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Naher Osten : Israel rückt im Flüchtlingslager Dschenin vor

  • Aktualisiert am

Der Ruf nach Frieden verhallt im Nahen Osten wieder einmal ungehört Bild: AP

Die israelische Armee hat heute ihre Einsätze gegen mutmaßliche palästinensische Gewalttäter im Flüchtlingslager Dschenin fortgesetzt.

          Die israelische Armee ist am Freitag in das Flüchtlingslager Dschenin im Westjordanland vorgerückt und hat die Einsätze gegen mutmaßliche palästinensische Gewalttäter fortgesetzt. Palästinenserführer Jassir Arafat sprach von einem „neuen Massaker am palästinensischen Volk". Er forderte die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf, bevor der ganze Nahe Osten im Chaos versinke.

          Mindestens fünf Palästinenser seien bei dem Vorstoß am Freitag getötet und 36 weitere verwundet worden, teilten palästinensische Behörden mit. Ein Armeesprecher sagte, der Vorstoß sei Teil der laufenden Aktion zur Vernichtung terroristischer Zellen in dem Flüchtlingslager.

          Waffengefechte

          Augenzeugen berichteten, die Armee sei vom Norden und Süden in das Lager eingedrungen. Ein Kampfhubschrauber habe den vorrückenden Soldaten mit Maschinengewehrfeuer Deckung gegeben. Palästinenser lieferten sich Gefechte mit den vorrückenden Soldaten. Von den Minaretten Dschenins wurde zu den Waffen gerufen.

          Am Vortag hatte die Armee nach palästinensischen Angaben bei ähnlichen Vorstößen in einem Randgebiet Dschenins und im Lager Balata bei Nablus mindestens 13 Palästinenser getötet. Auch ein israelischer Soldat starb. Beobachter sprachen von der heftigsten israelischen Offensive seit Beginn des Palästinenseraufstands vor 17 Monaten.

          Seit die israelische Armee ihre Vorstöße auf die Flüchtlingslager begann, wurden mehr als 150 Palästinenser verwundet und mindestens 22 getötet, darunter zwei KInder.

          Suche nach Waffen und Sprengstoff

          In der Nacht suchten israelische Soldaten in Balata weiter Haus für Haus nach versteckten Extremisten sowie nach Waffen und Sprengstoff. Bislang hatte Israels Armee das Eindringen in die unübersichtlichen Lager vermieden, auch um eigene Verluste gering zu halten.

          Der israelischen Offensive war ein Anschlag vorausgegangen, bei der sich die palästinensische Attentäterin an einem Kontrollposten in die Luft sprengte und dabei drei Israelis verletzte.

          Schlechte Umfrageergebnisse für Scharon

          Israels Außenminister Schimon Peres verteidigte das Vorgehen der Armee. Israel habe zahlreiche Warnungen erhalten, dass militante Palästinenser weitere Anschläge planten. „Es ist der Versuch, die Bomben zu entschärfen, bevor sie großen Schaden anrichten", sagte Peres im Armeerundfunk.

          Erstmals seit Scharons Amtsantritt ist die Mehrheit der Israelis einer Umfrage der Zeitung „Maariv“ zufolge unzufrieden mit dessen Amtsführung. „Er hat seine Versprechen nicht gehalten", kommentierte das Blatt die Umfrageergebnisse. Scharon hatte bei seinem Amtsantritt angekündigt, er werde die Gewalt beenden.

          Israel soll Zurückhaltung üben

          Uno-Generalsekretär Kofi Annan und Bundesaußenminister Joschka Fischer hatten Israel am Donnerstag zum sofortigen Abzug aus den Flüchtlingslagern aufgefordert. Fischer warnte, die jüngste Friedensinitiative des saudi-arabischen Kronprinzen Abdullah dürfe nicht zerstört werden. Die Vereinigten Staaten mahnten ebenfalls zur Zurückhaltung.

          Der Vorschlag Abdullahs sieht vor, dass die arabischen Länder ihre Beziehungen zu Israel normalisieren, sollte Israel die 1967 besetzten Gebiete räumen. Die Initiative war von den Europäern, aber auch von den Vereinigten Staaten mit großem Interesse aufgenommen worden. Sie ist inhaltlich zwar nicht neu, bietet in der gegenwärtig verfahrenen Situation aber neue Ansatzpunkte, wenn sie von allen arabischen Staaten getragen wird.

          Seit Beginn des Aufstands der Palästinenser für einen eigenen unabhängigen Staat sind mindestens 908 Palästinenser und 280 Israelis gewaltsam ums Leben gekommen.

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