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NSA-Affäre : BND entdeckt weitere Spähziele der Amerikaner

  • Aktualisiert am

Brisante Datensammelwut: Random-Empfangsanlage mit über 18 Meter Durchmesser in den BND-Außenstelle Bad Aibling - was zapften die Amerikaner ab? Bild: dpa

Das Ausspähinteresse der Amerikaner an europäischen Unternehmen und Institutionen war womöglich noch weitaus größer, als bislang angenommen. Auf Rechnern des BND sind nun etwa eine halbe Million weitere „Selektoren“ zur Spionagezwecken aufgetaucht. BND-Chef Schindler gesteht Versäumnisse ein.

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          In der Affäre um die umstrittene Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendiensts BND mit dem amerikanischen Geheimdienst NSA sind nach Angaben der Zeitschrift „Spiegel“ neue Listen mit weiteren Suchbegriffen aufgetaucht. Auf BND-Rechnern in Pullach hätten Beamte in den vergangenen Wochen demnach bislang unbekannte Dateien mit amerikanischen Spähzielen aufgespürt.

          Die nun identifizierten Dateien aus den Jahren 2005 bis 2008 umfassten 459 000 sogenannte Selektoren, mit denen unter anderem europäische Institutionen, hochrangige politische Persönlichkeiten und Firmen im Ausland ausspioniert werden sollten. Das berichtete „Spiegel online“ am Freitag. Nur 400 Selektoren wurden den Angaben zufolge aussortiert.

          Die neuen Dateien zeigten, dass das Interesse der Amerikaner an Wirtschaftsunternehmen womöglich weitaus größer war, als bislang angenommen. Bisher war lediglich bekannt, dass die Rüstungsunternehmen EADS und Eurocopter sowie französische Diplomaten von der NSA mit Hilfe des BND überwacht werden sollten.
          BND-Präsident Gerhard Schindler hatte am Donnerstag eingeräumt, dass die von der NSA übermittelten Suchkriterien für die abgefangenen Daten der Abhörstation in Bad Aibling nicht ausreichend überprüft worden seien. Vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages verteidigte Schindler dennoch eindringlich die Kooperation mit der NSA. Er warnte vor einer Beschädigung der internationalen Geheimdienstkooperation.

          BND-Präsident Schindler sagt vor dem Geheimdienst-Ausschuss aus.
          BND-Präsident Schindler sagt vor dem Geheimdienst-Ausschuss aus. : Bild: dpa

          BND-Präsident Gerhard Schindler hatte vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags am Donnerstag Versäumnisse seines Hauses bei der Kooperation mit der  NSA eingestanden, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern grundsätzlich aber vehement verteidigt. Die von der NSA übermittelten Suchkriterien seien nicht ausreichend gecheckt worden, sagte der BND-Chef.  Es gebe organisatorische Mängel, die abgestellt werden müssten. Die Kooperation mit dem US-Geheimdienst sei aber unverzichtbar. «Wir sind abhängig von der NSA und nicht umgekehrt.»

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