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Islamstaaten verurteilen Israel : Ahmadineschad droht Jerusalem

  • Aktualisiert am

Ahmadineschad fordert eine „sofortige Waffenruhe” im Libanon Bild: REUTERS

Mit scharfer Kritik an den UN und an Israel ist ein Treffen muslimischer Nationen in Malaysia zu Ende gegangen. Auch Irans Präsident Ahmadineschad forderte eine Waffenruhe im Libanon. Gleichwohl bleibe das Ziel „die Zerstörung Israels“.

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          Mit scharfer Kritik an den Vereinten Nationen und an Israel ist am Donnerstag ein Treffen muslimischer Nationen in Malaysia zu Ende gegangen. In Putrajaya, dem Sitz der malaysischen Regierung, warf der Gastgeber der „Organisation der Islamischen Konferenz“ (OIC), Ministerpräsident Abdullah Badawi, der internationalen Gemeinschaft „Lähmung“ vor.

          Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen habe „nicht einmal den moralischen Mut aufgebracht, Israel für die Angriffe auf Kana oder für das Töten der UN-Beobachter in Kiam zu verurteilen“, beklagte der malaysische Regierungschef.

          Per Video zugeschaltet wurde der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora. Nach seinen Angaben wurden seit Beginn der israelischen Offensive am 12. Juli mehr als 900 Menschen getötet und rund dreitausend verletzt. Ein Drittel der Opfer seien Kinder unter zwölf Jahren. Ein Viertel der Bevölkerung, also rund eine Million, sei auf der Flucht.

          Im indonesischen Jakarta stehen schon 600 Soldaten und Gerät für eine UN-Mission bereit
          Im indonesischen Jakarta stehen schon 600 Soldaten und Gerät für eine UN-Mission bereit : Bild: AP

          „Doppelmoral“ und „Parteilichkeit“

          Der Generalsekretär der Organisation, Ekmeleddin Ihsanoglu, sprach von „Empörung“ in der muslimischen Welt und hielt dem Westen „Doppelmoral“ und „Parteilichkeit“ vor. Es sei zu befürchten, „daß der Zorn der muslimischen Massen in einen dauerhaften Haß gegen den Aggressor und dessen implizite und explizite Schutzmächte umschlägt“, sagte der aus der Türkei stammende Generalsekretär.

          Ähnlich besorgt äußerte sich die Premierministerin Bangladeschs. Israels Militärschläge würden „zweifellos zur Radikalisierung in der islamischen Welt beitragen, was wiederum die Schwierigkeiten für jene unter uns, die auf der moderaten Seite stehen, erhöhen wird“, sagte Begum Khaleda Zia.

          Ahmadineschad droht

          Die Teilnehmer, unter ihnen die Staatspräsidenten Irans und Indonesiens, Ahmadineschad und Yudhoyono, sowie die Premierminister Pakistans, der Türkei und Aserbaidschans, sprachen sich für eine sofortige Waffenruhe aus sowie für eine internationale Schutztruppe im Kriegsgebiet, an der auch muslimische Staaten beteiligt sein sollten.

          Ahmadineschad forderte neben Israel auch Großbritannien und die Vereinigten Staaten als engste Verbündete des Landes auf, für den angerichteten Schaden im Libanon aufzukommen. „Obwohl die Hauptlösung die Zerstörung des zionistischen Regimes ist, sollte zu diesem Zeitpunkt eine sofortige Waffenruhe umgesetzt werden“, sagte Irans Präsident. Er rief die arabischen und muslimischen Staaten dazu auf, all ihre politischen und wirtschaftliche Verbindungen zu Israel zu kappen.

          Untersuchung „israelischer Kriegsverbrechen“ gefordert

          Im Namen der 57 Mitgliedsstaaten forderten die angereisten 17 Vertreter außerdem eine unabhängige Untersuchung der Frage, ob Israel „Kriegsverbrechen“ begangen habe. Gastgeber Badawi warb für eine insgesamt aktivere Rolle der islamischen Welt bei der Beilegung des Konflikts. Dazu gebe es eine politische und moralische Pflicht, sagte er.

          Unmut und Diskussionbedarf unter muslimischen Staaten hatten sich schon während des jüngsten Treffens desr „Verbandes südostasiatischer Nationen“ (Asean) abgezeichnet. Kurz vor der eilig einberufenen Sonderkonferenz der OIC verabschiedeten deren Jugendorganisationen eine Erklärung, in der die OIC zu unmißverständlichem Handeln aufgefordert wird. In mehreren Städten Asiens sind Demonstrationen gegen Israel und die Vereinigten Staaten geplant. Allein in der indonesischen Hauptstadt Jakarta werden am kommenden Sonntag mehrere hunderttausend Menschen erwartet.

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