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FAZ.NET-Countdown : No sports?

Vor dem Golf spielen: Donald Trump und Japans Premierminister Shinzo Abe im Kasumigaseki Country Club in Kawagoe Bild: Reuters

Joschka Fischer hat Zeit, um Laufen zu gehen. Die grünen Jamaika-Unterhändler gerade eher nicht. Und Trump spielt als Präsident viel mehr Golf, als er wollte.

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          Wann haben Sie das letzte Mal Sport getrieben? Falls Sie jetzt schlechte Laune bekommen, keine Sorge. Es folgen keine Fitnessratschläge. Menschen leben mal gesund, mal sündigen sie. Manche befinden sich auf einem langen Lauf zu sich selbst. Andere sind längst wieder auf dem Weg zurück. Fragen Sie Joschka Fischer. Dabei dürfte Deutschlands einstiger grüner Außenminister über mehr Zeit zum Joggen verfügen als die aktuelle Führungsmannschaft seiner Partei. Die Stimmung, die sie nach außen vermittelt, ist mit „skeptisch“ höflich ausgedrückt. Die Spitzenpolitiker der Grünen machten ihrem Ärger über die Jamaika-Sondierungen in den vergangenen Tage unisono Luft. „Sehr problematisch“ seien die Verhandlungen, sagte Grünen-Chefin Simone Peter der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Die Ergebnisse genügen bei weitem nicht“, monierte Ko-Chef Cem Özdemir in der „Bild am Sonntag.“

          Katrin Göring-Eckhardt beklagte, Union und FDP hätten das Angebot, Brücken zu bauen, nicht angenommen. Wobei, um im Bild zu bleiben, ein solches Angebot selbst ja schon zumindest mal eine grüne Ponton-Brücke gewesen wäre. Doch davon ab: Ob die Grünen mit ihrer Einschätzung richtig liegen oder gerade unter einer „klassischen Wahrnehmungsverzerrung“ leiden, wie der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion Marco Buschmann behauptet, wird sich frühestens am Donnerstag sagen lassen. Dann wollen CDU, CSU, FDP und Grüne ein gemeinsames Sondierungspapier fertigstellen, dass die Parteigremien davon überzeugen soll,  Koalitionsverhandlungen zuzustimmen.

          Mit welchen Argumenten diese Überzeugungsarbeit bei den Grünen flankiert werden könnte, darauf gab Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits einen Hinweis. Kretschmann zufolge wollen sich die Grünen in einer möglichen Koalition auf die Ressorts Umwelt, Agrar oder Verkehr konzentrieren. Alles Themen, die mit dem Klimaschutz zusammenhängen, einem Kernanliegen der Grünen. Wohlgemerkt: „Nicht, weil das unser Steckenpferd ist, sondern weil es eine Menschheitsfrage ist“, so Kretschmann. Das stimmt. Nur dass Menschheitsfragen das Steckenpferd der Partei sind, kommt den Grünen dabei zumindest nicht ungelegen.

          Das grüne Jamaika-Narrativ könnte also wie folgt aussehen: Selbst wenn man sich mit Union und FDP in vielen Themen nicht einig ist, könnten die Grünen sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und für sich in Anspruch nehmen, das „ökologische Gewissen“ der Koalition zu sein. Eine Position, die wenig Streitpotential zwischen Fundis und Realos liefern würde. Andere Ressorts böten wohl erheblich mehr Strahlkraft, aber auch mehr Risiken. Die heutigen Spitzenpolitiker haben alle miterlebt, wie das Außenministerium mit Joschka Fischer an der Spitze 1999 schnell von der Lust zur Last wurde, als Deutschland in den Kosovo-Krieg zog – und Fischer selbst nach einer Farbbeutelattacke auf einem Sonderparteitag das Trommelfell riss. Wer weiß schon, mit welchen Krisen und Konflikte ein grüner Außenminister in den kommenden Jahren hantieren müsste. Auch wenn er nicht Cem Özdemir hieße und das Ziel der Reise nicht die Türkei wäre.

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