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Naher Osten : UN: Kein Massaker in Dschenin

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Beim israelischen Angriff auf das palästinensische Flüchtlingslager sind nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen weniger Menschen getötet worden als befürchtet.

          Ein UN-Bericht spricht Israel von dem Vorwurf frei, bei der Belagerung des palästinensischen Flüchtlingslagers Dschenin Ende März ein Massaker verübt zu haben. In dem 42 Seiten langen Dokument stellt UN-Generalsekretär Kofi Annan fest, dass statt der von palästinensischer Seite beklagten 500 Toten nur 52 Opfer des israelischen Angriffs auf Dschenin bestätigt werden konnten. Und nur etwa jedes zweite Opfer war ein Zivilist, schreibt Annan.

          Israels Militär war von palästinensischer Seite beschuldigt worden, in Dschenin „Kriegsverbrechen“, Gräueltaten und „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ begangen zu haben. Der von der Generalversammlung der Vereinten Nationen beantragte Report lag am Donnerstag in New York vor. Er stützt sich auf Daten von UN-Mitarbeitern, den Palästinensern, mehreren Mitgliedstaaten der UN sowie privaten Hilfsorganisationen.

          Die israelische Armee war Ende März nach mehreren Selbstmordanschlägen in sieben Städte im Westjordanland eingerückt. In Dschenin, wo die schwersten Kämpfe getobt hatten, starben der UN zufolge 23 israelische Soldaten. UN-Generalsekretär Annan verwendete in dem Bericht den von arabischer Seite gebrauchten Begriff Massaker nicht. Es habe keine Beweise für 500 getötete Palästinenser gegeben, hieß es.

          „Schreckliches Dilemma für Israel

          Während der sechswöchigen israelischen Militäroperation „Schutzschild“ im Westjordanland seien zwischen 1. März und 7. Mai insgesamt 497 Palästinenser getötet und 1447 verletzt worden. In einem Begleittext bedauert Annan, „kein komplettes und umfassendes Bild von den Ereignissen in Dschenin und anderen palästinensischen Städten“ geben zu können, weil Israel UN-Experten jeglichen Zugang verweigerte. Fest stehe jedoch, dass Israel mit seiner „Operation Defensive Shield“ als Vergeltung für den palästinensischen Terroranschlag in Netanja am 27. März die „schwerste Militäroffensive eines Jahrzehnts“ vornahm.

          Der UN-Bericht verwies zugleich auf Angaben der israelischen Armee, dass von Oktober 2000 bis April 2002 vom Flüchtlingslager Dschenin aus 28 Selbstmordattentate geplant und gestartet worden seien. Zudem seien palästinensische und israelische Beobachter sich einig, dass rund 200 bewaffnete militante Palästinenser der Gruppen Hamas, Tansim, El-Aksa-Brigaden und Islamischer Dschihad Dschenin bis April 2002 als Basis genutzt hätten. „Dadurch ist offensichtlich ein schreckliches Dilemma für Israel entstanden, die Terroristen zu bekämpfen, aber zugleich die Zivilisten nicht zu verletzten.“

          Der Bericht sei absolut eindeutig, sagte Daniel Taub vom israelischen Außenministerium. „Es hat kein Massaker gegeben, und Stellungnahmen der palästinensischen Führung über hunderte getötete Zivilisten waren nur abscheuliche Propaganda.“ Die Palästinenser-Regierung kommentierte den Bericht zunächst nicht.

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