https://www.faz.net/-gpf-6v32h

Neonazi-Mordserie : Getrieben vom Hass

Bild: F.A.Z.

Mehr als zehn Jahre lang raubt und mordet eine Gruppe von Neonazis in Deutschland. Die Ermittler gehen von mindestens vier Terroristen aus.

          6 Min.

          Nach mehr als einem Jahrzehnt im Untergrund hatten Beate Z., Uwe B. und Uwe M. den großen Schritt an die Öffentlichkeit vorbereitet. In ihrer Obergeschosswohnung in der Frühlingsstraße in Zwickau-Weißenborn lagen mehrere DVDs bereit, zum Versand verpackt, adressiert an verschiedene Medien und islamische Vereine.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Auf die DVDs gebrannt war ein Film, in dem sich eine Gruppe mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ zu einer der kaltblütigsten und rätselhaftesten Mordserien des Landes bekennt, sich eines Polizistenmordes und eines Nagelbombenattentats rühmt. Die Täter verhöhnen ihre Opfer und die Polizei, zeigen Bilder der Leichen und kündigen an: „Solange sich keine grundlegenden Änderungen in der Politik, Presse und Meinungsfreiheit vollziehen, werden die Aktivitäten weitergeführt.“

          Haftbefehl gegen Beate Z. wegen Mitgliedschaft in
          Terrorgruppe

          Uwe B. und Uwe. M. sind inzwischen tot. Nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach am 4. November erschossen sich die beiden in einem Wohnmobil - vermutlich weil sie nach gut 13 Jahren auf der Flucht aufzufliegen drohten. Eine Polizeistreife hatte sich dem Wohnmobil der beiden genähert. Nur wenige Stunden später sprengte Beate Z. in Zwickau die gemeinsame Wohnung in die Luft und verschwand. Am Dienstag stellte sie sich dann der Polizei in Jena - und verweigert seither jede Aussage.

          Fund der Polizei in Jena 1998: Armbrust, Wurfanker, Messer, Säbel, Luftdruckgewehr

          Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Beate Z. wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord und versuchtem Mord. Am Sonntagabend hat der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl gegen die 36-jährige erlassen wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Die Terrorzelle wollte nach Auffassung des Bundesgerichtshofs vor allem Mitbürger ausländischer Herkunft töten. Dies sei der „Zweck“ der Vereinigung gewesen, heißt es in der Entscheidung des Ermittlungsrichters.

          Weiterer Beschuldigter festgenommen

          Außerdem ließ die Bundesanwaltschaft am Sonntag in der Nähe von Hannover einen weiteren Beschuldigten festnehmen. Auch der 37 Jahre alte Holger G. wird verdächtigt, Mitglied der NSU zu sein. Seit Ende der neunziger Jahre habe Holger G. mit den übrigen Mitgliedern des NSU in Kontakt gestanden. Außerdem soll er dem 1998 untergetauchten Trio seinen Führerschein und seinen Reisepass zur Verfügung gestellt und mehrmals Wohnmobile für die Gruppe angemietet haben.

          Ein Abgrund rechtsextremen Terrors

          Was vor eineinhalb Wochen mit den Ermittlungen in einem Banküberfall und einem Wohnungsbrand begann, führte die Polizisten und auch die Öffentlichkeit in einen Abgrund rechtsextremen Terrors. Seit dem Jahr 2000 soll die Gruppe in ganz Deutschland mindestens neun Menschen mit ausländischen Wurzeln und eine Polizistin kaltblütig erschossen, Banken ausgeraubt und wohl auch mehrere Bomben gelegt haben. Getrieben wurden sie allem Anschein nach von einer kruden rechtsextremen Ideologie, von ihrem Hass auf Ausländer und den Staat.

          Schon in den neunziger Jahren geraten Uwe B., Uwe M. und Beate Z. wegen ihrer rechtsextremen Gesinnung in den Fokus von Polizei und Verfassungsschutz. In ihrer Heimatstadt Jena sind die drei als Neonazi-Schläger bekannt. Sie engagieren sich im „Thüringer Heimatschutz“ (THS), einer Art Sammelbecken der Neonazi-Gruppierungen in Thüringen. Immer wieder werden sie mit der Führungsriege des THS gesehen, unter anderem auf Neonazi-Demonstrationen und beim Prozess gegen Holocaustleugner Manfred Roeder in Erfurt. Die Drei hätten damals in der zweiten oder dritten Reihe des THS gestanden, sagen Kenner der Szene. Sie seien eng mit den Anführern der Gruppe befreundet gewesen. Mehrmals sollen die Jenaer Neonazis in dieser Zeit Punks und vermeintlich linksorientierte Jugendliche angegriffen haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.