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Werben um Putins Gunst : Nordkorea spielt die russische Karte

  • -Aktualisiert am

Auf diesem undatierten offiziellen Bild aus Nordkorea inspiziert Kim Jong-un angeblich eine Lebensmittelfabrik Bild: Reuters

Vor der Abstimmung über eine UN-Resolution zur Menschenrechtslage in Nordkorea sieht sich das Regime wieder einmal isoliert. Jetzt hofft es auf Präsident Putin, der dem Westen die Stirn bietet.

          Einen Tag bevor die Vereinten Nationen über eine Resolution abstimmen, die Nordkoreas gravierende Menschenrechtsverletzungen anprangert, hat Machthaber Kim Jong-un seinen engsten Vertrauten nach Russland geschickt. Choe Ryong-hae, Vorsitzender der Arbeiterpartei und Nummer zwei oder drei in der nordkoreanischen Nomenklatura, soll bei Russland um Unterstützung werben, diplomatisch und wirtschaftlich.

          Choe Ryong-hae überbringe einen persönlichen Brief von Kim Jong-un an Präsident Wladimir Putin, berichtete die Website „Daily NK“ am Montag. Möglicherweise geht es darin auch um die Vorbereitung eines Besuches von Präsident Putin in Nordkorea oder einer Reise Kim Jong-uns nach Russland. Schon die früheren Herrscher Nordkoreas, Kim Il-sung und Kim Jong-il, reisten gern nach Moskau, aus Angst vor Attentaten nicht mit dem Flugzeug, sondern in einem gepanzerten Sonderzug.

          Ein Versuch, aus der Isolation auszubrechen

          Das nordkoreanische Regime sieht sich derzeit von seinen früheren Verbündeten und Unterstützern verlassen und international isoliert und hofft, dass Präsident Putin, der dem Westen die Stirn bietet, dem kommunistischen Regime im Osten die Stange halten wird. Russland soll nicht nur sein Veto gegen die von der EU und Japan eingebrachte UN-Resolution zur Menschenrechtslage in Nordkorea einlegen, sondern auch das Regime durch einen Besuch aufwerten und sich zu mehr wirtschaftlicher Zusammenarbeit bereiterklären.

          Choes Reise nach Russland ist ein weiterer Versuch des Regimes in Pjöngjang aus seiner Isolation auszubrechen, in das es vor allem nach der Verschlechterung der Beziehungen zu China geraten ist. Peking ist zwar immer ein Verbündeter des nordkoreanischen Regimes, doch sind die Beziehungen deutlich abgekühlt. China hatte Nordkoreas Atomtests und sein provokatives Verhalten kritisiert und die wirtschaftliche Unterstützung zurückgefahren. Nordkoreas Gesandte waren in den vergangenen Monaten bereits in europäischen Hauptstädten, auch in Berlin, vorstellig geworden und hatten Südkorea bei den Asienspielen einen Überraschungsbesuch abgestattet, jedoch ohne greifbare Ergebnisse zu erzielen. In Europa wurde den nordkoreanischen Diplomaten bedeutet, dass man nicht die Sanktionspolitik unterlaufen werde. Und in Seoul mussten die Gesandten sehen, dass die südkoreanische Regierung ihre Beziehungen zu China intensiviert. Gerade hat sie ein Freihandelsabkommen mit China abgeschlossen.

          Enttäuschend aus der Sicht Pjöngjangs verliefen auch die Verhandlungen mit dem Gesandten des amerikanischen Präsidenten über die Freilassung von zwei in Nordkorea inhaftierten Amerikanern. Wie der Nationale Geheimdienstdirektor James Clapper jetzt berichtete, waren seine Gesprächspartner in Pjöngjang erzürnt darüber, dass Washington keine großen Gegenleistungen für die Freilassung anzubieten hatte. Dass Kim Jong-un die beiden Amerikaner dennoch ausreisen ließ, zeigt, dass er in keiner guten Verhandlungsposition ist.

          So spielt das Regime in Pjöngjang jetzt die russische Karte. Russland ist als Nachbar Nordkoreas und als Teilnehmer der Sechser-Gespräche über Pjöngjangs Atomprogramm einer der wichtigen Akteure in der Region. Moskau hat in Nordkorea vor allem wirtschaftliche Interessen wie den geplanten Bau einer Eisenbahn und einer Gasleitung von Russland durch Nordkorea nach Südkorea. Bereits zu Beginn des Jahres hatte Russland ein Wirtschaftsabkommen mit Nordkorea abgeschlossen und sogar alte Schulden aus sowjetischer Zeit erlassen. Choe Ryong-hae wird nicht nur Moskau, sondern auch Chabarowsk und Wladiwostok besuchen, wohl um weiter Kooperationsprojekte auszuloten.

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