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Neu Delhi : 14 Tote bei Terrorangriff auf indisches Parlament

  • Aktualisiert am

Über 30 Minuten dauerte die Schießerei vor dem indischen Parlament Bild: AP

Bei einer Schießerei im indischen Parlament in Neu Delhi sind am Donnerstag 14 Menschen ums Leben gekommen.

          2 Min.

          Bei einem Terrorangriff mutmaßlicher Moslem-Extremisten auf das indische Parlament sind am Donnerstag 14 Menschen getötet worden. Fünf Angreifer fuhren mit einem gestohlenen Wagen vor das Parlamentsgelände, warfen Granaten und feuerten mit AK-47-Maschinenpistolen um sich. Sie töteten sieben Menschen. Es gelang ihnen jedoch nicht, in das Parlamentsgebäude einzudringen, in dem sich 300 Abgeordnete aufhielten. 27 Menschen wurden verletzt.

          Die Angreifer töteten sechs Polizisten und einen Gärtner, bevor vier der Täter erschossen wurden. Ein weiterer Angreifer starb, als er eine Bombe an seinem Körper zündete. Die Schießerei dauerte mehr als eine halbe Stunde. Eine weitere Bombe wurde von der Polizei gesprengt. Die Täter hatten RDX-Plastiksprengstoff bei sich.

          Abdullah besucht Indien

          Über die Identität der Angreifer gab es zunächst keine Angaben. Beobachter vermuteten kaschmirische Separatisten oder Terroristen von Usama bin Ladins Gruppe Al Qaida als Urheber des Angriffs. Der Außenminister der afghanischen Nordallianz, Abdullah Abdullah, besucht derzeit Indien. Nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan ist die indische Regierung vor möglichen Anschlägen gewarnt worden. Dies sagte der indische Gesundheitsminister C.P. Thakur.

          Innenminister Lal Krishna Advani sprach von „Fedajin“, die einen Selbstmordanschlag begangen hätten. Dies deutete auf einen Verdacht gegen Moslem-Extremisten hin. Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee kündigte einen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus an. „Wir nehmen die Herausforderung an“, sagte Vajpayee.

          Kaum Kontrollen

          Vajpayee und Oppositionsführerin Sonia Gandhi hatten das Parlament schon verlassen, als der Angriff gegen 11.25 Uhr Ortszeit (6.55 Uhr MEZ) begann. Abgeordnete berichteten von Panik. Sie hätten sich hinter Säulen versteckt. Die Parlamentssitzung war kurz zuvor vertagt worden, nachdem die Opposition gegen einen Korruptionsskandal protestiert und eine reguläre Sitzung unmöglich gemacht hatte. Abgeordnete kritisierten, dass es sehr leicht sei, auf das Parlamentsgelände vorzudringen. Dienstwagen von Abgeordneten würden nicht kontrolliert, wenn sie entsprechend ausgewiesen seien. Die Täter sollen in Armeeuniformen auf das Gelände gefahren sein.

          Militär überwacht jetzt das Parlament

          Nach dem Anschlag übernahm das Militär die Bewachung des Parlaments und der führenden Politiker. Die Regierung sah in dem Überfall eine Bestätigung für ihre Verordnung zum Kampf gegen den Terrorismus. Diese Verordnung braucht die Zustimmung beider Parlamentskammern. Die Kongresspartei und andere Oppositionsparteien lehnen das Gesetz jedoch ab, weil es die Bürgerrechte einschränke.

          Musharraf verurteilt Überfall

          In Srinagar im indischen Teil Kaschmirs hatten Rebellen erst im Oktober bei einem Bombenanschlag auf das Regionalparlament mehr als 40 Menschen getötet. Falls Separatisten aus Kaschmir den Anschlag verübt haben, könnte sich das Verhältnis Indiens zu Pakistan weiter verschlechtern. Indien beschuldigt Pakistan, mehrere Moslem-Milizen zu unterstützen, die für den Anschluss des indischen Teils von Kaschmir an Pakistan kämpfen. Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf verurteilte den Überfall auf das indische Parlament. Die heutigen Atommächte haben seit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir.

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