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Nordkorea : Amerikanischer Student gesteht „feindlichen Akt“

  • -Aktualisiert am

Student Warmbier entschuldigt sich auf einer Pressekonferenz in Pjöngjang für sein „Verbrechen“. Bild: Reuters

Im Januar war Otto Warmbier in Nordkorea festgenommen worden. Nun hat ihn das Regime in Pjöngjang öffentlich vorgeführt. Seine Tat nennt der Student „ein Verbrechen“ - anderswo wäre sie ein Dum­me­jun­gen­streich.

          Am 2. Januar war der amerikanische Student Otto Frederick Warmbier in Nordkorea verhaftet worden. Nun hat ihn das Regime erstmals öffentlich auftreten lassen.

          Am Montag sprach Warmbier in Pjöngjang auf einer Pressekonferenz vor in- und ausländischen Journalisten über seine Tat, die er ein „Verbrechen gegen das Volk und die Regierung Koreas“ nannte, und den „größten Fehler in meinem Leben“.

          Der 21 Jahre alte Student gab zu, am Tag vor seiner Abreise aus Nordkorea in den Mitarbeiterbereich seines Hotels eingedrungen zu sein. Dort habe er ein Plakat mit „einen wichtigen politischen Slogan" abgehängt, um es mit nach Amerika zu nehmen. Bei der Rückreise sei er am Flughafen verhaftet worden.

          Der in Nordkorea inhaftierte amerikanische Student Otto Warmbier spricht auf einer Pressekonferenz über die Beschuldigungen gegen ihn.

          Angestiftet von Kirche und Geheimgesellschaft

          Die Tat will er auf Geheiß einer methodistischen Gläubigen in Amerika ausgeführt haben. Die Mutter eines Freundes habe ihn um „eine Trophäe“ gebeten. Sie habe ihm ein Auto im Wert von 10.000 Dollar oder für den Fall seiner Festnahme 200.000 Dollar für seine Familie versprochen. Auch habe ihm der studentische Geheimbund „Z Society“ die Aufnahme versprochen.

          Sowohl die infrage kommende Kirche als auch die Z Society haben dem amerikanischen Sender CNN gegenüber abgestritten, Warmbier zu so einer Tat überredet zu haben. Warmbier sei auch kein Mitglied der Kirche, sagte der Pfarrer den Journalisten der CNN.

          Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA hatte Ende Januar die Festnahme Warmbiers bekanntgegeben. Damals hieß es, ihm werde vorgeworfen, die „Fundamente der Einheit“ des Landes erschüttern zu wollen. Dabei sollte er „unter der Anleitung der amerikanischen Regierung“ gehandelt haben.

          Wie CNN in Berufung auf eine nordkoreanische Quelle berichtete, wird der amerikanischen Regierung unter anderem vorgeworfen, Warmbier mit „besonders leisen Schuhen“ ausgestattet zu haben, um seine Tat zu begehen.

          Warmbier bittet unter Tränen um seine Freilassung

          Warmbier entschuldigte sich auf der Pressekonferenz beim koreanischen Volk und gab an, von Amerika benutzt worden zu sein. Unter Tränen bat er darum, bald nach Hause und zu seiner Familie zurückkehren zu dürfen.

          Warmbier stammt aus Ohio und ist Student an der Universität von Virginia. Nach Nordkorea war er Ende Dezember als Tourist in einer Reisegruppe des chinesischen Unternehmens „Young Pioner Tours“ gereist.

          Der Student als Faustpfand für Politiker-Besuche?

          In Nordkorea wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Ausländer festgenommen, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und dann nach Gegenleistungen ausländischer Regierungen freigelassen.

          Häufig ging es dabei darum, den Besuch eines möglichst hohen amerikanischen Diplomaten oder Politikers zu erreichen. So reiste etwa der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton 2009 nach Pjöngjang, um zwei Journalisten zu befreien.

          Im November 2014 war der aus Südkorea stammende amerikanische Staatsbürger Kenneth Bae freigekommen, der im April 2013 zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Geheimdienstkoordinator James Clapper reiste deshalb nach Nordkorea.

          Nach einem Raketentest der Nordkoreaner, neuen Drohungen aus Pjöngjang und neuen Sanktion der Vereinten Nationen gegen Nordkorea sind die Beziehung zwischen Amerika und Nordkorea zurzeit denkbar schlecht.

          Warmbier: Beeindruckt von der Menschlichkeit des Regimes

          Warmbier sagte in der Pressekonferenz, er sei sehr beeindruckt, wie menschlich die  koreanischen Regierung „einen Schwerkriminellen wie mich“ behandele. Das Verfahren lobt er als fair. „Ich verstehe die Schwere meines Verbrechens und ich habe keine Ahnung, welche Strafe ich möglicherweise dafür erhalten werde.“

          Da Warmbier Verfehlungen im Dienst der amerikanischen Regierung angelastet werden, könnte ihm wegen Spionage der Prozess gemacht werden. Im Dezember war ein 60 Jahre alter kanadischer Priester in Nordkorea wegen Vorwürfen der Aufwiegelung zu lebenslanger Haft mit Zwangsarbeit verurteilt worden.

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