https://www.faz.net/-gpf-7rw78

NSU-Prozess : Zschäpe muss ihre Anwälte behalten

  • Aktualisiert am

Die Angeklagte Beate Zschäpe an diesem Dienstag vor dem Oberlandesgericht München Bild: dpa

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl lehnt es ab, dass sich die Angeklagte Beate Zschäpe neue Verteidiger suchen kann. Sie habe nicht stichhaltig dargelegt, warum das Vertrauensverhältnis zu ihren Anwälten nachhaltig erschüttert sein soll. Der Prozess in München wird nun fortgesetzt.

          2 Min.

          Die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, muss ihre drei bisherigen Anwälte behalten. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) hat ihren Wunsch nach neuen Verteidigern abgelehnt, wie der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstagnachmittag zu Beginn der Hauptverhandlung bekanntgab.

          Die 39 Jahre alte Zschäpe hatte vergangene Woche erklärt, ihren drei Verteidigern Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm nicht mehr zu vertrauen. Das OLG verlangte daraufhin eine schriftliche Begründung. Darin legte Zschäpe nach Ansicht des Gerichts nun nicht ausreichend stichhaltig dar, warum das Vertrauensverhältnis zu ihren Anwälten endgültig und nachhaltig erschüttert sein soll - das wären die Voraussetzungen für einen Wechsel der Verteidiger gewesen. Der Richter nannte keine Details, erwähnte aber, dass sich Zschäpe bei ihrem Antrag von einem weiteren Anwalt habe beraten lassen. Zschäpe kann ihre Anwälte nicht selbst entlassen, weil es sich um gerichtlich bestellte Pflichtverteidiger handelt - die Entscheidung liegt beim Gericht.

          Das Gericht hatte die Verhandlung am vergangenen Mittwoch nach Zschäpes Antrag unterbrochen. In der am Freitag abgegebenen schriftlichen Begründung hatte Zschäpe dem Gericht mitgeteilt, dass es Meinungsverschiedenheiten über die Verteidigungsstrategie gebe. Dafür, dass sie sich zu den Tatvorwürfen äußern will, gibt es nach wie vor keine Anhaltspunkte. Auch zu ihrem Misstrauensantrag verlor sie in der öffentlichen Verhandlung kein Wort.

          Richter Götzl setzte nach seiner knapp vorgetragenen Entscheidung die Verhandlung fort. Als Zeugen für den Dienstagnachmittag waren zwei frühere Urlaubsbekanntschaften der mutmaßlichen NSU-Terroristen geladen.

          Zschäpe verfolgte schweigend, wie der Richter eine Zeugin vernahm, die unter Tränen über eine Urlaubsbekanntschaft mit Zschäpe vor mehreren Jahren berichtete. Zschäpe biss die Lippen zusammen, faltete die Hände auf dem Tisch und blickte starr geradeaus. Die heute 21 Jahre alte Zeugin sagte, sie habe sich bei dem Urlaub mit ihren Eltern auf Fehmarn mit Zschäpe und ihren engen Begleitern Böhnhardt und Mundlos angefreundet. Die drei hätten sich als Liese, Max und Gerry ausgegeben.

          Zschäpe soll mitverantwortlich sein für die Ermordung von zehn Menschen überwiegend türkischer Abstammung, für zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle in den Jahren 2000 bis 2011. Vor Gericht stehen außerdem vier mutmaßliche Helfer der Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), die von der Bundesanwaltschaft als terroristische Vereinigung eingestuft wird. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich bei ihrer Enttarnung das Leben genommen.

          Weitere Themen

          Unwörter und Untaten

          F.A.Z.-Newsletter : Unwörter und Untaten

          Das Unwort des Jahres wird gekürt, Beschränkungen wie die 15-Kilometer-Regel werden heiß diskutiert und die amerikanischen Demokraten erhöhen den Druck auf Donald Trump. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Newsletter.

          Topmeldungen

          Nach Laschets Wahl : Der knappe Sieg des Merkelianers

          Der künftige CDU-Vorsitzende Armin Laschet steht nun vor zwei Herausforderungen. Zum einen muss er Friedrich Merz einbinden, zum anderen seine Umfragewerte verbessern. Nur dann dürfte er Kanzlerkandidat werden.
          Das Symbol für Ethereum

          Digitalwährung Ether : Besser als Bitcoin

          Alle Welt ist im Bitcoin-Rausch. Dabei gibt es eine Alternative, die viel interessanter ist: Ether. Doch was macht die Digitalwährung so besonders?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.