jungen Frau entwickelt, stellte Saß fest. Anerkennung und Freunde fand sie in ihrer Jugendclique in Jena, in der sich ein extremer Ausländer- und Judenhass entwickelte. Dort lernte sie auch Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt kennen, mit denen sie später fast 14 Jahre lang im Untergrund lebte.

          Den drei jungen Leuten sei es gelungen, trotz wechselnder Intimbeziehungen eine funktionierende Dreiergruppe zu bilden. Gutachter Saß geht dem Bericht zufolge davon aus, dass Zschäpe die radikale Gedankenwelt von Mundlos und Böhnhardt geteilt hat. Hinweise auf Bedenken oder Zweifel der 38-Jährigen an den schrecklichen Mordtaten der beiden Terroristen habe er nicht feststellen können.

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