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Naher Osten : Israel sprengt Gebäude des palästinensischen Rundfunks

  • Aktualisiert am

Palästinensisches Rundfunkgebäude in Ramallah in Flammen Bild: dpa

Die israelische Armee hat in der Nacht zu Samstag das Hauptgebäude des Senders "Stimme Palästinas" gesprengt.

          Die israelische Armee hat in der Nacht zum Samstag das Hauptgebäude der „staatlichen“ palästinensischen „Stimme Palästinas“ gesprengt und weitgehend zerstört. Die Aktion folgte einen Tag nach dem jüngsten Terroranschlag eines palästinensischen Extremisten in der nordisraelischen Stadt Hadera, bei dem sechs israelische Gäste einer jüdischen Konfirmationsfeier und der Täter getötet wurden.

          Die palästinensische Autonomiebehörde forderte als Reaktion auf die Sprengung internationale Sanktionen gegen Israel. Der Berater von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, Nabil Abu Rudeina, nannte den Militäreinsatz am Dienstag ein „Verbrechen gegen das palästinensische Volk“ und einen „Versuch, die palästinensische Stimme zu ersticken.“

          Weiter auf Sendung

          Israelische Pioniere hatten am frühen Morgen die oberen Stockwerke des Gebäudes gesprengt, die anschließend in Flammen aufgingen. In dem Verwaltungsgebäude befanden sich auch das Nachrichtenstudio des Fernsehens und die Direktion der „Stimme Palästinas“. Ungeachtet der Zerstörung setzte der Rundfunk seine Sendungen am Samstag aus anderen Studios fort. Mitarbeiter versuchten am Morgen, Geräte und Akten aus den weniger zerstörten, unteren Stockwerken zu bergen.

          Bereits im vergangenen Jahr hatten die Israelis als Vergeltung für einen Terroranschlag eine Sendeanlage des palästinensischen Rundfunks demoliert. Seither kann die „Stimme Palästinas“ nur noch über örtliche UKW-Sender übertragen. Die Regierung in Jerusalem beschuldigt die palästinensischen Medien, Feindseligkeiten gegen Israel zu verbreiten.

          Personal in Sicherheit

          Der Direktor des Senders, Bassam Abu Sumaja, sagte am Samstag, die israelischen Truppen seien vor Morgengrauen angerückt, hätten das Gebäude gestürmt und dann Sprengsätze angebracht. Das Personal habe sich in Sicherheit bringen können.

          Die Politik der Zerstörung nicht-militärischer Gebäude durch Israel ist international höchst umstritten. Die Europäische Union plant wegen der gezielten Zerstörung der von europäischen Ländern finanzierten Infrastruktur eine offizielle Beschwerde in Jerusalem.

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