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Russisches Nowitschok? : Ein Gift von hoher Reinheit

Soldaten mit Schutzanzügen am Tatort in Salisbury Bild: dpa

Der OPCW-Bericht äußert sich im veröffentlichten Teil nicht zu Tätern und Verantwortlichen. Doch der Befund, dass der Kampfstoff von hoher Reinheit gewesen sei, verweist auf eine staatlich-militärische Herkunft.

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          Im Fall des Anschlags auf den früheren russischen Doppelagenten Skripal und dessen Tochter ist man jetzt einen Schritt weiter. Im veröffentlichten Teil ihres Berichts „bestätigen“ Fachleute der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) die Ergebnisse Großbritanniens in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie. Britische Fachleute hatten herausgefunden, dass es sich um das Nervengift Nowitschok aus ehemals sowjetischer Produktion handelte. Die Regierung machte daraufhin Moskau für den Anschlag verantwortlich, Londons Partner schlossen sich dieser Sicht an. Es folgte eine konzertierte Aktion westlicher Staaten: Dutzende Russen mit Diplomatenstatus wurden ausgewiesen – Russland reagierte entsprechend. Vielfach wurden Beweise für die „Behauptung“ verlangt, dass Moskau hinter dem Anschlag stecke, auch in westlichen Ländern. Kritikern langte das Verdikt „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ nicht.

          Der OPCW-Bericht äußert sich im veröffentlichten Teil nicht zu Tätern und Verantwortlichen. Doch der Befund, dass der Kampfstoff von hoher Reinheit gewesen sei, verweist auf eine staatlich-militärische Herkunft – Nowitschok gehörte zum Chemiewaffenforschungsprogramm der sowjetischen Streitkräfte. Hat Russland tatsächlich, wie es behauptet, alle Stoffe der Organisation gemeldet? Die Regierung May sieht sich nun bestätigt, weil es keine Zweifel mehr an dem Gift und an den Verantwortlichen gebe. In Moskau hatte man sich schon lustig über die Erkrankung von Vater und Tochter Skripal gemacht. Aber sie hatten keine Fischvergiftung erlitten, es war Nowitschok, das bei dem beispiellosen Anschlag verwendet wurde. Die russische Führung, unterstützt von willigen Claqueuren, wird natürlich weiter bestreiten, dass sie etwas mit der Sache zu tun habe, und behaupten, es handele sich um ein britisch-amerikanisches Komplott. Aber wenigstens hierzulande kann nicht mehr so getan werden, als gebe es keine Beweise. Die Kette schließt sich.

          Der Westen hat kein Interesse an einer weiteren Zerrüttung des Verhältnisses zu Russland. Doch Wunschdenken, gleich aus welchen Motiven es sich speist, hilft nicht weiter. Der OPCW-Bericht ist kein Gerichtsurteil. Aber all jene, die vor allen den Briten misstrauen, sollten ihn wenigstens zur Kenntnis nehmen. Über mögliche russische Motive, über Machtkämpfe gar kann weiterhin spekuliert werden.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          (K.F.), Politik

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