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Namibia : Bitte um Vergebung

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Wieczorek-Zeuls Reise in das ehemalige Deutsch-Südwestafrika ist überaus heikel: Wohl keine weißen Tauben, wohl aber weiße Hasen waren über die kurzgeschorene Wiese vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Windhuk gehoppelt, als sie am Donnerstag nach Gesprächen mit dem legendären Sam Nujoma, der Namibia vor vierzehn Jahren in die Unabhängigkeit führte, das Haus verließ. Einer Wiederwahl im November wird er sich nicht stellen. Landwirtschaftsminister Hifikepunye Pohamba steht schon als Nachfolger bereit. Vor dieser malerischen Kulisse sprach Wieczorek-Zeul nachdrücklich davon, daß sich Deutschland zu seiner kolonialen Schuld bekenne, daß Versöhnung nur durch bewußte Erinnerung möglich sei und daß ihre Teilnahme an der Feier von Okakarara am Samstag ein Zeichen dafür sei, daß Deutschland sich zu seiner besonderen historischen und moralischen Verantwortung gegenüber Namibia bekenne. Bei solchen Worten allein aber hat es Berlin nicht belassen: Namibia erhält pro Kopf der Bevölkerung immerhin die höchste deutsche Entwicklungshilfe in ganz Afrika. Seit der Unabhängigkeit belief sich die deutsche Unterstützung auf rund 500 Millionen Euro, und weitere Zusagen etwa für die schwierige Reform der Landwirtschaft sind in Aussicht gestellt.

Kein Wort über Entschädigungszahlungen

Zu möglichen Entschädigungszahlungen allein an das Volk der Herero äußerte sich Wieczorek-Zeul allerdings möglichst nicht, so wie vor ihr schon andere deutsche Regierungsvertreter in Namibia. Sie kann dafür gute Gründe anführen, etwa den, daß nur einer der Herero-Führer, Kuaima Riruako, eine solche finanzielle Kompensation fordert - und damit wohl auch auf politischen Stimmenfang gehen will. Hinter Riruako steht etwa ein Drittel der Herero - und die stellen heute insgesamt sieben Prozent der 1,9 Millionen Einwohner Namibias. Zwei Schadensersatzklagen Riruakos in Milliardenhöhe vor dem District Court in Washington - eine gegen die Deutsche Bank, die Terex-Corperation und die Woermann-Linie und eine gegen die Bundesrepublik Deutschland - wurden bereits zurückgewiesen. Auch Nujoma und seine Regierung unterstützen solche Forderungen nicht; so soll die deutsche Hilfe dem ganzen Land und nicht nur einer Bevölkerungsgruppe zugute kommen. Innenpolitische Animositäten kommen hinzu: Jene Herero, die in der von Riruako geführten Nudo-Partei organisiert sind, stehen in der politischen Opposition zur regierenden Swapo. Und im Unabhängigkeitskampf hat Riruako mit der südafrikanischen Mandatsmacht zusammengearbeitet.

In Okakarara, vier Autostunden nördlich von Windhuk, ist nun mit deutscher Hilfe ein kleines Zentrum gebaut worden, an dem des Aufstandes von 1904 gedacht werden soll. Zudem ist beabsichtigt, hier den Tourismus und die Vermarktung des lokalen Kunsthandwerks zu fördern sowie Kleinunternehmer auszubilden. "Ich wünsche mir", sagte Wieczorek-Zeul bei der Eröffnung des Zentrums, "daß wir aus der mit diesem Ort verbundenen traurigen Vergangenheit Kraft für eine positive Zukunft finden."

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