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18 Jahre nach NSU-Mord : Opfer, die keine sein durften

Die Familie des mutmaßlichen NSU-Opfers Enver Simsek, die Tochter Semiya Simsek (r) mit ihrem Mann Fatih Demirtas und deren Sohn, sowie die Witwe Adile Simsek und der Sohn Abdulkerim Simsek, stehen am 02.05.2016 in Nürnberg (Bayern) an einer Gedenktafel am Tatort. Bild: dpa

Enver Simsek war das erste Opfer, das von den NSU-Terroristen ermordet wurde. Sein Sohn Abdulkerim war da noch ein Kind. Nun will er einen Schlussstrich ziehen. An Gerechtigkeit glaubt er nicht mehr.

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          Abdulkerim Simsek war dreizehn Jahre alt, als sein Vater ermordet wurde. Enver Simsek war das erste Opfer der rechtsextremen Terrororganisation "Nationalsozialistischer Untergrund", niedergeschossen an einem Blumenstand in Nürnberg, mit acht Schüssen aus zwei Pistolen. Das war im September 2000.

          Philip Eppelsheim
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          In diesen Tagen, achtzehn Jahre später, naht das Ende des NSU-Prozesses. Fünf Jahre dauert er nur schon. Abdulkerim Simsek sagt: „Als der Prozess anfing, waren wir voller Hoffnung. Wir haben gedacht, dass nun alles aufgeklärt wird. Dass weitere Angeklagte hinzukommen.“ Aber noch immer sei man nicht weiter als zu Prozessbeginn. Und fragt man Simsek nach seinen derzeitigen Gefühlen, dann lautet seine Antwort, er habe viele, vor allem aber zwei: Enttäuschung und Verzweiflung. Den Glauben an eine vollständige Aufklärung hat er verloren. Obwohl Angela Merkel ihm und den anderen Opfern doch versprochen hatte, dass Deutschland alles in seiner Macht Stehende tun werde, um die Morde und die Hintergründe aufzudecken.

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