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Naher Osten : Israel fliegt Luftangriff in Gaza

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Der Luftangriff ist angeblich keine Reaktion auf den Anschlag in Eilat Bild: REUTERS

Seit zwei Uhr in der Nacht sollen die Waffen zwischen Hamas und Fatah schweigen. Doch auch diese Waffenruhe erweist sich als brüchig. Israel hat unterdessen erstmals seit Monaten wieder einen Luftangriff im Gazastreifen geflogen.

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          Die von Hamas und Fatah im innerpalästinensischen Machtkampf verkündete Waffenruhe ist zunächst nicht eingehalten worden. Wie beide Organisationen am Montag verkündet hatten, sollten die Kämpfe an diesem Dienstagmorgen um 2 Uhr eingestellt werden. Aber auch danach waren im Gazastreifen Gewehrfeuer und Explosionen zu hören. Selbst als Außenminister Mahmud Sahar von der radikalislamischen Hamas die Waffenruhe verkündete, wurde das von Gefechtslärm begleitet.

          Wie Sahar in Gaza mitteilte, kam die Vereinbarung unter ägyptischer Vermittlung zustande. Die regierende Hamas und die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten sich bereits mehrmals auf Feuerpausen verständigt, die sich aber immer wieder als kurzlebig erwiesen. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden bei Kämpfen zwischen Anhängern der Hamas und der Fatah allein seit vergangenen Donnerstag 33 Palästinenser getötet - darunter fünf Kinder - und mehr als 120 verletzt.

          An dem etwa zweistündigen Treffen in Gaza nahmen am späten Montagabend nach Angaben Sahars neben Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas und hohen Vertretern der Fatah auch verschiedene andere Palästinensergruppen sowie eine ägyptische Delegation teil. Palästinenserpräsident Abbas sei durch seinen Repräsentanten vertreten worden. Die Vereinbarung sehe unter anderem den Rückzug aller Kämpfer von den Straßen im Gazastreifen, den Abbau der Kontrollstellen sowie die Freilassung aller Geiseln vor. Außerdem sollen die Gespräche zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit fortgeführt werden.

          Erst in der Nacht hatten Hanija (l.) und Sahar die Waffenruhe verkündet

          Erster Luftangriff seit Ende November

          Das israelische Militär hat unterdessen im Gazastreifen einen Luftangriff geflogen. Ein Sprecher der Armee sagte, man habe am Dienstag nahe des Grenzübergangs Karni einen Tunnel bombardiert, der für Angriffe auf Israel habe benutzt werden sollen. Es lagen zunächst keine Angaben über mögliche Opfer vor. Es war der erste Luftangriff in dem Küstengebiet seit Ende November.

          Der Luftangriff steht laut einer Meldung des israelischen Rundfunks aber nicht in Verbindung mit dem Selbstmordanschlag in Eilat am Montag. Man habe vielmehr eine „tickende Bombe“ stoppen und einen geplanten weiteren Anschlag verhindern wollen. Auf den Anschlag in Eilat wolle man vielmehr zurückhaltend reagieren. Wie der Rundfunk am Dienstag meldete, habe die Führung in Jerusalem das entgegen Empfehlungen der Armee entschieden. Man wolle die Waffenruhe im Gazastreifen nicht durch Militärschläge gefährden.

          Ein 21 Jahre alter Palästinenser aus Gaza hatte sich am Montag in einer Bäckerei im Touristenort Eilat am Roten Meer in die Luft gesprengt und dabei drei Menschen und sich selbst getötet. Der Täter gehörte dem Islamischen Dschihad an; die radikale Organisation bekannte sich zu der Tat. Auch der militärische Arm der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Abbas, die Al-Aqsa-Brigaden, ist demnach beteiligt gewesen. Ein Dschihad-Sprecher nannte den Anschlag „eine Botschaft an jene Brüder, die einander in Gaza bekämpfen“. Sie sollten lieber die israelische Besatzung bekämpfen, „statt Gewehre aufeinander zu richten“.

          Palästinenserführung international unter Druck

          Unterdessen gerät die Palästinenserführung wegen des Selbstmordanschlags im israelischen Badeort Eilat international unter Druck. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Tat scharf. Er forderte die palästinensischen Sicherheitsbehörden dazu auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

          Auch Präsident George W. Bush kritisierte die Hamas-Regierung scharf. „Die Last der Verantwortung zur Verhinderung solcher Terroranschläge liegt bei der palästinensischen Regierung“, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Anschlag als Versuch, die Hoffnungen auf Fortschritte im israelisch-palästinensischen Verhältnis zunichte zu machen.

          Israels Verteidigungsminister Amir Peretz ordnete ein verschärftes Vorgehen gegen militante Palästinenser an. Ministerpräsident Ehud Olmert sagte, Israel habe eine längere Phase der Ruhe genossen, die sich aber als trügerisch erwiesen habe. In letzter Zeit hätten israelische Sicherheitskräfte mehrere geplante Anschläge vereitelt.

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