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Naher Osten : Israel tötet Hamas-Führer

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jöb. JERUSALEM, 21. August. Die israelische Armee hat als Teil ihrer "begrenzten Operationen" gegen die Islamisten am Donnerstag den Hamas-Führer Ismail Abu Schanab im Gaza-Streifen mit mehreren Raketen getötet. Die palästinensische ...

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          Die israelische Armee hat als Teil ihrer "begrenzten Operationen" gegen die Islamisten am Donnerstag den Hamas-Führer Ismail Abu Schanab im Gaza-Streifen mit mehreren Raketen getötet. Die palästinensische Führung in Ramallah, die sich auf Schritte gegen die Islamisten einigen wollte, unterbrach daraufhin ihre Sitzung. Nur Stunden vor dem Anschlag hatte es im Rundfunk geheißen, schon am späten Mittwoch habe Palästinenser-Präsident Arafat im Grundsatz das Verbot und die Verfolgung der extremistischen Gruppen gebilligt. Nach der Tötung Abu Schanabs nannte der palästinensische Ministerpräsident Abbas diese Tat ein "häßliches Verbrechen", das alle palästinensischen Bemühungen unterminiere.

          Am Mittwoch hatte das israelische Sicherheitskabinett in Jerusalem beschlossen, der "Diplomatie eine Chance zu lassen". Das Selbstmordattentat vom Dienstag in Jerusalem, das offenbar ohne Kenntnis der Führungen von den lokalen Dschihad- und Hamas-Zellen in Hebron organisiert worden war und bisher 18 Israelis das Leben kostete, sollte nur mit "begrenzten Operationen" beantwortet werden. Der Dschihad und die Hamas aber erklärten nach dem Anschlag die Waffenruhe für beendet, die sie gegenüber der Abbas-Regierung verkündet hatten. Zudem schworen sie blutige Rache. Zugleich zeigten sie sich erfreut; denn nun würden sie gewiß nicht mehr in den Konflikt mit der palästinensischen Polizei geraten.

          Die israelische Regierung wollte nach eigenen Aussagen eigentlich die Eskalation verhindern. Am Donnerstag nachmittag soll es zu Telefongesprächen gekommen sein, mit denen Washington sich in Jerusalem und Ramallah um eine Rettung der Waffenruhe bemühte. Auch kehrte der Sondergesandte Wolf vorzeitig aus Washington zurück. In Ramallah hieß es, bei einer Auseinandersetzung zwischen der im Volk wenig beliebten Regierung Abbas und den Islamisten, die durch den Mord an Abu Schanab erst recht die Unterstützung der Straße haben, stehe "der Sieger nicht fest." Nach der Hamas erklärte auch der Dschihad das Ende der Waffenruhe: "Mit der Ermordung Abu Schanabs hat (der israelische Ministerpräsident) Scharon den Gewaltverzicht beendet und der Waffenruhe den Tod erklärt." Das israelische Militär bekannte sich zu dem Anschlag, bei dem auch zwei Personenschützer Abu Schanabs ums Leben kamen. 14 Menschen sollen verletzt worden sein. Kampfhubschrauber hatten fünf Raketen auf den Wagen des Hamas-Führers gefeuert, der offenbar wie die gesamte islamistische Führung in den Untergrund gehen wollte. Der Getötete sei ein Stellvertreter von Hamas-Führer Scheich Jassin, teilte das Militär mit. Seine Organisation habe zwar am 29. Juni die "Hudna" erklärt, die Hamas und Abu Schanab hätten aber weiter "Terroraktionen, so auch Selbstmordanschläge, geplant sowie die Terrorstrukturen erneuert".

          Das Militär wies dabei nicht nur auf den jüngsten Anschlag auf den Jerusalemer Bus am 19. August hin, sondern auch auf einen Selbstmordanschlag an einer Tankstelle vor der Siedlung Ariel, bei dem am 12. August ein Israeli ums Leben kam. Es erwähnte auch einen Angriff mit Kassem-Raketen-Angriff auf Sderot am 9. August. Einwanderungsministerin Livni meinte, die Regierung von Ministerpräsident Abbas solle nicht destabilisiert werden. Der palästinensische Informationsminister Nabil Amr nannte dagegen die Tötung Abu Schanabs einen Rückschlag für den Prozeß. "Israels Fortsetzung dieser Eskalationspolitik wird das Bemühen der Palästinenser-Regierung schwächen, für Ruhe zu sorgen und den politischen Prozeß voranzubringen." Der Angriff sei unverantwortlich. "Er wirft uns zurück zum Kreislauf der Gewalt, den die Palästinenser-Regierung zu vermeiden sucht." Vor der Tötung Abu Schanabs hatte Abbas den palästinensischen Präsidenten Arafat ultimativ aufgefordert, einen harten Kurs gegen die Islamisten zu unterstützen. Arafat habe sich dem gebeugt.

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