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Naher Osten : Israelische Panzer belagern Arafats Hauptquartier

  • Aktualisiert am

Arafat im Visier Bild: AP

Mit brachialen Maßnahmen demonstriert Israel, wen es für den Hauptschuldigen an dem jüngsten Terroranschlag hält.

          2 Min.

          Nach dem tödlichen Terroranschlag eines palästinensischen Extremisten in der nordisraelischen Stadt Hadera hat die israelische Armee am Freitag große Teile der Stadt Ramallah besetzt und das Hauptquartier von Palästinenserpräsident Jassir Arafat mit Panzern blockiert. Bereits Stunden nach dem Attentat am späten Donnerstagabend hatten israelische Kampfflugzeuge das Hauptquartier der Polizei in der Stadt Tulkarem im Westjordanland angegriffen und zerstört. Die Regierungen der USA, die EU und die Bundesregierung verurteilten die Bluttat scharf.

          Mit Unterstützung von Fallschirmspringereinheiten rückten Panzer in mehrere Stadtteile ein und blockierten den Eingang zu Arafats Hauptquartier im Norden der Stadt. Die Panzer bezogen nur wenige Meter vor dem Gelände Position. Ihre Geschütze waren drohend auf das Gebäude gerichtet, in dem Arafat und einige seiner Minister über die Lage berieten. Am Mittag demonstrierten Hunderte von Palästinensern gegen die neue Besetzung ihrer Stadt.

          Ausgangssperren in Ramallah

          Israelische Soldaten drangen am Morgen in die Häuser von Arafats Geheimdienstchef Taufik Tiraui und von Intifada-Führer Marwan Barguti ein, verließen sie aber nach kurzer Zeit wieder. Der palästinensische Menschenrechtler Mustafa Barguti erklärte, die Armee habe über ein Dutzend Stadtteile Ramallahs Ausgangssperren verhängt.

          Ein Opfer des palästinensischen Selbstmordanschlags

          Bei dem Luftangriff wurden am Freitagmorgen nach palästinensischen Angaben ein Mann getötet und mindestens 40 Menschen verletzt. In dem Haus hatte der palästinensische Gouverneur von Tulkarem seinen Sitz, zudem waren das Gefängnis und die Polizeistation in dem Gebäude untergebracht. Das Haus sei völlig zerstört worden. Ein israelischer Armeesprecher bezeichnete den Angriff als Antwort auf den palästinensischen Selbstmordanschlag in Hadera, bei dem in der Nacht sechs Israelis und der Attentäter getötet worden waren.

          Auch Ramallah war Ziel einer sogenannten Vergeltungsmaßnahme der israelischen Armee. Mit mindestens 20 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen rückte die israelische Armee wenig später in die autonome Palästinenserstadt Ramallah ein. Bei der Aktion wurden nach Angaben des israelischen Rundfunks auch Fallschirmspringer eingesetzt.

          Attentäter tötete Gäste einer Familienfeier

          In der Nacht hatte ein palästinensischer Attentäter im nordisraelischen Hadera sechs Gäste einer jüdischen Konfirmationsfeier getötet, bevor er selbst erschossen wurde. Mindestens 34 Israelis wurden verletzt, als der Mann in einem Festsaal in die Menge schoss. Der palästinensische Attentäter kam durch den Haupteingang und feuerte mit einem Sturmgewehr auf die Festgesellschaft, wie Augenzeugen berichteten. Einige griffen den Mann mit Stühlen an oder bewarfen ihn mit Flaschen. Als seine Waffe Ladehemmung hatte, konnte er aus dem Saal gedrängt werden. Die Polizei erschoss ihn später. Wie es hieß, fürchteten die Polizisten, dass ein Munitionsgurt, den der Mann trug, mit Sprengstoff gefüllt sein könnte. Erste Berichte, wonach der Mann eine Handgranate in die Menge schleuderte, bestätigten sich nicht.

          Bekannte sich zur Tat: Al-Aksa-Brigade

          Zu der Bluttat bekannten sich die Al-Aksa-Brigade, ein bewaffneter Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Arafat. Die israelische Regierung machte ihn und die Autonomiebehörde für den Anschlag verantwortlich. Es war der erste Selbstmordanschlag innerhalb Israels seit Palästinenserpräsident Jassir Arafat am 16. Dezember eine Waffenruhe angeordnet hatte. Die USA verurteilten den Angriff auf die Festgesellschaft und riefen Arafat auf, gegen die Verantwortlichen vorzugehen

          In einer Erklärung der Al-Aksa-Brigade hieß es, der Mann namens Abed Hassuna aus einem Dorf bei Nablus habe mit der Tat den Tod von Raid Karmi rächen wollen. Karmi, der Führer der Al-Aksa-Brigade, war am Montag bei der Explosion eines Sprengsatzes ums Leben gekommen. Die palästinensische Organisation macht Israel für Karmis Tod verantwortlich und hat Vergeltungsaktionen angekündigt.

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