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NSU-Prozess : Zschäpe soll im Geschäft eines V-Mannes gearbeitet haben

  • Aktualisiert am

Beate Zschäpe im Prozess um die Morde und Terroranschläge des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) im März im Oberlandesgericht München. Bild: dpa

Wie ihr Komplize Uwe Mundlos soll auch Beate Zschäpe für einen V-Mann gearbeitet haben. Nun kommt der Verfassungsschutz einmal mehr in Bedrängnis.

          Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur während ihrer Zeit im Untergrund in Zwickau in einem Geschäft gearbeitet haben, das von einem V-Mann des Verfassungsschutzes betrieben wurde. Bei dem Betreiber des Ladens soll es sich um Ralf Marschner gehandelt haben, der unter dem Tarnnamen „Primus“ für das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln (BfV) tätig war.

          Es handelt sich nach dpa-Informationen vom Donnerstag um denselben Mann, der nach einem Bericht der „Welt“ auch Uwe Mundlos beschäftigt haben soll. Eine Sprecherin des BfV wollte den Vorgang zunächst nicht kommentieren.

          Nach den Enthüllungen zu Mundlos und Zschäpe stellt sich einmal mehr die Frage nach NSU-Mitwissern im Umfeld der Nachrichtendienste oder beim Verfassungsschutz selbst.

          Mitglieder des NSU-Untersuchungsausschusses in Thüringen sehen in den jüngsten Berichten über die Beschäftigung von NSU-Terroristen bei einem V-Mann des Bundesverfassungsschutzes eine Fortsetzung des Versagens staatlicher Behörden. Es stelle sich einmal mehr die Frage, was diese über das Terrortrio aus Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eigentlich gewusst hätten, sagte die Ausschussvorsitzende Dorothea Marx (SPD) am Donnerstag in Erfurt. Das Versprechen, den Fall lückenlos aufzuklären, sei bislang nicht eingelöst worden. Ähnlich äußerte sich die Linke-Abgeordnete Katharina König. Journalisten machten wohl eine bessere Ermittlungsarbeit als das Bundeskriminalamt, sagte sie.

          Zschäpe ist die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess und muss sich für alle Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ als mutmaßliche Mittäterin verantworten. Dazu gehören vor allem zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde.

          Gemeinsam mit ihren beiden mutmaßlichen Komplizen Mundlos und Uwe Böhnhardt lebte sie von 1998 bis 2011 im Untergrund, zunächst in Chemnitz, später in Zwickau. Die Fahndung nach dem Trio war bis zum Auffliegen im November 2011 nach einem missglückten Banküberfall in Eisenach erfolglos geblieben.

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