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Neue Gauland-Biographie : Die AfD kann überall für Aufruhr sorgen

  • -Aktualisiert am

Verbindungen zu rechten Vernetzungsvereinen

Die AfD kann inzwischen an fast jedem Ort in Deutschland, an dem sich ein Anlass dafür bietet, Menschenmengen mobilisieren und für Aufruhr sorgen. In Berlin versammelten sich am 4. November 2015 rund 5000 Menschen hinter dem blauen AfD-Banner zu dem größten rechten Straßenprotest, den die Stadt seit dem Ende des Krieges erlebt hat. Ein Szenario, das sich in ähnlicher Form seither wiederholt. Bis zu jenem Tag gehörten die Berliner Straßen den Linken, ihren Demonstrationen für Frieden oder Fahrradverkehr, gegen Massentierhaltung, Mietwucher oder Nazis. Von nun an mobilisierten auch rechte Demonstranten, auch die AfD selbst, wiederkehrend eine vierstellige Zahl von Menschen.

Däbritz ist eine Art mobiles Pegida-Kommando für die AfD, das er in Verbindung mit dem neurechten Vernetzungsverein „Ein Prozent“ von Götz Kubitschek und im Verbund mit Hooligans und Aktivisten der „Identitären“ führt. Je nach Bedarf firmieren die Demonstrationen und Kundgebungen dann auch offiziell unter dem AfD-Banner, zumal in Wahlkampfzeiten.

Idealtypisch hat das in Cottbus funktioniert: Nachdem der Verein „Zukunft Heimat“ dort den Oberkirchplatz als rechten Demonstrationsort etabliert hatte, sprach Gauland am selben Ort vor demselben Publikum zu seinem Wahlkampfabschluss vier Tage vor der vergangenen Bundestagswahl. Unter dem Motto „Hol dir dein Land zurück“ erschien „Zukunft Heimat“ im Gewand der AfD, die im Anschluss auf das beste Zweitstimmenergebnis aller Parteien in Cottbus kam.

Die Bewegung und das bürgerliche Lager

Die „Bildungsreise“ der Potsdamer AfD-Landtagsfraktion im Dezember 2014 zu Pegida nach Dresden hatte sich also gelohnt. Organisiert hatte sie der damalige Sprecher von Gauland mit besten Kontakten ins Hooligan-Milieu. Bachmann hatte zahlreiche dieser Leute aus der Mischszene von Rechtsextremisten, Kampfsportlern und gewaltbereiten Fußballfans von Beginn an für seine Idee begeistert und mit ihnen einen Pakt geschlossen.

Fortan traten sie fast unerkannt als eine Art Schutzstaffel bei den großen Demonstrationen in Erscheinung, auch bei Legida in Leipzig, später auch bei der AfD in Erfurt, eigneten sich auf diese Weise das Gewaltmonopol für die Massenveranstaltungen an und sorgten zumindest in Dresden dafür, dass es im Umfeld von Pegida ruhig blieb.

Sie hielten Journalisten, Kameramänner und Gegendemonstranten auf Distanz und vermittelten den eigenen Demonstranten damit ein Gefühl der Sicherheit. Wegen des geordneten Ablaufs der Montagsspaziergänge gelang der Anschluss ans bürgerliche Lager, der der Bewegung Erfolg verschaffte. Gauland erfasste auf Anhieb, dass sich dieser entschiedene Straßenprotest milieu- und parteiübergreifend zusammensetzte.

Anders als im Westen, wo sich die Katholiken im Kern immer noch der CDU zuwenden und das Gewerkschaftsmilieu der SPD. „Sowieso sind die Menschen im Osten sehr viel volatiler, da gibt es keine langfristigen Bindungen“, sagte er später an einem Tag der Deutschen Einheit in der Sendung von Markus Lanz im ZDF. „Das alles hat sich zu einer Melange der Unzufriedenheit und auch des Zorns aufgebaut.“

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