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Nordkorea : Europäer auf Friedensmission

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Hohe Diplomatie: Nordkoreas Führer Kim Jong Il zwischen EU-Ratspräsident Persson und dem Sicherheitsbeauftragten Solana Bild: AP

Ratspräsident Persson führt die ranghöchste EU-Delegation an, die jemals in Nordkorea war. Vorsichtig tasten sich die Europäer durchs diplomatische Feld.

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          Zur Vermittlung im stockenden Friedensprozess zwischen Nord- und Südkorea hat eine hochrangige Delegation der Europäischen Union am Mittwoch Gespräche in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang aufgenommen. Nach einem ersten Treffen mit dem kommunistischen Staatschef Kim Jong Il sagte der schwedische Ministerpräsident und amtierende EU-Ratspräsident Göran Persson, es sei ein „kurzes, aber produktives“ Gespräch gewesen.

          Der bisher ranghöchsten EU-Delegation in Nordkorea gehören neben Persson Außenkommissar Chris Patten sowie der Außen- und Sicherheitsbeauftragte Javier Solana an. Am Donnerstagabend reisen die EU-Vertreter zu Gesprächen mit Südkoreas Präsident Kim Dae Jung nach Seoul weiter. Dieser forderte Präsident George W. Bush auf, den von seinem Vorgänger Bill Clinton begonnenen Dialog mit Nordkorea schnellstmöglich wieder aufzunehmen.

          Blumen für den Diktator

          Persson, Patten und Solana wurden am Flughafen in Pjöngjang mit militärischen Ehren empfangen und vom Vorsitzenden der Volksversammlung, Kim Yong Nam, abgeholt. Rund tausend Zivilisten - Frauen in traditioneller Tracht und Männer in dunklen Anzügen - jubelten den Politikern zu. Die EU-Delegation legte an riesigen Statue des Staatsgründers und Vaters des derzeitigen Staatsoberhaupts, Kim Il Sung, Blumen nieder - eine diplomatische Geste, sagte ein Delegationsmitglied. Staatschef Kim Jong Il selbst war bei dem Empfang dabei. Ein europäischer Diplomat sagte, es seien jedoch mindestens zwei „substanzielle Gespräche“ mit dem kommunistischen Staatsoberhaupt vorgesehen.

          Entspannungsprozess stockt

          Die drei EU-Politiker wollen versuchen, dem zwischen Nord- und Südkorea neuen Schwung zu geben. Die Delegation habe jedoch keinesfalls die Absicht, sich in die Diskussionen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea einzumischen, betonte Persson. Der EU-Ratspräsident hatte die Erfolgschancen der EU-Initiative im Vorfeld zurückhaltend bewertet. Im vergangenen Sommer war durch das erste koreanische Gipfeltreffen nach 50 Jahren eine Entspannung auf der koreanischen Halbinsel eingeleitet worden. Doch seit einigen Monaten ist der Annäherungsprozess wieder ins Stocken geraten, nicht zuletzt durch den Wechsel im Weißen Haus und die harte Haltung von Präsident Bush. Aus amerikanischer Sicht gilt Nordkorea als so genannter Besorgnis erregender Staat, der möglicherweise in der Lage ist, Waffen mit atomaren Sprengköpfen einzusetzen.

          Aufruf zum Dialog

          Der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung forderte die Vereinigten Staaten am Mittwoch zum Dialog mit Nordkorea auf. Er hoffe auf eine baldmögliche Wiederaufnahme der bilateralen Gespräche beider Staaten, sagte Kim Dae Jung in einem Telefonat mit Bush. Die Clinton-Regierung hatte den Friedensprozess zwischen den beiden Koreas stark unterstützt. Seit der Amtsübernahme durch Bush sind diese Bemühungen nicht fortgesetzt worden. Außenminister Colin Powell hatte im März gesagt, Amerika hätte keine Eile, mit dem „despotischen Regime“ in Nordkorea zu verhandeln.

          Bushs Pläne zur Errichtung eines Raketenabwehrschilds werden bei den Gesprächen mit dem nordkoreanischen Staatschef keine Rolle spielen, sagte Persson. Das geplante Raketenschild sei keine EU-Angelegenheit. „Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass es Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa in der Raketenpolitik gibt“, sagte der schwedische Ministerpräsident.

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