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Amerika wählt : Könnte Trump ein Scheinsieg genügen?

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Gewiss, auch die Justiz ist politisiert, und wenn der Wahlausgang am Ende wie anno 2000 in Florida an wenigen Stimmzetteln in einem Bundesstaat hängt, dann könnte Trump von der Ernennung Hunderter konservativer Bundesrichter profitieren. Doch so sehr es mich manchmal gruselt, wie sich die Kongress-Republikaner Trump unterworfen haben: Ich glaube nicht, dass ihre Loyalität sowie die der Richterschaft und gar der Sicherheitskräfte ausreicht, um Trump mit der Idee durchkommen zu lassen, Briefwahlstimmen in ganz großem Stil für ungültig zu erklären. Sehr viel besser kann ich mir vorstellen, dass Trump in einem solchen Szenario eine wochenlange Show inszeniert – aber nicht bis zu dem Punkt, an dem ihn Secret-Service-Agenten aus dem Weißen Haus tragen.

Jetzt habe ich mich doch recht weit aus dem Fenster gelehnt. Hoffentlich wird das Szenario nie eintreten und wir erfahren nie, wie weit Trump den Kampf um die Macht tatsächlich treiben würde.

Und was sagen die Zahlen? Heute will ich mal nicht auf Umfragen schauen, sondern aufs Geld. Wenn man sich ansieht, in welchen Staaten die beiden Kandidaten und ihre jeweiligen Unterstützergruppen bisher wie viel Geld ausgegeben haben, bekommt man ein gutes Gespür dafür, wo Biden und Trump ihre besten Chancen sehen, etwas zu bewegen. Besonders fällt Pennsylvania ins Auge: Bis Ende August hat „Team Biden“ dort Werbung für 44 Millionen Dollar geschaltet, „Team Trump“ für 33 Millionen.

Das entspricht ziemlich genau den Summen, die beide Seiten schon in Florida verpulvert haben – nur dass im Sunshine State fast doppelt so viele Menschen leben. In Pennsylvania, wo Biden geboren wurde, hatte Hillary Clinton 2016 knapp gegen Trump verloren. Biden will Clintons Fehler vermeiden und investiert deshalb überdies stattliche Summen, um in Michigan und Wisconsin zu gewinnen. Früher mussten Demokraten um diese Staaten nicht kämpfen, doch Trump setzte sich durch.

Noch 2016 durfte auf keiner Liste entscheidender Schlachtfeldstaaten Ohio fehlen, der Staat zwischen Pennsylvania und Michigan. Doch Biden hat dort nur 3,4 Millionen Dollar ausgegeben, scheint sich also damit abgefunden zu haben, dass Trump dort gewinnt. Dass es aufgrund des demographischen Wandels eine echte Chance für Biden geben könnte, traditionelle Republikaner-Hochburgen wie Texas oder Georgia zu erobern, ist zwar Gegenstand unzähliger Zeitungsanalysen. Biden selbst scheint aber nicht daran zu glauben – in beiden Staaten hat er noch deutlich weniger Geld ausgegeben als Trump. Wenn im Süden eine kleine Sensation möglich sein sollte, dann sehen Bidens Leute die Chance dazu offenbar in Arizona. In dem Sieben-Millionen-Einwohner-Staat haben sie schon gut 20 Millionen Dollar ausgegeben, etwas mehr als die Gegenseite.

Auf die Ohren: Wie jeden Mittwoch ging es auch beim jüngsten F.A.Z.-Podcast für Deutschland um den Wahlkampf in Amerika. Mit Außenpolitikchef Klaus-Dieter Frankenberger habe ich über die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft geredet. Unsere Moderatorin Kathrin Jakob hat obendrein das Schweizer Fotografenpaar Mathias Braschler und Monika Fischer interviewt, die voriges Jahr monatelang durch die Vereinigten Staaten gereist sind und Amerikaner aus allen Schichten befragt und porträtiert haben. Hören sie rein!

Weiterlesen: Einige dieser beeindruckenden Porträtfotos von Braschler und Fischer zeigen wir hier zu einem Essay, in dem ich für den Bildband „Divided We Stand“ der Frage nachging, wie Amerika an diesen heiklen Punkt seiner Geschichte kommen konnte. Frauke Steffens hat hier zusammengefasst, was Trump dem berühmten Enthüllungsjournalisten Bob Woodward anvertraut hat, von Corona bis Superwaffe. Wenn auch Sie sich fragen, wer nach der Wahl womöglich zu den Gewehren greifen könnte, dann sollten Sie hier den erhellenden Text unseres Washington-Korrespondenten Majid Sattar über die Milizen lesen, die es auf beiden Seiten des Grabens gibt. Und hier seinen Artikel über einen Vorgang, der Trump offenbar zu schaffen macht: Enthüllungen über despektierliche Worte, mit denen der Oberbefehlshaber gefallene amerikanische Soldaten bedachte.

Haben Sie eine gute Woche!

Ihr Andreas Ross

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