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Nahost : Israeli und Palästinenser einigen sich auf ein Ende der Gewalt

  • -Aktualisiert am

Durchbruch beim Nahost-Krisengipfel

          Die Pendeldiplomatie im ägyptischen Sharm el Sheich hat sich ausgezahlt: Israelis und Palästinenser einigten sich auf ein Ende der Gewalt

          Am Ende der Konferenz von Scharm el Scheich konnte selbst Jassir Arafat lächeln. Nach nahezu25-stündigenVerhandlungen in eisiger, ja feindseliger Atmosphäre hellte sich der Blick des zuvor düster dreinblickenden Palästinenserführers für einen ganz kurzen Augenblick auf. Selbst die bis dahin eingefrorenenGesichtszüge des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak schienen entkrampft, als der amerikanische Präsident Bill Clinton vor der internationalenPresse die "Einigung" zwischen beiden Seiten verkündete.

          Nicht zimperlich

          Mehr als 24 Stunden lang waren die beiden Gegenspieler und ihreUnterhändler alles andere als zimperlich miteinander umgegangen. Zeitweilig schrien sich israelische und palästinensische Politiker über den Verhandlungstisch regelrecht an. "Die Atmosphäre war eisig und die Köpfe hitzig", beschrieb es ein israelischer Korrespondent. Israels Delegation fühlte sich von Beginn an auf die Anklagebank versetzt. Während die Flaggen aller beteiligten Nationen im heißen Wüstenwind von Scharm el Scheich flatterten, fehlte ihre weiß-blaueFlagge mit dem Davidstern an den vielen Fahnenmasten in dem Urlaubsort. Und als Ägyptens Präsident Husni Mubarak die Konferenz eröffnete, brandmarkte er sogleich die israelischen Armee-Aktionen als "Aggression gegen die Schwachen". Dies hielt Mubarak und auch den jordanischen König Abdullah II. aber offenbar nicht davon ab, Arafat im Verlauf stundenlanger Gespräche massiv unter Druck zu setzen, von seinen Maximalforderungen abzugehen.

          Hinter verschlossenen Türen

          Nur wenig drang während des Krisengipfels von dem nach außen, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde. Clinton, Mubarak und Abdullah pendelten zwischen Arafat und Barak. Immer wieder teilten Sprecher beider Seiten mit, dass diese auf ihren Forderungen beharrten. Israel wollte ein Ende der Gewalt vor einem Truppenabzug, Arafat einen Truppenabzug vor dem Ende der Gewalt. Arafat bestand auf einer "internationalen Kommission" zur Untersuchung der Hintergründe der Ausschreitungen, Israels Außenminister Schlomo Ben-Ami lehnte ab: "Kein unabhängiger Staat könnte dies akzeptieren", meinte er.

          Verwirrte Nachrichtenlage

          Mit der Dauer der Verhandlungen schienen selbst die zahlreichen israelischen Sprecher verwirrt, die Barak mitgenommen hatte, um die Weltpresse über Israels Positionen zu informieren. Während Baraks Stabschef Dani Jatom am frühen Dienstagmorgen prophezeite, die Konferenz werde "zusammenbrechen", sagte Israels Chefunterhändler,der Barak-Anwalt Gilad Scher, eine Einigung voraus. "Das einzig Flexible an diesem Treffen ist der Zeitplan Clintons", meinte der israelische Journalist Oded Granot wenige Stunden vor der Einigung. Am Ende aber konnte Clinton dann ein positives Ergebnis verkünden. Die politische Katastrophe, die ein Scheitern des Gipfels bedeutet hätte, trat nicht ein.

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