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Naher Osten : Scharon zur Räumung jüdischer Siedlungen bereit

  • Aktualisiert am

Ariel Scharon - zu Räumungen bereit Bild: dpa/dpaweb

Israels Ministerpräsident Ariel Scharon ist nach eigenen Worten auch zur Räumung einiger jüdischer Siedlungen in besetzten Palästinenser-Gebieten bereit, wenn damit ein umfassender Frieden erreicht werden kann.

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          Israels Ministerpräsident Ariel Scharon ist nach eigenen Worten auch zur Räumung einiger jüdischer Siedlungen in besetzten Palästinenser-Gebieten bereit, wenn damit ein umfassender Frieden erreicht werden kann.

          Der israelischen Zeitung „Haaretz“ sagte Scharon, er wisse, dass Israel sich von einigen Siedlungen werde trennen müssen. Ein Berater von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat äußerte sich skeptisch. Scharon sagte weiter, ein Ende der Herrschaft des irakischen Präsidenten Saddam Hussein sei für die arabischen Staaten und die Palästinenser eine Chance zur Neuordnung ihrer Beziehungen zu Israel.

          "Nicht ein anderes Volk beherrschen"

          „Ich denke nicht, dass wir ein anderes Volk beherrschen und sein Leben bestimmen dürfen. Ich denke nicht, dass wir dafür stark genug sind", sagte Scharon auf die Frage, ob er wirklich die Idee eines palästinensischen Staates akzeptiere, und fügte noch hinzu, dass die Besatzung ethische und schwere wirtschaftliche Probleme mit sich bringe. Im israelisch- palästinensischen Konflikt gelten die jüdischen Siedlungen, die von der Staatengemeinschaft als Verstoß gegen das Völkerrecht gesehen werden, als ein Haupthindernis für einen Frieden. Scharon hat seit Beginn seiner politischen Karriere die Siedlungspolitik aktiv gefördert. Nach dem Friedensabkommen mit Ägypten Ende der 1970er Jahre hatte er sich aber auch mit der Räumung von Siedlungen auf dem Sinai einverstanden erklärt.

          Der als „Roadmap“ bezeichnete Plan für einen Nahostfrieden und den Aufbau eines palästinensischen Staats bis 2005, den die Vereinigten Staaten, die EU, Russland und die UN erarbeitet haben, sieht unter anderem auch ein Ende des israelischen Siedlungsbaus vor. Scharon wies in dem Interview aber auch auf Sicherheitsbedenken Israels hin. US-Präsident George W. Bush will den Plan veröffentlichen, sobald der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas sein Kabinett vorgestellt hat. Damit wird in den kommenden zwei Wochen gerechnet.

          "Schmerzhafte Schritte für jeden Juden"

          Der englischen Internet-Version des „Haaretz"-Interviews zufolge sagte Scharon zur künftigen Siedlungspolitik: „Das ist ein heikles Thema, und es gibt keinen Grund viel darüber zu reden. Aber wenn herauskommt, dass wir mit jemandem darüber sprechen können, und sie verstehen, dass Frieden weder Terrorismus noch Subversion gegen Israel bedeutet, dann würde ich definitiv sagen, dass wir Schritte einleiten müssen, die schmerzhaft für jeden Juden und schmerzhaft für mich persönlich sind.“

          Auf Nachfrage antwortet Scharon: „Definitiv nicht. Es kommt aus der Tiefe meiner Seele. Sehen Sie, wir sprechen über die Wiege des jüdischen Volkes. Unsere ganze Geschichte ist an Plätze wie diese gebunden: Bethlehem, Schiloh, Beit El. Ich weiß, dass wir uns von einigen dieser Orte werden trennen müssen. Als Jude tut mir das weh. Aber ich habe beschlossen, alles Erdenkliche für das Erreichen einer Friedenslösung zu tun.“

          Auch hier hakte der „Haaretz"-Korrespondent nach und fragte Scharon, der ja an die Siedlungen geglaubt und sie gefördert habe, ob er tatsächlich die Evakuierung isolierter Siedlungen erwäge. Darauf antwortet Scharon der Zeitung zufolge, für einen echten Frieden - „einen Frieden für Generationen“ - sei Israel zu „schmerzhaften Zugeständnissen“ bereit. „Nicht für Versprechen, sondern für Frieden", fügte er hinzu. Schiloh und Beit El sind jüdische Siedlungen im besetzten Westjordanland. Bethlehem wurde im Juni nach einer Serie von Selbstmordanschlägen wie sechs andere Städte im Westjordanland auch von Israel wieder besetzt.

          Irak-Krieg hat die arabischen Staaten erschüttert

          Zum Irak-Krieg sagte Scharon, dass ein Sieg der von den Vereinigten Staaten geführten Truppen über Saddam Hussein, einem erklärten und erbitterten Feind des jüdischen Staates, auch die seit 2000 eingefrorenen Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinenser wiederbeleben könne. „Ich denke, derzeit wurden Gelegenheiten geschaffen, die es vorher nicht gab. Die arabische Welt insgesamt und die palästinensische im besonderen wurde erschüttert.“ Und Scharon sagte weiter: „Die Gelegenheit ist da, eine neue Beziehung zwischen uns und den arabischen Staaten zu formen und zwischen uns und den Palästinenser.“ Diese Gelegenheit dürfe nicht ungenutzt bleiben.

          Saeb Erekat, ein enger Berater von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, sprach von einem PR-Trick des Ministerpräsidenten. Die Palästinenser wollten Taten sehen, nicht Worte hören.

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