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Berliner Abgeordneter : Dann wurde „Pirat“ Claus-Brunner zum Mörder

  • -Aktualisiert am

Herzchen und Küsschen

Einige Freunde von Claus-Brunner suchten sich Hilfe bei Beratungsstellen, um das Ganze zu verarbeiten. Andere durchsuchten Twitter nach Antworten, wollten herausfinden, was das für eine Beziehung war. Sie fanden einen Twitter-Account mit einem Bild von Jan Mirko L. und etliche intime Nachrichten, die mit Claus-Brunner ausgetauscht wurden. Vor allem zwischen März und Juni 2015: Da schickten sich Claus-Brunner und L. Herzchen und Küsschen. Claus-Brunner schrieb, sein Freund habe ihm Frühstück gemacht. Der andere schrieb: „lass mal die partei sein und komm rüber zu mir ! <3.“ Den letzten Austausch dieser Art gab es im Mai dieses Jahres: „Ich liebe den Wuschelkopf ganz doll und fru (sic!) mich das ich auch morgen früh wieder neben ihm aufwachen kann.“ Um 1:40 Uhr antwortete der andere: „Menno stell den PC aus und komm ins bett!“

Claus-Brunners Freunde fragen sich auch, ob das echt ist. Kann Claus-Brunner den Account angelegt haben, um eine Beziehung vorzutäuschen? Der Account kommt ihnen ziemlich echt vor. Aber wirklich sicher sind sie nicht.

Sicher ist nur, was auch immer das für ein Verhältnis war, am Ende war es nicht mehr gut. Claus-Brunner heulte sich bei Freunden darüber aus. Und Jan Mirko L. zeigte Claus-Brunner Ende Juni wegen Stalkings an, als Grund dafür nannte er eine Flut von SMS und Chat-Nachrichten. Drei Wochen später wurde ihm ein Anhörungsbogen zugestellt, den er aber nicht beantwortete.

Stumpfe Gewalt

Am Donnerstag voriger Woche stand Claus-Brunner ein letztes Mal an seinem Wahlkampfstand. Er habe im Wahlkampf immer eine große schwarze Kiste dabeigehabt, sagen Piraten-Mitglieder, zum Transport von Wahlkampfutensilien. Mit dieser schwarzen Kiste, die auf einer Sackkarre befestigt war, ging er abends in seinem Stammkiosk einkaufen, prüfte seinen Lottoschein und erwarb einen Groschenroman. Die „Bild“-Zeitung veröffentlichte davon Fotos einer Überwachungskamera. Claus-Brunner trug auch seinen Rucksack.

Drei Stunden später stand er vor der Wohnungstür seines Opfers. Ein Nachbar gab an, erst einen erstaunten Ruf gehört zu haben und dann einen dumpfen Knall. Laut Staatsanwaltschaft starb Jan Mirko L. an stumpfer Gewalt gegen den Oberkörper. Claus-Brunners Freunde befürchten, er habe den seelenlosen Stahlbolzen benutzt. Zwei Stunden später trug Claus-Brunner die Leiche in jenem schwarzen Kasten aus dem Haus und transportierte sie auf der Sackkarre in seine elf Kilometer entfernte Wohnung. Er schickte einen Brief an sein Büro, in dem stand, dass er nicht mehr lebt. Dann brachte er sich durch einen Stromschlag um. Beweise für sexuellen Missbrauch konnten nicht gefunden werden, was aber laut Staatsanwaltschaft keine endgültige Bestätigung dafür ist, dass es keinen Missbrauch gegeben hat. Als die nackte Leiche von Jan Mirko L. in Claus-Brunners Wohnung gefunden wurde, war er schon vier Tage lang tot. Am Donnerstag wurde ein Paket gefunden, das Claus-Brunner an seinen früheren Lebenspartner geschickt hatte, das aber nicht zugestellt werden konnte. Es enthielt persönliche Gegenstände Claus-Brunners und ein Geständnis. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein.

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