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Nato-Bericht zu Luftangriff : An der Front

Nach dem Bombardement nahe Kundus Anfang September 2009 Bild: dpa

Die Bundeswehr befindet sich am Hindukusch nicht in einer Computersimulation, sondern in einem unerklärten Krieg, den der Gegner so schmutzig wie möglich zu machen versucht. Der deutsche Kommandeur in Kundus musste eine schwierige Entscheidung treffen.

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          Der deutsche Oberst, dem vorgehalten wurde, in Afghanistan falsch gehandelt zu haben, als er zwei von Taliban geraubte Tanklastwagen bombardieren ließ, hätte, wie ihm große Strategen im Nachhinein aus großer Entfernung rieten, in jener Nacht auch anders handeln können. Aus heutiger Sicht wäre es das Sicherste für ihn gewesen, wegzusehen und nichts zu tun.

          Doch was, wenn die Taliban die Tanklastzüge ein paar Tage später als rollende Bomben in das deutsche Feldlager oder in eine afghanische Polizeistation gejagt hätten? Dann hätte man ihm vorgeworfen, weggesehen und nichts getan zu haben. Bei den Verbündeten hätte es wieder geheißen, die Bundeswehr scheue den Kampf. Hätte er also Einheiten zur Aufklärung und infanteristischen Bekämpfung der Ziele losschicken sollen?

          Schwierige Entscheidung, unscharfe Grenzen

          Wenn es dabei Gefallene gegeben hätte, hätte man den Offizier dafür gemaßregelt, dass er bei einem so isolierten Gefechtsfeld – zwei Fahrzeuge auf einer Sandbank mitten in einem Fluss, mitten in der Nacht und weit weg vom nächsten Dorf – die Sache nicht einfach von ein paar Jagdbombern erledigen ließ. Auf einem Flugfeld heimkehrende Särge grüßen müssen dürfte das Letzte sein, was die Kanzlerin Obama gleichtun möchte. (Siehe auch: Obama salutiert Gefallenen, McCain drängt zur Eile)

          Angesichts dessen, was der Oberst alles hätte falsch machen können, tut man sich schwer, seine Entscheidung zu kritisieren, auch wenn sie dazu führte, dass dem Einsatz unglücklicherweise nicht nur Taliban zum Opfer fielen. Die Grenzen zwischen Aufständischen und Zivilisten, Beteiligten und Unbeteiligten sind auch in diesem Fall so unscharf, dass sogar noch der Untersuchungsbericht eine Festlegung scheut. Der Offizier musste in jener Nacht aber nicht nur mit den ihm zur Verfügung stehenden Informationen auskommen, sondern auch mit seinen begrenzten Möglichkeiten, darauf zu reagieren.

          Generalinspekteur Schneiderhan kommt nach Lektüre des Nato-Berichts zu dem Schluss, dass der Luftangriff der damals herrschenden Lage angemessen gewesen sei. Wenigstens ihm ist klar, dass sich die Bundeswehr am Hindukusch nicht in einer Computersimulation, sondern in einem unerklärten Krieg befindet, den der Gegner so schmutzig wie möglich zu machen versucht.

          Wenn Deutschland mit Sicherheit ausschließen will, dass bei dieser Mission Zivilisten umkommen, muss es deren Beendigung fordern. Einen Krieg ohne Unfälle, Fehlentscheidungen, eigene und fremde Opfer gab es noch nicht.

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