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Neujahrsansprache in Kiew : Poroschenko schwört Ukraine auf Westkurs ein

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Der ukrainische Präsident Poroschenko bei seiner Neujahrsansprache in Kiew Bild: AFP

Wie kein anderes Land in Europa hat die Ukraine unter den Umbrüchen des Jahres 2014 gelitten. Während Präsident Poroschenko in seiner Neujahrsansprache den Westkurs seines Landes beschwört, schwärmt Putin von russischer Vaterlandsliebe auf der Krim.

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          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat in seiner Neujahrsansprache eine spürbare Annäherung seines vom Krieg gezeichneten Landes an die Europäische Union angekündigt. 2015 werde als Jahr der tiefgreifenden Reformen in die Geschichte eingehen.

          „Sie werden uns den Weg zur Aufnahme in die EU öffnen“, versprach Poroschenko in seiner vom Fernsehen verbreiteten Rede. Auf die umstrittenen Pläne der prowestlichen Regierung, Mitglied der Nato zu werden, ging Poroschenko ebensowenig wie auf das zerrüttete Verhältnis zur Russland ein.

          Poroschenko betonte in seiner Ansprache, das vergangene Jahr sei das schwerste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren gewesen. Die Ukraine werde den Krieg im eigenen Land gewinnen, versprach der Präsident.

          In Moskau erinnerte der russische Präsident Wladimir Putin voller Stolz an die Angliederung der Schwarzmeer-Halbinsel Krim an Russland. „Dieses Ereignis wird immer einer der wichtigsten Meilensteine in der vaterländischen Geschichte sein“, sagte Putin in seiner Neujahrsansprache.

          „Die Liebe zum eigenen Mutterland ist eines der mächtigsten und erbaulichsten Gefühle.“ Sie habe sich besonders in der „brüderlichen Unterstützung“ der Menschen auf der Krim gezeigt, als diese „entschieden, nach Hause zurückzukehren“. In der Entscheidung der Krim-Bewohner für eine Rückkehr in ihre Heimat habe sich ihre Liebe fürs Vaterland gezeigt, meinte er.

          Die Annexion der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Krim sowie Moskaus Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine haben das Verhältnis Russlands zum Westen schwer belastet.

          Neujahrsgrüße an Merkel und Obama

          Als Zeichen des guten Willens schickte Putin Neujahrsgrüße unter anderem an Kanzlerin Angela Merkel. Der russische Präsident hoffe auf eine Fortsetzung der konstruktiven Zusammenarbeit mit Deutschland, teilte der Kreml in Moskau mit.

          Auch der amerikanische Präsident Barack Obama und zahlreiche ausländische Politiker hätten Neujahrsgrüße von Putin erhalten. Der ukrainische Präsident Poroschenko und eine Reihe osteuropäischer Politiker wurden dabei nicht erwähnt.

          Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim als wichtiges Kapitel in der Geschichte seines Landes hervorgehoben. In seiner am Mittwoch gesendeten Neujahrsansprache sagte er: „Die Liebe zum eigenen Mutterland ist eines der mächtigsten und erbaulichsten Gefühle.“ Sie habe sich besonders in der „brüderlichen Unterstützung“ der Menschen auf der Krim gezeigt, als diese „entschieden, nach Hause zurückzukehren“.

          Russland hatte nach dem Sturz des prorussischen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch die Halbinsel im März annektiert. Es folgte die schwerste Krise seit dem Ende des Kalten Kriegs in den Beziehungen zum Westen, der die Einverleibung der Krim als völkerrechtswidrig betrachtet.

          Parallel zu der Neujahrsansprache, die zunächst in die östlichen Gebiete Russlands ausgestrahlt wurde, schickte Putin Neujahrsgrüße an den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldete. Es handelte sich offenbar um eine versöhnlich gemeinte Geste.

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