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Nordkoreas Hackerangriff : Aus dem Schatten des Vaters

Statt 2000 Tonnen Reis: Blumen für den toten Führer Kim Jong-il Bild: Reuters

Sogar der Verbündete China ist verärgert über Nordkoreas jungen Führer Kim Jong-un. Der Diktator versucht nach dem Hackerangriff, „auf Augenhöhe“ mit Washington zu verhandeln.

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          Es gibt noch gute Nachrichten aus Nordkorea. In diesem Jahr hat bis dato kein Atomtest stattgefunden, obwohl Pjöngjang vor allem im Frühjahr einen solchen wiederholt angekündigt hatte. Und Staatsführer Kim Jong-un geht nicht mehr am Stock. Aber der Hackerangriff auf Sony wegen der Filmsatire „The Interview“, für den die Vereinigten Staaten Nordkorea verantwortlich machen, erfüllt in gewisser Weise den gleichen Zweck wie ein Atomtest. Das Regime will mit Amerika ins Gespräch kommen, und zwar „auf Augenhöhe“. Deshalb ist das „Angebot“ einer gemeinsamen Untersuchung des Hackerangriffs nur folgerichtig. Kontakte mit den Vereinigten Staaten auf hoher politischer Ebene wären ein höchst willkommener politischer Erfolg für das Regime.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Die Zahl der Freunde Kim Jong-uns ist schon in normalen Zeiten überschaubar. In dieser Hinsicht hat sich die Lage im zu Ende gehenden Jahr ganz sicher nicht verbessert. Mittlerweile dürfte feststehen, dass China – jahrelang als letzter Verbündeter Nordkoreas bezeichnet – nachhaltig verärgert ist über das, was sich Pjöngjang politisch leistet. Im ersten Quartal 2014 soll China kein Öl an das Nachbarland geliefert haben. Sichtbar wurde das Zerwürfnis in der vergangenen Woche. Die Feierlichkeiten zum dritten Todestag des ehemaligen Staatsführers Kim Jong-il fanden ohne Gäste aus China statt.

          Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte zu diesem Thema nur, Peking werde des Toten in angemessener Weise gedenken. Zuvor schon hatte Peking, das sich auf Symbolpolitik versteht, sein Missfallen über Nordkorea dadurch deutlich gemacht, dass Staats- und Parteichef Xi Jinping Südkorea besuchte, ohne zuvor den Norden betreten zu haben. Viele Nordkorea-Beobachter erklären die Verschlechterung der Beziehungen als Spätfolge der Hinrichtung Jang Song-taeks vor einem Jahr. Jang, Onkel des Staatsführers, galt in der nordkoreanischen Führung als derjenige, der nicht nur die engsten Kontakte zu China unterhielt, sondern auch als jemand, der sich Wirtschaftsreformen nach chinesischem Vorbild zumindest vorstellen konnte.

          Allgemein ist eine deutliche Verbesserung der chinesisch-südkoreanischen Beziehungen zu beobachten. Neben naheliegenden wirtschaftlichen Gründen liegt das vor allem am ungeliebten Nachbarn Japan. Dessen Regierung hat es geschafft, mit ihrer nationalistischen Politik die eigentlich verbündete Regierung Südkoreas in die Arme des großen Nachbarn China zu treiben.

          Angesichts dieser Konstellation lag es für Nordkorea nahe, die eigenen Kontakte zu Japan zu vertiefen. Entsprechende Versuche gab es. Zu greifbaren Ergebnissen haben sie bis dato aber nicht geführt. Größtes Hindernis vor einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen ist das immer noch ungeklärte Schicksal mehrerer Japaner, die in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Nordkorea entführt wurden, um Pjöngjangs Agenten japanische Sprache und Lebensart näherzubringen.

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