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Nordkorea-Krise : Düstere Vorahnungen zum Tag der Sonne

  • -Aktualisiert am

Jubel für den Bauherrn: Kim Jong-un eröffnet eine neue Prachtstraße in Pjöngjang. Bild: dpa

Nordkorea will am Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung demonstrieren, was es kann. Das könnte zu einer internationalen Eskalation führen. Denn mit Trump steht dem Regime in Pjöngjang ein unberechenbarer Widersacher gegenüber.

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          Für Nordkorea ist es der größte Feiertag des Jahres. An diesem Samstag lässt das Regime den Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung als „Tag der Sonne“ feiern. Dass es an diesem 105. Geburtstag des Begründers der Kim-Dynastie eine große Militärparade geben wird, erscheint sicher. Doch wird Machthaber Kim Jong-un, der Enkel des Staatsgründers, den großen Tag auch mit einem Atomtest oder einem Raketenstart „feiern“ lassen? Satellitenbilder zeigen auffällige Aktivitäten auf Nordkoreas Testgelände.

          In der Auseinandersetzung um Nordkoreas Atomprogramm wird immer höher gepokert. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump einen Flugzeugträger-Verband nach Korea geschickt hat, drohte Nordkorea mit einem atomaren Angriff gegen Südkorea und Amerika. Am Donnerstag hieß es aus dem Weißen Haus, dass Amerika einen Militärschlag erwäge, falls es einen neuen Atomtest geben sollte. Andere Berichte, die besagten, ein solcher Schlag könnte schon vor einem Atomtest erfolgen, wurden aber als falsch zurückgewiesen.

          Machthaber Kim Jong-un, der sich in diesen Tagen als Bauherr eines neuen Wohnviertels in der Hauptstadt Pjöngjang von jubelnden Massen huldigen lässt, ist unter Druck. Auch wenn Nordkorea es bei seinen martialischen Äußerungen belässt, muss das Regime in Pjöngjang damit rechnen, dass der unberechenbare Präsident Trump tatsächlich das tun könnte, wovor andere amerikanische Präsidenten vor ihm zurückgeschreckt sind: militärisch gegen Nordkorea vorzugehen.

          Ein Konflikt könnte Millionen Todesopfer fordern

          Das Regime in Pjöngjang hat sich bislang darauf verlassen, dass sich die Amerikaner wegen der großen Risiken, die ein Militärschlag birgt, um eine friedliche Lösung bemühen würden. Im Fall einer militärischen Auseinandersetzung wären Südkorea, Japan und das amerikanische Territorium Guam im Pazifik ein Ziel nordkoreanischer Angriffe. Auf der dichtbesiedelten koreanischen Halbinsel könnte die Zahl der Opfer schnell in die Millionen steigen.

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          Auch chinesische Beobachter haben aus diesen Gründen die Wahrscheinlichkeit eines amerikanischen Militärschlages immer als gering eingeschätzt. Doch auch in China spricht man jetzt von der Möglichkeit eines Krieges, weil unter Präsident Trump wieder alle Optionen offen seien. Chinas Präsident Xi Jinping sah sich veranlasst, in einem Telefongespräch mit Trump eine friedliche Lösung der nordkoreanischen Atomfrage zu beschwören. Chinas Außenminister Wang Yi warnte am Freitag noch einmal eindringlich vor einem drohenden Konflikt auf der Koreanischen Halbinsel. Es sei nötig, zu verhindern, dass die Lage sich in eine unumkehrbare Richtung entwickle.

          China soll das Nordkorea-Problem lösen

          Nach amerikanischen Berichten hat Präsident Xi Jinping Trump bei den Gesprächen der beiden Präsidenten in Florida davon überzeugen können, dass China nicht so viel Einfluss auf Nordkorea hat, wie Trump das annahm. Dieser zeigt sich aber trotzdem optimistisch, dass Xi Jinping alles unternehmen wird, um Nordkorea zum Einlenken zu bringen. Wenn nicht, so der amerikanische Präsident, werde Amerika mit seinen Alliierten das Problem lösen.

          Präsident Trump hat Xi Jinping in Aussicht gestellt, dass ein neuer Handelspakt mit Amerika für China günstiger ausfallen würde, wenn Peking das Nordkorea-Problem löste. China hat nun Kohlelieferungen aus Nordkorea zurückgeschickt, doch wird das allein nicht ausreichen, um das eigensinnige Regime in Pjöngjang, das an seinem Atomprogramm als Überlebensgarantie festhält, an den Verhandlungstisch zu bringen.

          Es ist nicht klar, wie weit China gehen wird, ob es etwa Energielieferungen an Nordkorea einstellen wird, um Kim Jong-un zu Verhandlungen zu bewegen. Es bleibt dabei, dass China keinen Kollaps des Regimes in Pjöngjang und keinen Krieg auf der Koreanischen Halbinsel will. Um ein militärisches Eingreifen Amerikas zu verhindern, muss die chinesische Regierung jetzt mehr liefern als nur halbherzige Sanktionen.

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