https://www.faz.net/-gpf-8hh29

Neuer Talibananführer : Ein unklares Bild

  • Aktualisiert am

Dieses von den Taliban herausgegebene undatierte Bild soll Mullah Haibatullah Achundsada, den neuen Anführer der Islamisten, zeigen. Bild: AFP

Der neue Talibanchef Achundsada soll schon seit Jahren Mitglied der Islamistenorganisation sein, doch es ist wenig über ihn bekannt. Er steht aber wohl hinter der Zerstörung eines Weltkulturerbes.

          1 Min.

          Er ist ein religiöser Führer, Gelehrter und hoher Richter – der neue Talibanchef Mullah Haibatullah Achundsada gehört den Taliban schon seit langer Zeit an. Wie lange genau bleibt bisher, wie vieles andere, unklar. Selbst wie der Mullah aussieht, ist ein Rätsel. Der Onlinenachrichtendienst Afghan Islamic Press zeigte am Mittwoch das Bild eines hageren Mannes mit langem schwarzgrauem Bart und weißem Turban. Aber ein Sprecher der Taliban sagte der BBC in Afghanistan, dass es von ihm kein bekanntes Foto gebe und dass er sich auch nicht fotografieren lassen wolle.

          Achundsada wird auf um die 50 geschätzt und stammt aus dem Kernland der Talibanelite, Kandahar. Nach unterschiedlichen Quellen werde er als ehemaliger Oberster Richter der Taliban, als dessen Stellvertreter oder als ehemaliger Leiter der Talibangerichtshöfe beschrieben, heißt es in einer im Februar veröffentlichten Studie des Rechercheinstituts Afghanistan Analysts Network.

          Er sei außerdem einer der wenigen Männer gewesen, die das Vertrauen des langjährigen, verehrten Talibanchefs Mullah Omar genossen. Das, seine Wurzeln in Kandahar und seine Stellung als Religionsgelehrter sollte Achundsada für viele Talibankämpfer zum akzeptablen Anführer machen. Das könnte die unter Mullah Mansur begonnene Zersplitterung der Bewegung aufhalten.

          Laut anderen Quellen haben viele seiner religiös begründeten Entscheidungen (Fatwas) Einsätze der Taliban beeinflusst – vor ihrem Fall in 2001, aber auch seit ihrem abermaligen Aufstieg etwa von 2006 an. Eine Quelle aus den Reihen der Taliban beschreibt ihn als Hardliner. Ein Beispiel sei die Zerstörung der berühmten, riesigen Buddha-Statuen von Bamian im Jahr 2001. Während es unter den Taliban auch Stimmen gegen ihre Zerstörung gegeben habe, habe Mullah Achundsada entschieden dafür gestimmt.

          Seine Familie lebt laut pakistanischen Sicherheitskreisen in der südwestpakistanischen Stadt Quetta. In Kandahar soll Achundsada eine oder mehrere Religionsschulen betreiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.