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NSU-Prozess : Allmachtsphantasien

Die türkische Öffentlichkeit muss vom NSU-Prozess informiert werden, das ist unbestritten. Wenn die Türkei jetzt aber hofft, alle ihre Journalisten sowie Beamte und Parlamentarier könnten im Gerichtssaal Platz nehmen, hat sie völlig falsche Vorstellungen.

          Keine Frage: Es ist wichtig, dass auch die türkische und die griechische Öffentlichkeit vom NSU-Prozess Kenntnis nehmen können. Hier geht es eben nicht nur um eine nebensächliche Ordnungsvorschrift. Freilich wird Öffentlichkeit auch über deutsche Medien vermittelt; schließlich lebten und arbeiteten die Mordopfer der Rechtsterroristen schon Jahre in Deutschland. Drei von ihnen hatten die deutsche Staatsangehörigkeit.

          Jedenfalls wird demnächst sichergestellt sein, dass ausländische Berichterstatter im Münchner Gerichtssaal Platz finden. Wenn aber jetzt die türkische Regierung die Hoffnung äußert, allen interessierten Journalisten ihres Landes werde Zugang zum Verfahren gewährt und zudem Beamten und Parlamentariern, so hat sie völlig falsche Vorstellungen. Es kann nicht jeder Zugang haben - und die Öffentlichkeit des Verfahrens kann doch gewahrt sein. Oder hat Ankara Interesse an einem Schauprozess?

          In Deutschland hat mancher die Bedeutung dieses Verfahrens lange Zeit nicht wahrgenommen. Das ist ignorant und anmaßend - genauso wie türkische Allmachtsphantasien.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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