https://www.faz.net/-gpf-9rkno

Neue Initiative : Missbrauchsopfer sollen höhere Entschädigung erhalten

  • Aktualisiert am

Sexueller Missbrauch: Die katholische Kirche berät über höhere Entschädigungssummen für Opfer (Symbolbild). Bild: dpa

Die katholische Kirche steht wegen Fällen sexuellen Missbrauchs nachhaltig in der Kritik. Bischöfe beraten nun über neues Verfahren für Entschädigungszahlungen.

          1 Min.

          Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) reagiert auf die ausdauernde Kritik von Betroffenen wie auch der Verfasser der MHG-Studie über sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche in Deutschland an ihrem „Verfahren zu Leistungen in Anerkennung des erlittenen Unrechts“: Am Mittwoch beschäftigten sich die Bischöfe während ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda mit den Vorschlägen einer von ihnen eingesetzten Arbeitsgruppe, der neben Juristen auch ein Betroffener angehört. Die Gruppe plädiert für eine pauschale Entschädigungsleistung in Höhe von 300 000 Euro oder ein Stufenmodell mit Beträgen zwischen 40 000 und 400 000 Euro. Bislang können Betroffene auf eine „finanzielle Anerkennung für erlittenes Leid“ in Höhe von 5000 Euro und die Übernahme von Psychotherapie- und Paarberatungskosten hoffen. Allerdings verfahren die Bistümer höchst unterschiedlich.

          Der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Stephan Ackermann (Trier), ließ im Anschluss an die Beratungen wissen, das Anerkennungsverfahren solle auf der Basis der Empfehlungen „zügig“ weiterentwickelt werden. Auf ein Modell festlegen wollte sich Ackermann nicht. Zudem ist nicht geklärt, wie die Ordensgemeinschaften zur Rechenschaft gezogen werden können. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, begrüßte gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur die Bereitschaft der Bischöfe, sich zu bewegen. Er hoffe, dass die Haltung der Bischöfe positiv auch auf andere Bereiche wie den Sport und die Bundesländer ausstrahle, so Rörig weiter. Dort müsse es ebenfalls mehr Bewegung geben. Nach dem bisherigen Verfahren wurden seit 2011 etwa 2100 Anträge bearbeitet. Die Zahl der tatsächlichen Opfer wird von Fachleuten für die zurückliegenden siebzig Jahre auf etwa 100 000 geschätzt.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

          FAZ.NET komplett

          : Neu

          F.A.Z. Woche digital

          F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.