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Labor-Ergebnisse : Nowitschok war wohl in Nawalnyjs Wasserflasche

  • Aktualisiert am

Aleksej Nawalyj im September 2019 in Moskau Bild: Reuters

Mitarbeiter des Kreml-Kritikers hatten eine Wasserflasche aus dem Hotel in Sibirien einem deutschen Labor übergeben. Dieses habe Spuren des Kampfstoffs daran gefunden. Damit sei eine bereits in Russland erfolgte Vergiftung erwiesen.

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          Der Kremlkritiker Aleksej Nawalnyj ist nach Darstellung seines Teams nachweislich schon in Russland vergiftet worden, und zwar in einem Hotel in der sibirischen Stadt Tomsk. Das Gift soll ihm demnach in einer Flasche mit Mineralwasser in seinem Zimmer verabreicht worden sein. Nawalnyjs Team zeigte ein Video von den Flaschen der Marke „Swjatoj Istotschnik“ („Heilige Quelle“). Seine Mitarbeiter betonten am Donnerstag bei Instagram, dass nun erwiesen sei, dass Nawalnyj bereits auf russischem Gebiet vergiftet wurde.

          Auf ihn soll mit einem als Chemiewaffenkampfstoff verbotenen Nervengift der Gruppe Nowitschok ein Mordanschlag verübt worden sein. Die Bundesregierung macht Russland dafür verantwortlich. Moskau bestreitet, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

          Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat biomedizinische Proben Nawalnyjs untersuchen lassen. Die deutschen Behörden würden über die Ergebnisse unterrichtet, teilte die in Den Haag ansässige Organisation am Donnerstag mit. Für die Untersuchungen hätten die OPCW-Experten unabhängig Proben Nawalnyjs gesammelt.

          Nawalnyjs Team erklärte, ein deutsches Labor habe die Nowitschok-Spuren an der Wasserflasche nachgewiesen. Es zeigte auf dem Video, wie Nawalnyjs Mitarbeiter trotz Warnungen einer Hotelangestellten in dem Zimmer sämtliche möglichen Beweismittel mit Handschuhen aufgriffen und in Plastiktüten verstauten. Sie hätten sich zu dem Schritt entschieden – unmittelbar, nachdem sie Nachricht über den Gesundheitszustand Nawalnyjs erhalten hatten, hieß es.

          Nawalnyj war am 20. August von einem Flug von Tomsk nach Moskau zusammengebrochen. Die Maschine landete deswegen in Omsk zwischen. Nawalnyj wurde dort im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt und beatmet. Am 22. August wurde er nach Deutschland ausgeflogen, wo er an der Charité in Berlin behandelt wird. Er ist wieder bei Bewusstsein, atmet selbst und hat bei Instagram mit einem Foto ein Lebenszeichen gegeben.

          Moskau hatte zuletzt angesichts der Vorwürfe aus Deutschland behauptet, Nawalnyj sei womöglich erst nach seiner Abreise vergiftet worden. Die Staatsmedien in Moskau verbreiten die Version eines Komplotts des Westens gegen Russland, um das Land abermals mit Sanktionen zu belegen. Der Kreml betonte mehrfach, dass russische Ärzte keine Vergiftungssymptome bei Nawalnyj hätten feststellen können. Sie hatten von einer Stoffwechselstörung gesprochen.

          Auf einem Bild von Nawalnyjs Mitarbeitern soll eine der Flaschen aus dem Hotel in Tomsk zu sehen sein.
          Auf einem Bild von Nawalnyjs Mitarbeitern soll eine der Flaschen aus dem Hotel in Tomsk zu sehen sein. : Bild: Reuters

          „Wir hatten keine besondere Hoffnung, etwas Derartiges zu finden“, hieß es in der Mitteilung von Nawalnyjs Team. Aber weil klar gewesen sei, dass Nawalnyj nicht einfach nur leicht erkrankt sei, hätten sie alles eingesammelt, um es später auch an die Ärzte in Deutschland zu übergeben. „Es war auch offensichtlich, dass der Fall in Russland nicht ermittelt werden würde. Und so ist es auch: Schon fast ein Monat ist um, und Russland hat die Vergiftung Nawalnyjs bisher nicht eingeräumt.“

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