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Naher Osten : Nach den Gefechten zwischen Israel und Libanon

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Drei Libanesen und ein israelischer Soldat sind am Dienstag bei Gefechten im israelisch-libanesischen Grenzgebiet ums Leben gekommen. Die Konfliktparteien weisen sich gegenseitig die Schuld zu, internationale Appelle zur Zurückhaltung folgten auf dem Fuß.

          Bei dem bisher schwersten Grenzzwischenfall seit dem Krieg zwischen Israel und dem Libanon vor vier Jahren sind am Dienstag vier Menschen getötet worden. Auf libanesischer Seite wurde der Tod von zwei Soldaten und eines Journalisten gemeldet. Die israelische Armee bestätigte, dass der Kommandeur eines Bataillons getötet und ein weiterer Offizier verletzt worden sei.

          Die Regierung in Beirut warf israelischen Soldaten vor, auf libanesisches Staatsgebiet vorgedrungen zu sein. Präsident Suleiman sagte, Israel habe einen libanesischen Militärstützpunkt angegriffen und damit die UN-Resolution 1701 verletzt, die den Krieg im Jahr 2006 beendet hatte. Die Libanesen sollten sich gegen diese Verletzung wehren, „koste es, was es wolle“.

          Artillerie eingesetzt

          Der syrische Präsident Assad sicherte dem Libanon seine Unterstützung zu. Die israelische Armee und das Außenministerium wiesen die libanesischen Vorwürfe zurück. Die Soldaten seien auf israelischem Gebiet unter libanesischen Beschuss geraten, den sie dann erwidert hätten. Die israelische Regierung machte den Libanon für das Feuergefecht und seine Konsequenzen verantwortlich. Die UN-Truppe im Libanon (Unifil) rief beide Seiten zu größter Zurückhaltung auf, die am Abend mit UN-Hilfe damit begannen, über eine Waffenruhe zu verhandeln.

          Ein Unifil-Blauhelmsoldat schwenkt die Flagge der UN in Richtung israelischer Soldaten an der Grenze zum Libanon.

          Die stundenlangen Gefechte, bei denen Israel nach Angaben aus Beirut auch Kampfhubschrauber und Artillerie einsetzte, flauten im Tagesverlauf wieder ab. Es waren die schwersten Kämpfe zwischen den beiden Nachbarländern seit dem Sommerkrieg 2006. Israel und die libanesische Hizbullah-Miliz hatten sich im Sommer 2006 einen einmonatigen Krieg geliefert. Auslöser war die Verschleppung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah. Der Krieg wurde durch Vermittlung der Vereinten Nationen beendet.

          Widersprüchliche Berichte über Auslöser der Gefechte

          Von beiden Seiten gab es widersprüchliche Berichte über den Auslöser der neuen Gewalt. Nach Darstellung Beiruts soll eine israelische Einheit nahe dem Ort Adisseh auf libanesisches Gebiet vorgedrungen sein, um dort im Feuerschutz eines Panzers einen Baum zu fällen. Die libanesischen Streitkräfte hätten Warnschüsse abgegeben, worauf die Israelis gezielt zurückgeschossen hätten.

          Ein israelischer Armeesprecher entgegnete, die israelischen Soldaten seien zuerst beschossen worden, obwohl sie die Grenzlinie nicht überschritten hätten. Nach Augenzeugenberichten dauerten die Kämpfe vier Stunden. Am Nachmittag stellte sich demnach in Adisseh wieder Ruhe ein. Geflüchtete Bewohner kehrten wieder zurück.

          Bei den Gefechten wurde ein Haus in Adisseh von einer israelischen Panzergranate getroffen. Ein Journalist der Tageszeitung „Al-Akhbar“, die der Hizbullah nahesteht, wurde getötet. Ein Reporter des Fernsehsenders Al-Manar erlitt Verletzungen.

          Suleiman: „Verstoß“ gegen UN-Resolution 1701

          Der libanesische Präsident Michel Suleiman verurteilte die israelische Militäraktion als „Verstoß“ gegen die zum Ende des Libanon-Kriegs 2006 erlassene UN-Resolution 1701. Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri, der in Italien im Urlaub weilte, warf Israel „Aggression“ und „Verletzung der Souveränität des Libanons“ vor. Das israelische Außenministerium teilte mit, man sehe den Vorfall seinerseits als „klaren Verstoß“ gegen die UN-Resolution 1701.

          Israel betrachte die libanesische Regierung als verantwortlich für den Zwischenfall und warnte vor „Konsequenzen“, sollten die Verstöße sich wiederholen. Die UN-Militärmission im Libanon (Unifil) rief beide Seiten zur Mäßigung auf. „Unsere Friedenssoldaten versuchen die Ruhe in der betroffenen Region wiederherzustellen, denn das ist unsere Hauptaufgabe“, sagte ein Unifil-Sprecher in Beirut.

          Internationale Reaktionen

          Die Vereinigten Staaten, die Vereinten Nationen und die Europäische Gemeinschaft haben die Konfliktparteien zur Mäßigung aufgerufen.Die amerikanische Regierung zeigte sich „außerordentlich besorgt“ und forderte beide Seiten zu „maximaler Zurückhaltung“ auf. Außenamtssprecher Philip Crowley sagte, die Vereinigten Staaen stünden mit beiden Regierungen in Kontakt. Das Geschehene dürfe sich nicht wiederholen. In der Region gebe es genug Spannungen. „Das letzte, was wir sehen wollen, ist, dass sich der Vorfall zu etwas Ernsterem ausweitet“, sagte Crowley.

          UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Israel und den Libanon zu „größtmöglicher Zurückhaltung“ auf. Beide Seiten sollten mit der UN-Militärmission im Libanon (Unifil) zusammenarbeiten, hieß es in einer Erklärung, die am Dienstagabend (Ortszeit) in New York verbreitet wurde. Unifil wolle die Umstände untersuchen, die zu dem Feuergefecht mit Toten geführt habe, kündigte der Chef der Vereinten Nationen an.

          Auch der Weltsicherheitsrat war zuvor zu einer außerplanmäßigen Sitzung zusammengekommen. „Die Mitglieder des Sicherheitsrats haben beide Seiten aufgefordert, an der UN-Resolution 1701 festzuhalten“, sagte der amtierende Ratsvorsitzende, der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin anschließend vor Journalisten. Mit der Resolution war der Libanonkrieg 2006 beendet worden.

          Bundesregierung besorgt

          Die EU rief beide Länder zur Mäßigung auf. Sie sei sehr besorgt über den Vorfall, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton am Dienstag in Brüssel. „Auf beiden Seiten der Grenze sollten umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um eine weitere Eskalation der Spannungen oder irgendeine Form weiterer Gewalt zu verhindern.“ Die EU unterstütze eine sofortige und komplette Untersuchung des Feuergefechts.

          Auch die Bundesregierung zeigte sich besorgt. Alles müsse getan werden, „um die Bemühungen um Frieden und Ausgleich in der Region nicht zu gefährden“, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin.

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