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Nordkorea : Der lange Konflikt um das Atomprogramm

Atomprogramm als Druckmittel: Nordkoreas Diktator Kim Jong-il Bild: AP

Der Streit um das nordkoreanische Atomprogramm, der mit dem jüngsten Start einer Langstreckenrakete durch Pjöngjang neu aufflammt, beschäftigt die Welt schon seit langem. Seit den 60er Jahren benutzen die kommunistischen Machthaber ihr angebliches nukleares Potential als Druckmittel gegenüber dem Rest der Welt.

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          Die Anfänge eines Atomprogramms in Nordkorea datieren auf das Jahr 1965. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Yongbyon ein erster Versuchsreaktor errichtet. 1992 unterzeichnete Pjöngjang ein Inspektionsabkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Schon bald gab es Probleme: Die Amerikaner beschuldigten Nordkorea, in Yongbyon eine Anlage zu betreiben, mit der waffenfähiges Plutonium gewonnen werden könne. Die IAEA verlangte eine Sonderinspektion, Nordkorea lehnte ab.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Zu einer Entspannung kam es im Oktober 1994. Nordkorea und die Vereinigten Staaten unterzeichneten ein Abkommen, in dem sich Pjöngjang zum Abbau der Anlagen in Yongbyon verpflichtete. Im Gegenzug sollte Nordkorea bis 2003 zwei Leichtwasserreaktoren zur Energieerzeugung erhalten. Bis zur Fertigstellung wurde die Lieferung von jährlich 500 000 Tonnen Öl vereinbart. Für den Reaktorbau wurde eine eigene Organisation (Kedo) geschaffen, der neben Amerika und Südkorea auch Japan angehörte.

          Kein Besuch von Bill Clinton in Pjöngjang

          Der Reaktorbau begann zwar im Jahre 1997. Aber fertiggestellt wurde die Anlage nie. 1998 testete Nordkorea eine dreistufige Rakete, die über japanisches Territorium flog und dort zu heftigen Reaktionen führte. Eine Entspannung trat im Jahre 2000 ein. Nord- und Südkorea vereinbarten bei einem Gipfeltreffen in Pjöngjang unter anderem die Öffnung der Grenze. Die Vereinigten Staaten erklärten sich zu Verhandlungen mit Nordkorea bereit. Im Oktober 2000 besuchte Außenministerin Albright das Land. Spekulationen über einen Besuch Präsident Clintons bewahrheiteten sich nicht.

          Dessen Nachfolger Bush verfolgte wieder einen härteren Kurs gegenüber Nordkorea. Das Land sei Teil der „Achse des Bösen“, so der Präsident. Die Amerikaner präsentierten Satellitenfotos als Beweise für die Existenz eines Atomwaffenprogramms. Nordkorea dementierte das nicht. Es wies Ende 2002 die Inspekteure der IAEA aus. Im Januar 2003 erklärte Nordkorea seinen sofortigen Austritt aus dem Nichtverbreitungsvertrag.

          Forderung nach immer neuen Zugeständnissen

          Im April 2003 behauptete Nordkorea bei Gesprächen mit Amerikanern und Chinesen, es besitze Atomwaffen. Es sei bereit, das Programm „einzufrieren“, wenn es im Gegenzug Sicherheitsgarantien bekomme. Mit dem Ziel, eine solche Vereinbarung zu erzielen, begannen noch im gleichen Jahr die Sechsergespräche in China. Die Ergebnisse blieben bescheiden. Nordkorea forderte immer neue Zugeständnisse, die Amerikaner wollten zeitweise auch über die angebliche Produktion von Falschgeld in Nordkorea sprechen.

          Im Oktober 2006 testete Nordkorea eine Atomwaffe. In der Folgezeit kamen die Sechsergespräche wieder in Gang. Diese führten im September 2007 zu einer vorläufigen Vereinbarung. Nordkorea erklärte sich bereit, bis Ende 2007 eine Liste aller seiner Atomanlagen vorzulegen. Pjöngjang legte zwar eine Liste vor, die Amerikaner behaupteten allerdings, diese sei nicht vollständig. Je näher die Präsidentenwahl in Amerika rückte, desto weniger Fortschritte gab es. Nach der Wahl Barack Obamas bemühte sich Nordkorea verstärkt um die Aufmerksamkeit Washingtons. Als eine nach nordkoreanischer Meinung angemessene amerikanische Reaktion ausblieb, kündigte Nordkorea den Raketentest an, den es als Teil seines Weltraumprogramms bezeichnet.

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