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Sportfest in China : Nordkorea bleibt den Olympischen Spielen fern

In Rio 2016 nahm eine Mannschaft aus Nordkorea an den Olympischen Spielen teil Bild: AFP

Erst die Olympischen Spiele in Tokio, jetzt in Peking: Nordkorea nimmt nicht teil. Begründet wird die Absage mit „Maßnahmen feindlicher Kräfte“ und der Corona-Pandemie. Für Südkorea ist das ein Rückschlag.

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          Nordkorea hat seine Teilnahme an den bevorstehenden Olympischen Winterspielen in Peking abgesagt. Gründe dafür seien „Maßnahmen feindlicher Kräfte“ und „die weltweite Pandemie“, heißt es in einem Brief, den das Nationale Olympische Komitee und das Sportministerium in Pjöngjang an die Verantwortlichen in China übermittelt haben. Die nordkoreanischen Sportfunktionäre sind ohnehin vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bis Ende 2022 gesperrt worden. Das IOC hatte aber die Möglichkeit einer Teilnahme für nordkoreanische Sportler und auch einer vorzeitigen Aufhebung der Sperre offen gehalten. Mit der Suspendierung hatte die Organisation aus Lausanne Nordkorea dafür bestraft, dass es schon an den Sommerspielen 2021 in der japanischen Hauptstadt Tokio nicht teilgenommen hatte. Damit habe das Land gegen seine Verpflichtungen aus der Olympischen Charta verstoßen, so das IOC. Die Sperre führte dazu, dass Nordkorea seinen Anspruch auf Geld vom IOC verlor, das aufgrund internationaler Sanktionen noch nicht ausgezahlt worden war. Auch an IOC-Hilfsprogrammen kann Nordkorea derzeit nicht teilnehmen.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Die abermalige Absage ist ein Rückschlag für den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, der sich darum bemüht, noch vor seinem Ausscheiden im März Gespräche mit Pjöngjang über eine Friedenserklärung, also ein formelles Ende des Koreakriegs, in Gang zu bringen. Ursprünglich hatte die Regierung in Seoul gehofft, dass die Olympischen Spiele in Peking, wie schon 2018 im eigenen Land, den Weg für eine innerkoreanischen Annäherung ebnen und auch als Plattform für Gespräche mit chinesischen und amerikanischen Diplomaten dienen könnten. Letzteres hatte sich schon zerschlagen, als der amerikanische Präsident Joe Biden im Dezember einen diplomatischen Boykott der Spiele erklärt hatte. Aber auch mit Blick auf eine nordkoreanische Teilnahme hatte der südkoreanische Außenminister Chung Eui-yong im Dezember bereits zugestanden, dass die „Chance kleiner wird“.

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          Die Olympischen Spiele in Pyeongchang waren 2018 ein historischer Moment für die innerkoreanischen Beziehungen. Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers war als erstes Mitglied der Kim Dynastie in den Süden gereist und hatte an der Eröffnungsfeier teilgenommen. Es waren Spiele voller Symbole der Annäherung. So hatte Kim Yo-jong sich für die südkoreanische Nationalhymne erhoben, obwohl diese in ihrem Land verboten ist, und sie hatte den Einlauf des gemeinsamen Teams der beiden Koreas beklatscht. Kim überbrachte einen Brief ihres Bruders an Präsident Moon Jae-in. Nur zwei Monate später kam es zum ersten innerkoreanischen Gipfel seit 2007. Er legte die Grundlage für zwei weitere Treffen zwischen Kim Jong-un und Moon Jae-in sowie für Begegnungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit Kim Jong-un.

          China hat in der koreanischen Sportdiplomatie schon in der Vergangenheit eine Rolle gespielt. Nach Angaben der Kim-Jong-Un-Biographin Anna Fifield wurde Nordkoreas Teilnahme in Pyeongchang bei Geheimtreffen von Diplomaten beider Länder am Rande von Fußballspielen in China vorbereitet. Im gleichen Jahr reiste auch IOC-Präsident Thomas Bach zu einem Treffen mit Machthaber Kim Jong-un in Pjöngjang. Dabei soll dieser über seine Begeisterung für Basketball gesprochen haben.

          Schon das Fernbleiben bei den Olympischen Spielen in Tokio hatte Nordkorea mit dem Coronavirus und Sorgen um die Gesundheit seiner Sportler begründet. Impfstoffangebote des IOC hatte es abgelehnt. Seit Beginn der Pandemie hält das Land seine Grenzen weitgehend geschlossen und hat sich international noch mehr abgeschottet als zuvor. Den Brief mit der Absage an China habe der nordkoreanische Botschafter am Mittwoch in Peking übergeben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. „Wir unterstützen die chinesischen Genossen in all ihren Bemühungen, glänzende und wundervolle Spiele abzuhalten“, heißt es darin. Zugleich wird Kritik am diplomatischen Boykott der Vereinigten Staaten und anderer Länder geübt. Dabei handle es sich um „eine Beleidigung des Geistes der Olympischen Charta“ und „unverblühmte Schritte gegen China, um eine erfolgreiche Eröffnung der Spiele zu verhindern“.

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