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Nordkorea : Die Zukunft des jungen Generals

  • -Aktualisiert am

Kim Jong-ils 27 Jahre alter Sohn war erst vor zwei Wochen zum General ernannt worden Bild: dpa

Der junge Kim Jong-un soll Nordkoreas Zukunft sein. Aber hat der Staat überhaupt eine Zukunft? Die Diktatoren stehen vor der Wahl: Regieren von Chinas Gnaden oder durch die Öffnung des Landes die Macht verlieren.

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          Das gut inszenierte Schauspiel der Einführung eines Thronfolgers hat seinen Höhepunkt erreicht. Nachdem Kim Jong-il seinen Sohn zum General ernannt, dann in das Zentralkomitee und in die Führung der Militärkommission berufen hatte, hat er Kim Jong-un jetzt der nationalen und internationalen Öffentlichkeit präsentiert, bei der Abnahme der großen Militärparade zum 65. Jahrestag der Arbeiterpartei in Pjöngjang. Der junge Kim Jong-un soll Nordkoreas Zukunft sein.

          Aber hat der nordkoreanische Staat eine Zukunft? Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks vor zwanzig Jahren verordnete Machthaber Kim Jong-il seinem Land verschärfte Isolation und Planwirtschaft. Das hat ins Elend geführt. Die Landwirtschaft kann die Bevölkerung kaum ernähren, Naturkatastrophen führen immer wieder zu Hungersnöten. Die Industrie ist abgewirtschaftet. Die Inflation galoppiert. Nur der Handel mit China hält die Wirtschaft in Gang sowie der Export von Waffen und Raketentechnologie.

          Nordkorea wird von Kim Jong-il nach dem Leitsatz „Militär zuerst“ regiert. Die von der Staats-Propaganda unaufhörlich verbreiteten Legenden von der Bedrohung durch die amerikanischen „Imperialisten“ und deren südkoreanischen „Lakaien“ rechtfertigen ein riesiges Militär, das bei der Verteilung der knappen Ressourcen bevorzugt wird. Auch das Raketen- und Atomprogramm erklärt der Diktator mit der angeblichen Bedrohung aus den Vereinigten Staaten.

          Nordkorea : Kim Jong-un zeigt sich dem Volk

          Gibt es Rivalitäten um Macht und Pfründe?

          Tatsächlich dienen Isolation, „Militär zuerst“ und Atomprogramm zu allererst dem Überleben der Kim-Familie, die seit dem Koreakrieg unangefochten regiert. Kim Jong-il und seine Gefolgsleute fürchten die Macht des Wohlstandes in der Nachbarschaft und die Macht der Märkte. Sie fürchten, dass der Sog des geschmähten Kapitalismus so stark wird, dass sich die Bevölkerung nach Südkorea oder China orientiert, aber nicht mehr nach dem Thron der Kim.

          Kim Jong-un hat den Auftrag, das Land im Sinne seines Vaters und des Klans weiterzuführen. Solange Kim Jong-il am Leben ist, wird er selbst dafür sorgen, dass seine Politik mit Hilfe des Militärs fortgesetzt wird. Auch Kim Jong-un ist als Militärführer eingeführt worden, der als „junger General“ trotz seiner jungen Jahre die größte Militärparade, die Pjöngjang seit langem gesehen hat, mit seinem Vater abnehmen darf.

          Was wird passieren, wenn Kim Jong-il nicht mehr seine schützende Hand über seinen Sohn halten kann? Auch mit den Mentoren aus dem Klan, die der Vater dem Sohn beigeordnet hat, wird Kim Jong-un schwächer sein als es sein Vater war. Wird die Führungsclique mit dem Kim-Klan vereint sein im Kampf ums Überleben? Gibt es Rivalitäten um Macht und Pfründe? Wird das Militär den dritten Repräsentanten einer kommunistischen Dynastie hinnehmen? Wer wird in einem Machtkampf über Nordkoreas Atomprogramm entscheiden? Kim Jong-il will das Atomprogramm nicht aufgeben. Zwar hat sich Nordkorea bei den Sechser-Gesprächen zum Abbau im Gegenzug für Hilfsleistungen und Anerkennung verpflichtet. Doch es zeigt keine Neigung, diesen Verpflichtungen nachzukommen, und keine Eile, zu den Gesprächen zurückzukehren.

          Im Volk regt sich leise, aber fortgesetzte Kritik

          Vielmehr scheint Nordkorea im Begriff zu sein, die Atomanlage Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Nach einer gerade veröffentlichten Studie arbeitet Nordkorea erfolgreich an der Urananreicherung. Die Fortschritte seien alarmierend, heißt es. Während das Thronfolge-Schauspiel begann, sagte Pjöngjangs Vertreter vor den Vereinten Nationen, Nordkorea brauche sein Atomprogramm weiter, um die Bedrohung aus Amerika abzuwehren. Wird die internationale Gemeinschaft dem dritten Kim das Atomprogramm abkaufen können? Kim III wird unter einem gewissen Druck stehen, wirtschaftliche Erfolge vorzuzeigen. Sein Vater hat, vielleicht unbedacht, als Ziel vorgegeben, dass Nordkorea im Jahr 2012, dem hundertsten Geburtsjahr des Staatsgründers Kim Il-sung, ein wohlhabender Staat sein soll. Der Bevölkerung, die seit Jahrzehnten mehr schlecht als recht überlebt, wurde ein besseres Leben in Aussicht gestellt.

          Derzeit sieht es nicht so aus, als ob dieses Ziel in zwei Jahren zu erreichen sein wird. Ob die Bevölkerung es weiterhin ohne Murren hinnehmen wird, wenn sich auch diesmal die Hoffnungen als Propaganda-Lügen erweisen? Die missglückte Währungsreform des letzten Jahres hat offenbart, dass sich leise, aber fortgesetzte Kritik regen kann, wenn das Leben der Bürger noch schwieriger wird.

          Kim Jong-un könnte die Belebung der Wirtschaft und die Verbesserung der Versorgung durch marktwirtschaftliche Reformen und die Öffnung des Landes nach dem Vorbild Chinas erreichen. Doch dies birgt das Risiko unkontrollierbarer Veränderung, die für die Kim-Familie den Machtverlust bedeuten könnte.

          Da Hilfe aus Südkorea derzeit nicht zu erwarten ist, bliebe für Kim Jong-un nur, diese in China zu suchen. Die große Volksrepublik ist in der Lage, mit Investitionen und Handel der nordkoreanischen Wirtschaft auf die Beine zu helfen, und würde dies ohne politische Vorbedingungen tun. Doch Kim Jong-un wäre dann ein Herrscher von Chinas Gnaden.

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