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Nach Rücktrittsankündigung : Neue Vorwürfe gegen sächsischen Bischof Rentzing

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Carsten Rentzing, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Anfang Juni bei einer Gesprächsrunde mit Kirchenvertretern in Dresden Bild: dpa

Sachsens Landesbischhof Rentzing soll vor längerer Zeit in einer rechtsnationalistischen Redaktionsgruppe mitgearbeitet haben. Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm bedauert seine Rücktrittsankündigung

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          Nach dem angekündigten Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing werden weitere Vorwürfe gegen den evangelischen Theologen öffentlich. Rentzing habe vor längerer Zeit mehrere Jahre in einer rechtsnationalistischen Redaktionsgruppe für die Zeitschrift „Fragmente“ mitgearbeitet, sagte der Leipziger Pfarrer Frank Martin dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag. Die Zeitschrift habe von 1989 bis 1992 bestanden und sich an ein sogenanntes „rechtsintellektuelles Publikum“ gerichtet.

          Der 52 Jahre alte Rentzing hatte am Freitagabend überraschend mitgeteilt, dass er sein Amt nach vier Jahren an der Spitze der sächsischen Landeskirche „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ niederlegen werde, „um Schaden von meiner Kirche abzuwenden“.

          Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bedauerte den Schritt. Die Ankündigung habe ihn überrascht und „Betroffenheit und großes Bedauern“ bei ihm ausgelöst, erklärte Bedford-Strohm am Freitagabend.

          Rentzings Rücktrittsankündigung war anhaltende Kritik an seiner Person vorausgegangen. Der als konservativ geltende Theologe lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab. Zuletzt war bekanntgeworden, dass er Mitglied der schlagenden Studentenverbindung „Alte Prager Landsmannschaft Hercynia“ ist und dass er 2013 einen Vortrag in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ gehalten hatte. Diese wird dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet.

          Der Leipziger Pfarrer Martin sagte dem epd am Samstag, Rentzing habe vor Jahren mehrere Texte für das konservative Magazin „Fragmente“ verfasst. Martin ist einer der Initiatoren einer Petition gegen Rentzing. Die sächsische Landeskirche bestätigte auf epd-Anfrage die Existenz der Texte. Der Bischof, der sich derzeit im Urlaub befindet, hat sich bisher dazu nicht offiziell erklärt.

          Ein Sprecher der Landeskirche sagte dem epd, die Kirchenleitung sei von der Erklärung des Landesbischofs überrascht worden und werde sich demnächst mit der Frage des weiteren Vorgehens befassen. Formal bleibe Rentzing Bischof, bis ein Amtsnachfolger gewählt sei.

          Von seinem Auftritt in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ vor sechs Jahren hatte sich der Landesbischof vor kurzem distanziert. „Der Weg in die Kirche hat mich verändert. Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr“, erklärte Rentzing. In einer Online-Petition war Rentzing unter anderem zu einer Stellungnahme aufgefordert worden, warum er bis heute Mitglied in der pflichtschlagenden Studentenverbindung sei.

          Rentzing ist auch stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), zu der auch die sächsische Landeskirche gehört. Der Leitende VELKD-Bischof Ralf Meister erklärte am Freitagabend, er nehme die Entscheidung Rentzings mit „tiefem Bedauern und großem Respekt“ zur Kenntnis. „Ich wünsche sehr, dass das von ihm mit dieser Entscheidung verbundene Ziel, die Einigkeit in seiner Landeskirche zu stärken, erreicht werden kann“, erklärte der hannoversche Landesbischof Meister.

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