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Naher Osten : Israel hat keine Angst vor Islamisten

Israelis lassen sich vom Vormarsch des Islamischen Staates im Irak kaum beeindrucken Bild: Reuters

Israelische Politiker sind vom Vormarsch des Islamischen Staats im Irak nicht beunruhigt. Vielmehr sehen sie das Vorgehen gegen die Islamisten als Chance, alte Gräben zuzuschütten.

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          Mosche Jaalon hofft, dass die „freie Welt“ endlich aufwacht. Bisher habe der Westen die Gefahren unterschätzt, die von Terrorgruppen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) ausgehen, sagte der israelische Verteidigungsminister am Dienstag: Die Geheimdienste müssten deshalb enger zusammenarbeiten und Informationen austauschen, um die Terrororganisation zu zerschlagen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Trifft eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters zu, hat man damit längst begonnen: Israel versorge Amerika und seine Verbündeten mit Satellitenaufnahmen und anderen Geheimdiensterkenntnissen, sagte ein ungenannter westlicher Diplomat. Nachdem alle Hinweise auf den israelischen Ursprung getilgt worden seien, habe Washington das Material auch an die Türkei und mehrere arabische Staaten weitergeleitet. Die amerikanische Luftwaffe nutzt demnach die israelischen Luftbilder, um zu überprüfen, welche Schäden sie bei Angriffen auf Stellungen der Islamisten angerichtet haben. Laut dem offiziell unbestätigten Agenturbericht gibt Israel auch Informationen über westliche Bürger weiter, die unter dem Verdacht stehen, sich den bewaffneten Islamisten angeschlossen zu haben.

          Im Unterschied zu anderen Ländern hält sich in Israel die Beunruhigung über den „Islamischen Staat“ in Grenzen. Nicht nur Verteidigungsminister Mosche Jaalon verbreitet vorsichtige Zuversicht darüber, dass das gemeinsame Vorgehen gegen die Terrororganisation die Chance für neue Allianzen bietet - auch mit moderaten arabischen Regierungen. Finanzminister Jair Lapid wirbt für eine regionale „Koalition der Vernunft“, um den „Islamischen Staat“, aber auch die libanesische Hizbullah-Miliz und Al Qaida zu stoppen. In Israel registrierte man aufmerksam, dass Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die jüngste Militäroffensive gegen die Hamas in Gaza unterstützten.

          Beratung via Internet

          Bisher hatte der ungelöste Nahost-Konflikt mit den Palästinensern eine Annäherung an die arabische Welt erschwert. Jetzt hoffen Politiker wie Lapid darauf, dass der gemeinsame Kampf gegen den neuen islamistischen Feind dazu beiträgt, alte Gräben zu überwinden.

          Kämpfer des Islamischen Staates paradieren mit erbeuteten Panzerfahrzeugen

          Die relative israelische Gelassenheit angesichts der wachsenden Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ ist nur auf den ersten Blick überraschend. Die IS-Truppen konzentrieren sich auf den Süden Syriens und den Irak. Israel haben sie nicht ins Visier genommen. In unmittelbarer Nachbarschaft halten sie sich zurück. In Jordanien gibt es offenbar nur eine kleinere IS-Präsenz, zu den Islamisten auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel bestehen offenbar nur virtuelle Kontakte. Ein Kommandeur der Terrorgruppe Ansar Beit al Maqdis sagte am Wochenende der Nachrichtenagentur Reuters, dass IS-Mitglieder seiner Organisation über das Internet Ratschläge zum Aufbau konspirativer Terrorzellen gegeben hätten.

          In den Palästinensergebieten gehen Hamas und Fatah gegen Salafisten und Dschiadisten vor. Sie tun das aus eigenem Interesse, um selbst an der Macht zu bleiben. So schreckte die Hamas nicht davor zurück, eine Moschee zu zerstören, in der sich fast 30 Mitglieder einer extremistischen Splittergruppe verschanzt hatten. Im Westjordanland tun die Sicherheitskräfte der Autonomiebehörde alles, um zu verhindern, dass die Islamisten dort die Macht an sich reißen, wie es die Hamas vor sieben Jahren im Gazastreifen getan hatte. Dabei arbeiten sie eng mit der Armee und den Geheimdiensten Israels zusammen.

          Ablenkung vom Atomstreit mit Iran

          Anders als in vielen westlichen Staaten zogen nur wenige arabische Israelis in den syrischen Bürgerkrieg. In israelischen Presseberichten ist von rund einem Dutzend muslimischer Freiwilliger die Rede, die den Geheimdiensten bekannt sind. Diese israelischen Araber schlossen sich angeblich alle der Nusra-Front an, die mit dem Islamischen Staat rivalisiert.

          Die Nusra-Front scheint für Islamisten aus Israel am attraktivsten zu sein

          Die Nusra-Font hat sich auf den Golan-Höhen in Sichtweite israelischer Soldaten festgesetzt, die sie jedoch nicht angreift. Stattdessen liefern sich ihre Mitglieder dort seit Tagen heftige Kämpfe mit syrischen Regierungstruppen. In der vergangenen Woche rückte jedoch der „Islamische Staat“ für viele Israelis bedrohlich näher. Sie waren schockiert über die Enthauptung des amerikanischen Journalisten Steven Sotloff, der auch die israelische Staatsangehörigkeit besaß. Der frühere Chef des Militärgeheimdienstes Amos Jadlin warnt vor panischen Reaktionen. Der „Islamische Staat“ habe nur halb so viele Kämpfer wie die Hamas und verfüge weder über Tunnel noch über Raketen, die Israel erreichen könnten, schrieb er in einem Beitrag für die Zeitung „Jediot Ahronot“.

          Von der neuen Gruppe gehe keine größere Bedrohung aus, als von dem Terrornetz Al Qaida, das Israel nie wirklich gefährlich werden konnte. Sollten IS-Kämpfer es wagen, Israel anzugreifen, wären sie „leichte Beute für den israelischen Geheimdienst, die Luftwaffe und die Präzisionswaffen der Bodentruppen. Sobald IS einer modernen Armee begegnet, werden sie ihre Geländewagen verlassen, was ihre Fähigkeit weiter verringern würde, in Richtung Israel vorzustoßen“, erwartet Jadlin. Zudem bildeten die IS-Feinde im Irak, Jordanien und der Libanon eine Pufferzone rund um Israel.

          Der frühere Geheimdienstler hält eine andere Gefahr für größer: Die Gräueltaten des „Islamischen Staat“ lenkten vom Atomstreit mit Iran ab, dessen Ausgang für Israel und die Welt viel gravierender sei, mahnt Jadlin, der heute in Tel Aviv das „Institut für nationale Sicherheitsstudien“ (INSS) leitet.

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