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Tragödie von Kana : Annan: Wir müssen diese Tat scharf verurteilen

  • Aktualisiert am

Kana nach dem Angriff Bild: dpa

Der verheerende israelische Luftangriff auf das Dorf Kana im Südlibanon mit 56 Toten, darunter viele Kinder, erschüttert die Welt. Außenminister Steinmeier verlangt einen schnellstmöglichen Waffenstillstand. UN-Generalsekretär Annan drängt den Weltsicherheitsrat, den Angriff zu verurteilen.

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          Ein verheerender israelischer Luftangriff auf das Dorf Kana im Südlibanon mit 56 Toten, die Hälfte davon Kinder, hat am Sonntag weltweit Entsetzen und Empörung ausgelöst. Das bislang folgenschwerste Bombardement seit Beginn des Libanon-Krieges vor fast drei Wochen versetzte Bemühungen der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice um eine Beruhigung der Lage einen herben Rückschlag. Israel bedauerte die zivilen Opfer, bekräftigte aber, die Militärschläge fortzusetzen. In Beirut stürmte eine wütende Menge das Gebäude der UN-Vertretung. Die radikal-islamische Hizbullah kündigte „harte Vergeltung“ an.

          UN-Generalsekretär Kofi Annan hat den Sicherheitsrat aufgefordert, den Angriff Israels auf Kana zu verurteilen. Außerdem müsse ein sofortiger Waffenstillstand verlangt werden. „Wir müssen diese Tat so scharf wie möglich verurteilen“, sagte Annan am Sonntag bei der Dringlichkeitssitzung des Gremiums der Vereinten Nationen (UN) in New York. „Ich bin tief beunruhigt, daß meine früheren Aufrufe zu einem sofortigen Ende der Feindseligkeiten nicht beachtet worden sind.“ Annan sagte: „Ich flehe Sie an, Ihre Differenzen beiseite zu schieben.“ Der Sicherheitsrat war auf Drängen des Libanons zur Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

          Appell des Papstes

          Der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora sprach von „Staatsterrorismus“. Er forderte eine sofortige Waffenruhe. Solange werde es keine Verhandlungen mit Israel geben. Rice sagte daraufhin ihren Besuch in Beirut ab. Siniora dankte am Sonntag der radikal-islamischen Hizbullah-Miliz für ihre „Opfer“ im Krieg gegen Israel. „Wir sind in einer starken Position“, sagte der Politiker. Vor allem danke er Hizbullah-Chef Sajjed Hassan Nasrallah für seine Bemühungen, betonte Siniora mit Blick auf die Erklärung des Milizenführers vom Vortag. Nasrallah hatte die Regierung aufgefordert, Vorteile aus der Standhaftigkeit der Hisbollah gegen die israelischen Angriffe im Libanon zu ziehen.

          Bild: dpa

          „Ich danke außerdem allen, die ihr Leben opfern für die Unabhängigkeit und Souveränität des Libanon“, fügte Siniora hinzu. Siniora, Mitglied der anti-syrischen Koalition, hatte sich in der Vergangenheit wiederholt Auseinandersetzungen mit der Hisbollah geliefert, die Unterstützung von der Regierung in Damaskus und dem Iran erhält. Die israelische Offensive im Libanon brachte die Lager offenbar einander näher. Papst Benedikt XVI. rief in einem eindringlichen Appell zum Frieden im Nahen Osten auf.

          Unter den Trümmern noch immer Verwundete

          Helfer sagten, mehr als 60 Menschen, zumeist Zivilisten, hätten im Keller des getroffenen vierstöckigen Gebäudes in Kana Schutz gesucht. Rettungskräfte und Dorfbewohner gruben mit bloßen Händen die Toten und Verletzten aus den Trümmern aus. „Die meisten Menschen hier sind vor dem Bombenhagel anderswo im Südlibanon geflohen“, sagte ein Rotkreuzmitarbeiter. „Unter den Trümmern sind immer noch Verwundete, und wir schaffen es nicht, sie zu bergen.“

          Israels Regierungschef Ehud Olmert drückte „tiefes Bedauern“ aus. Sein Land versuche, keine Zivilisten zu treffen. Der Hizbullah warf er vor, Zivilisten als Schutzschilde für ihre Angriffe zu nutzen. „Wir werden den Krieg nicht beenden“, wurde Olmert zitiert. „Die Hizbullah, wie der ganze muslimische Terror, bedrohen die westliche Zivilisation.“ Das Militär begründete den Angriff mit Raketen-Attacken der Hizbullah, die vom Gebiet des Dorfes ausgegangen seien. Israel erneuerte seinen Aufruf an libanesische Zivilisten, den umkämpften Süden zu verlassen.

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