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Erklärung von Beate Zschäpe : „Ich hatte Angst, dass die beiden sich umbringen“

Die Angeklagte Beate Zschäpe und ihr Anwalt Mathias Grasel Bild: dpa

In ihrer Aussage vor dem NSU-Prozess weist die Hauptangeklagte Beate Zschäpe jegliche Schuld von sich. Von den Mordplänen ihrer Kumpanen will sie nie etwas gewusst haben. Ihre Entschuldigung klang für die Angehörigen nur höhnisch.

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          Nach Minuten schon war klar, welche Zielrichtung die gesamte Erklärung von Beate Zschäpe nehmen würde: „Ich habe weder von der Planung noch von der Durchführung etwas mitbekommen.“ Diese Formel wandte sie im späteren Verlauf ihrer Aussage auf alle Morde und Sprengstoffanschläge an, die der Generalbundesanwalt dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) zur Last legt.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Sie sei immer Opfer gewesen, ließ Zschäpe ihren Anwalt Mathias Grasel verlesen: Am Anfang Opfer ihrer alkoholabhängigen Mutter, die mit dem Geld nicht umgehen konnte. Dann Opfer der widrigen Nachwende-Zeit in Ostdeutschland, ohne Job und ohne Perspektive. Schließlich Opfer ihrer Liebe zu Uwe Böhnhardt, die sie dazu gebracht haben soll, ihm und Mundlos nicht nur in den Untergrund zu folgen, sondern dort auch dreizehn Jahre mit ihnen auf Gedeih und Verderb zusammenzubleiben.

          Zwar nahm die Hauptangeklagte Zschäpe zum Schluss ihrer Erklärung eine „moralische Schuld“ für die Morde und Sprengstoffanschläge auf sich und sprach den Angehörigen auch eine „aufrichtige Entschuldigung“ aus. Die konnte für die Angehörigen aber nur höhnisch klingen, angesichts der Möglichkeiten, die Zschäpe über Jahre gehabt hätte, Böhnhardt und Mundlos an ihren Morden zu hindern.

          Dass sie in der rechten Szene aktiv war, gab Beate Zschäpe schon zu Beginn unumwunden zu. Allerdings reduzierte sie dieses Mitwirken auf das Herumhängen auf Spielplätzen mit Gesinnungsgenossen, mit denen sie rechte Lieder gegrölt habe. Natürlich habe sie von dem Puppentorso mit Judenstern gewusst, den Böhnhardt und Mundlos über einer Autobahn 1997 aufgehängt hatten. „Aber wir wollten damit nur die rechte Szene wieder ins Bewusstsein bringen.“

          Sie hatte Angst, dass Böhnhardt sich umbringt

          Als Mundlos und Böhnhardt ihr dann im Dezember 2000, als sie schon zwei Jahre im Untergrund lebten, von dem ersten Mord berichteten, sei sie fassungslos gewesen. „Ich habe sie gefragt, warum? Aber Uwe Mundlos sagte nur: Wir haben sowieso verkackt.“  Und da Mundlos und Böhnhardt immer gesagt hätten, dass sie niemals ins Gefängnis gehen wollten und sich eher umbringen würden, habe sie einfach weitergemacht. „Denn davor hatte ich große Angst. Dass sich Uwe Böhnhardt dann umbringt.“ Dabei habe sie ja immer dafür plädiert, sich zu stellen, behauptet Zschäpe.

          Allerdings habe ihr ein Anwalt schon nach dem ersten Raubüberfall davon abgeraten, da sie „eine mehrjährige Gefängnisstrafe“  erwarten würde. Also habe sie sich nicht getraut, auszusteigen und sich zu stellen und mit ihren beiden Freunden weitergelebt wie bisher. Weiter Computerspiele gespielt, ab und zu umgezogen, Fernsehen geschaut und intensiv Sport getrieben. So will sie auch nie mitbekommen haben, wenn die beiden Gefährten wieder einmal das Haus verließen: „Sie gingen meistens, wenn ich Joggen war.“

          Selbst mit den Raubüberfällen sei sie anfangs nicht einverstanden gewesen: „Ich dachte, die benutzen nur eine Schreckschusspistole.“ Doch dann habe sie sich damit arrangiert, da man ja das Geld brauchte. Auf diese Weise folgte nach Zschäpes Aussage ein Überfall auf den nächsten, das Geld wurde ebenso in der Wohnung versteckt wie die Waffen. „Das war mir wichtig, dass die Waffen nicht einfach so herumliegen.“

          Etwa zwei Stunden brauchte Zschäpes Anwalt Grasel, um die Erklärung zu verlesen. Jeder Anklagepunkt wurde abgearbeitet. Bei jedem der Morde in den Jahren 2000 bis 2007, den beiden Sprengstoffanschlägen in Köln in den Jahren 2001 und 2004 und den fünfzehn Raubüberfällen in den Jahren 1998 bis 2011 folgte lapidar die Erklärung: „Weder von der Vorbereitung, noch der Ausführung habe ich etwas mitbekommen.“

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