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Nahost : Scharon weist Kritik an Luftangriffen zurück

  • Aktualisiert am

Protest gegen Luftangriffe Bild: dpa

Die Angriffe israelischer Kampfbomber auf palästinensische Ziele haben Kritik im In- und Ausland hervorgerufen. Israels Premier Ariel Scharon will trotzdem an seinem Kurs festhalten.

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          Israels Ministerpräsident Ariel Scharon hat am Sonntag die israelischen Luftangriffe mit Kampfflugzeugen auf palästinensische Ziele verteidigt. Ungeachtet der scharfen Kritik im In- und Ausland an dem Bombardement vom Freitag bekräftigte der 73-jährige Likud-Vorsitzende auf einer Sitzung seines Kabinetts: „Wir werden alles Notwendige tun, um die Sicherheit unserer Bürger zu schützen.“

          Scharon musste sich gegen wachsende, inner-israelische Kritik an seiner Politik der militärischen Vergeltung wehren. Verteidigungsminister Benjamin Ben- Elieser von der Arbeitspartei gab zu, dass er selbst „mit dieser Art bombastischer Aktion nicht glücklich“ gewesen sei. Bei der Sitzung seiner wichtigsten Minister wurde Scharon offen kritisiert, weil er die Entscheidung zu Gunsten der Luftangriffe ohne Konsultation seiner Minister getroffen hatte.

          Mit den ersten Luftangriffen auf das Westjordanland seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 übte die israelische Luftwaffe Vergeltung für den Selbstmordanschlag eines Palästinensers, bei dem am Freitag in der Küstenstadt Netanja fünf Israelis getötet und 70 verletzt wurden.

          Arabische Liga bricht Kontakte zu Israel ab

          Die Bombardements, die zwölf Palästinenser töteten, stießen auf einhellige internationale Kritik: Eine Sonderkonferenz der Arabischen Liga in Kairo beschloss, wegen der Luftangriffe sämtliche politischen Kontakte zu Israel abzubrechen. Deutliche Kritik kam auch von UN-Generalsekretär Kofi Annan und aus den europäischen Hauptstädten, die Israels militärische Antwort als „unverhältnismäßig“ brandmarkten.

          Der amerikanische Außenminister Colin Powell rief zu einem „bedingungslosen Ende“ der Gewalt auf. Der russische Präsident Wladimir Putin rief in einem Telefonat mit Scharon zu einem sofortigen Ende der Gewalt in Nahost auf. Angesichts der explosiven Lage im Nahen Osten reiste der außenpolitische Beauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, am Sonntag zu Gesprächen mit der ägyptischen Führung nach Kairo. Solana appellierte „an alle Seiten, für einen sofortigen Waffenstillstand zu sorgen“. Nur „die Feinde des Friedens würden von dem gegenwärtigen Teufelskreis der Gewalt profitieren“, meinte Solana, der am Dienstag in Israel erwartet wird.

          „Kein Weg mehr zurück?“

          Ägyptens Präsident Husni Mubarak nannte den Einsatz israelischer Kampfflugzeuge gegen die Palästinenser am Sonntag einen „unglaublichen Vorgang“, der durch nichts zu rechtfertigen sei. „Wie kann man das Werfen von Steinen und Mörsergranaten-Attacken mit dem Einsatz der F-16 beantworten, einem Flugzeug, das für die Landesverteidigung gedacht ist?“, fragte Mubarak vor der Presse in Kairo. Es sei zu befürchten, dass im Nahen Osten bald der Punkt erreicht sei, an dem kein Weg mehr zurückführe.

          PLO-Vorsitzender Jassir Arafat hatte vor den arabischen Außenministern die israelischen Angriffe als „Staatsterror“ bezeichnet. Dagegen meinte Israels Außenminister Schimon Peres bei einem Besuch in Moskau, Israels Vorgehen sei „eine Reaktion auf palästinensische Aktionen gegen Israel, die sehr grausam und aggressiv sind“.

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