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Neue Gauland-Biographie : Die AfD kann überall für Aufruhr sorgen

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„Jemand, der offensichtlich mehrmals verurteilt worden ist, wegen verschiedener Delikte, ist kein Repräsentant für eine Zusammenarbeit, der kostet uns bürgerliche Wähler.“ Pegida ja, Bachmann nein. Der auf der improvisierten Pegida-Bühne von der Droge Anerkennung geblendete Zampano Bachmann wurde zum nützlichen Idioten für die AfD. So einfach ist Gaulands Welt.

Bachmanns tragende Rolle

Bachmann hat die AfD an entscheidender Stelle angeschoben, durch seine narzisstisch motivierte Mobilisierungsleistung, sein regional gefärbtes Charisma und die Autorität, die er bei den ostdeutschen Hooligans genießt, die sich erstmals für eine gemeinsame Sache haben einspannen lassen. Ohne Bachmann wäre der Pegida-Erfolg nicht möglich gewesen.

Spätestens seit seinem Pegida-Moment an diesem Abend war Gauland klar, dass seine Partei und solche außerparlamentarischen Proteste zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Fortan setzte er nicht nur alles daran, diese beiden Teile nicht zu entzweien. Gauland sorgte auch dafür, dass die AfD die in Dresden erprobte Protestform übernahm und unter eigener Führung weiterentwickelte.

Er verstärkte fortan die Verbindung zu Bachmanns rechter Hand aus dem Pegida-Organisationskomitee: „Der zweite Mann, das ist der Siggi Däbritz. Das ist ein vernünftiger Mensch. Von dem distanziere ich mich nicht.“ So wurde Siegfried Däbritz, Kleingastronom aus dem sächsischen Meißen, zum Mann fürs Grobe bei der AfD, für Technik, Sicherheit und Organisation auf der Straße. Er ist eines der zentralen Bindeglieder zwischen Partei und Bewegung. Mit seiner Hilfe hat die AfD das Pegida-Konzept gekapert, das im Original auf Dresden beschränkt ist.

Kandel war ein Dammbruch

Wo sich anderenorts allerdings lokale rechte Bürgerinitiativen zum Straßenprotest formieren, übernimmt schnell die AfD das Kommando. Ob bei der ehemaligen flüchtlingsfeindlichen „Initiative Heimatschutz“ in Meißen, der rassistischen Spreewaldinitiative „Zukunft Heimat“, die sich Cottbus als regelmäßigen Demonstrationsort auserkoren hatte, bei „Kandel ist überall“, wo die AfD im Schulterschluss mit Rechtsextremisten den Mord an einer 15-jährigen Schülerin durch einen afghanischen Flüchtling instrumentalisiert hat, oder in Bottrop, wo die AfD unter der Tarnkappe der Initiative „Mütter gegen Gewalt“ das bei Pegida erfolgreich erprobte Modell ausrollen konnte.

Unter der Anleitung von Siegfried Däbritz gelang der AfD, was Pegida als „Gida“-Bewegung ohne nennenswerten Zulauf versagt blieb: der erfolgreiche Export der außerparlamentarischen Bewegung, vor allem auch nach Westdeutschland.

In dieser Hinsicht waren die Demonstrationen Anfang 2017 im pfälzischen Kandel eine Art Dammbruch, wo bis zu 4000 Menschen durch die 9000-Einwohner-Kleinstadt zogen. Das hat die AfD vor allem Däbritz’ Pegida-Knowhow zu verdanken sowie seiner Fähigkeit, sich in den Dienst einer Sache zu stellen, die nicht „Ich“ heißt. Das vor allem unterscheidet ihn von Bachmann, und das hat auch Gauland überzeugt.

Im Gegenzug bietet die AfD den Aktivisten aus der rechten Grassroot-Szene Posten und Jobs an. Jeder, der sich regional einen Namen macht, kommt als AfD-Mitglied bei der nächsten Listenaufstellung vor wichtigen Wahlen in Frage. Oder er kommt lautlos in einem der zahlreichen Abgeordnetenbüros unter. So wie zahlreiche rechtsextreme Identitäre, die als Kandidaten für Parlamente in Land und Bund der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln sind.

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