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NSU-Prozess : Geräusch einer Kaffeemaschine

Die Angeklagte Beate Zschäpe steht am 31.07.2013 zwischen ihren Anwälten Bild: dpa

Als der vierte Mord der NSU-Serie vor Gericht aufgearbeitet wird, merkt man Beate Zschäpe an, dass sie das alles lieber nicht hören würde. Das Opfer Habil Kiliç wurde skrupellos hingerichtet.

          „Es war eine absolut professionelle Hinrichtung.“ Mit diesen Worten hatte der Kriminalbeamte Josef Wilfling Mitte Juli den Mord an dem Münchner Gemüsehändler Habil Kiliç beschrieben. Am dreißigsten Verhandlungstag ging es abermals um diesen vierten Mord der NSU-Serie. Der Rechtsmediziner Oliver Peschel von der Ludwig-Maximilians-Universität München bestätigt mit der Nüchternheit eines Naturwissenschaftlers die Brutalität und Skrupellosigkeit, mit der die Täter vorgingen. Er obduzierte damals die Leiche.

          Helene Bubrowski

          Politische Korrespondentin in Berlin.

          „Das erste Projektil drang in der linken hohen Wangenregion ein und durchschlug den Gesichtsschädel“, erklärt er. Das Opfer sei sofort zu Boden gegangen. Das zweite Projektil habe Kiliçs Kopf danach hinten links getroffen und dessen Hirn durchschlagen. „Dieser Hirndurchschuss ist nicht überlebbar“, sagt Peschel, „selbst wenn ein Team von Hirnspezialisten daneben gestanden hätte.“ Kiliç habe ein paar Sekunden, höchstens Minuten überlebt. In der Lunge habe man Blut gefunden, daran wäre das Opfer erstickt, wenn es nicht schon vorher tot gewesen wäre.

          Ein grausiger Anblick

          Beate Zschäpe blickt während der Aussage angestrengt auf ihre Hände; man merkt ihr an, dass sie das alles lieber nicht hören würde. Habil Kiliç wurde nur 38 Jahre alt. Die Zeugin K., die in der Nachbarschaft wohnt und regelmäßig in dem Lebensmittelladen einkaufte, fand den Sterbenden. Auch an jenem Vormittag des 29. August 2001 wollte sie ein Fladenbrot und für ihre Kinder ein paar Süßigkeiten kaufen. „Zuerst habe ich ihn nicht gesehen“, erzählt sie. „Ich habe ein Geräusch gehört, blubb, blubb - wie eine Kaffeemaschine.“

          Hinter dem Holztresen habe er in einer riesigen Blutlache gelegen und geröchelt. In dem Moment kam ein Postbote hinzu. Auch er sagte am Mittwoch als Zeuge aus. „Es roch in dem Laden nach Schießpulver“, sagt er, „aber ich dachte damals, das wär das Eisen in dem vielen Blut.“ Ein grausiger Anblick sei es gewesen, Kiliç habe aus Mund, Nase und Ohren geblutet. Der Postbote wollte Erste Hilfe leisten, aber dafür sei es schon zu spät gewesen.

          In dem kleinen Laden im Stadtteil Ramersdorf-Perlach bediente sonst eigentlich Kiliçs Frau die Kunden; er war als Staplerfahrer auf dem Münchner Großmarkt beschäftigt. Doch die damals schwangere Frau war zur Tatzeit mit der zwölf Jahre alten Tochter in der Türkei, Kiliçs Heimat. Seine Mörder müssen das gewusst haben, als sie ohne Vorwarnung die beiden Schüsse abgaben. Auf der Selbstbezichtigungs-DVD des NSU enthüllt das Comictier Paulchen Panther ein Foto von Kiliç und dazu den Satz: „Habil K. ist nun klar, wie wichtig uns der Erhalt der deutschen Nation ist.“

          Die Zeugin Sch., die auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Gemüseladens wohnt, hat die Täter offenbar gesehen. In zwei polizeilichen Vernehmungen hatte die Rentnerin von zwei Radfahrern berichtet, einer kleiner, der andere größer, beide eher dunkelhäutig, vielleicht Türken. Gegen elf Uhr, also kurz nach der vermuteten Tatzeit, seien sie auf ihre Fahrräder gestiegen und zügig davongefahren. Einer soll ein Headset getragen haben. Die Beschreibung passte gut auf Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos kurz nach der Rückkehr aus einem Sommerurlaub.

          „Nicht wie unser Schlag“

          Am Mittwoch will sich die Zeugin an kein Detail ihrer Aussage mehr erinnern. „Türken habe ich nie gesagt. Die sahen aus wie Osteuropäer“, da wollte sie sich sicher sein. Woran man das erkenne, will ein Nebenklagevertreter wissen. „Hohe Wangenknochen, schlank - nicht so, wie wir uns einen deutschen Menschen vorstellen, nicht wie unser Schlag.“ Die einzige positive Nachricht für Beate Zschäpe verkündete am Mittwoch die Staatsanwaltschaft Erfurt.

          Sie hat das Ermittlungsverfahren gegen sie wegen der Schüsse auf dem Erfurter Bahnhof vor knapp 17 Jahren eingestellt. Der Anfangsverdacht des versuchten Mordes habe sich nicht bestätigt, hieß es. Ermittelt wurde wegen eines Streits zweier Brüder aus Hamburg mit zwei Männern und einer Frau am Silvesterabend 1996, in dessen Verlauf auch Schüsse abgegeben wurden. Die Brüder hatten sich beim BKA gemeldet, weil sie Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt wiedererkannt hätten.

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