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Nicolas Sarkozy : Unentbehrlich

Nicolas Sarkozy Bild:

Spektakuläre Einsätze der Polizei sind unter Innenminister Nicolas Sarkozy beinahe zur Routine geworden. Der 48 Jahre alte Chef der Polizei und der Gendarmerie hat die Medien für seine Mission eingespannt, das Sicherheitsbedürfnis der Franzosen zu befriedigen. Jetzt schlugen seine Mannen gegen die iranische Exilorganisation Volksmudschahedin zu.

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          Spektakuläre Einsätze der Polizei sind unter Innenminister Nicolas Sarkozy beinahe zur Routine geworden. Der 48 Jahre alte Chef der Polizei und der Gendarmerie hat die Medien für seine Mission eingespannt, das Sicherheitsbedürfnis der Franzosen zu befriedigen. Wenn mehr als 1.200 Spezialkräfte der Einheit für Fahndung, Intervention und Abschreckung Vorortvillen nahe Paris nach Beweismaterial gegen die iranischen Volksmudschahedin durchsuchen und 165 Verdächtige festnehmen, garantiert das dem Innenminister nicht nur Schlagzeilen. Er führt damit auch die Einsatzbereitschaft der Polizeikräfte vor, die seit seinem Amtsantritt im Mai 2002 aus ihren Amtsstuben auf die Straßen getrieben wurden. Mit der Mischung aus aufsehenerregenden Razzien gegen Terrorverdächtige, beharrlicher Kriminalitätsbekämpfung in ländlichen Gebieten wie an den urbanen Brennpunkten sowie gesteigerter Polizeipräsenz im Alltag ist es Sarkozy nicht nur gelungen, die Kriminalitätsstatistik zu verbessern. Der umtriebige Minister hat den Franzosen das Gefühl gegeben, daß ihr Land seit dem Machtwechsel tatsächlich sicherer geworden ist.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am politischen Talent Sarkozys hat kaum jemand gezweifelt. Der Sohn eines ungarischen Adeligen, Pal Nagy Bosca y Sarkozy, und der Nachfahrin einer alten jüdisch-griechischen Familie, Andree Mallah, hat sich stets als Kämpfer in eigener Sache verstanden. "Nichts ist jemals verloren, nichts ist jemals errungen", lautet Nicolas Sarkozys Devise. Der Wunsch nach Anerkennung stand bei dem jungen Sarkozy im Vordergrund, der seine Familie einmal mit der Äußerung schockierte, er blicke nicht mit Nostalgie auf seine Kindheit zurück, die "keine wirklich glückliche Phase" in seinem Leben gewesen sei. Die Eltern ließen sich scheiden, als Nicolas fünf Jahre alt war, der Vater wurde daraufhin zur abwesenden Gestalt, um dessen Aufmerksamkeit der Sohn jedoch stets werben sollte. Wie seine Mutter entschied sich Nicolas für eine Ausbildung zum Rechtsanwalt; zugleich zog es ihn in die Politik.

          Mit 28 Jahren eroberte er das Rathaus der bürgerlichen Kommune Neuilly-sur-Seine, er überrumpelte den alten gaullistischen Haudegen Charles Pasqua, der sich eigentlich den Posten reserviert hatte. Auch Jacques Chirac machte sich die Diensteifrigkeit und den Fleiß Sarkozys zunutze. Zugleich nahm Sarkozy Chiracs Tochter Claude unter seine Fittiche, Claude wählte ihn zum Trauzeugen, als sie 1992 heiratete. Doch Sarkozys Ansehen im innersten Zirkel des Chirac-Clans sollte nicht von Dauer sein. Im Bruderkampf der Neogaullisten schlug sich Sarkozy, unter Premierminister Balladur zum Haushaltsminister aufgestiegen, für den Regierungschef. Chirac rächte sich für den "Verrat" im Präsidentenwahlkampf 1995 mit einem zwei Jahre währenden Schweigen.

          Erst von 1997 an, nachdem Chirac die Regierungsgeschäfte an die Linke hatte abgeben müssen, begann Sarkozys Rehabilitierung. 1999 führte er als neogaullistischer Spitzenkandidat den Europawahlkampf, schnitt jedoch enttäuschend ab. Doch auch aus seinen Niederlagen schöpft Sarkozy die Kraft für neuen Tatendrang. Mit Hilfe seiner zweiten Frau, Cecilia, baute er seine Netzwerke aus, die ihn im Wahlkampfjahr 2002 unentbehrlich machten. Seinem Traum vom Premierministerposten bereitete Chirac mit dem Vorschlag ein jähes Ende, "oberster Polizist" zu werden. Sarkozy schmollte nicht lange. Er assistiert jetzt auch dem offensichtlich überforderten Bildungsminister Ferry.

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