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Naher Osten : In Taba war der Frieden zum Greifen nah

  • Aktualisiert am

Taba, Januar 2001: Friedensgespräche wecken Hoffnung Bild: dpa-Bildfunk

Israel und die Palästinenser sollen im Januar bei den Friedensgesprächen in Taba kurz vor einer Einigung gestanden haben.

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          Israel und die Palästinenser waren sich im Januar 2001 bei den Friedensgesprächen von Taba selbst in strittigen Fragen so nahe, dass eine Einigung auf eine dauerhafte Friedenslösung auf höchster Ebene möglich schien. Dies geht aus einem Dokument des EU-Sondergesandten Miguel Moratinos hervor, das die israelische Tageszeitung „Haaretz“ am Donnerstag veröffentlicht hat.

          Unter anderem hatten sich nach diesen Berichten beide Seiten praktisch über den künftigen Status von Jerusalem und die Souveränität über die heiligen Stätten in der Altstadt geeinigt. Nicht zuletzt an diesem Punkt war die Nahost-Konferenz von Camp David im Juli 2000 gescheitert.

          Moratinos: Annäherung bei Rückkehr-Frage

          Selbst in der kontroversen Frage des von den Palästinensern geforderten Rückkehrrechtes für palästinensische Flüchtlinge hatten beide Seiten eine Annäherung erzielt, berichtet Moratinos. Er war seinerzeit der einzige offizielle diplomatische Beobachter, der in Taba anwesend war, wenngleich er nicht an den Verhandlungen beider Seiten teilgenommen hatte.

          Die Gespräche Ende Januar 2001 wurden nach mehreren palästinensischen Terroranschlägen auf Israelis vom damaligen Ministerpräsidenten Ehud Barak nach etwa einer Woche abgebrochen. Barak verlor zwei Wochen später die Ministerpräsidentenwahl gegen Ariel Scharon.

          Vermittlung Bill Clintons

          Nach Angaben von „Haaretz“, die das Dokument offensichtlich von Moratinos erhielt, verständigten sich beide Seiten in dem ägyptischen Badeort am Roten Meer unter anderem auf den vollständigen Abzug Israels aus dem Gazastreifen und den Rückzug von 94 Prozent des besetzten Westjordanlandes sowie auf eine Kompensation für Land, das Israel für Siedlungen annektieren wollte. Die Gespräche von Taba basierten auf weit reichenden Vermittlungsvorschlägen, die der damalige US-Präsident Bill Clinton am 23. Dezember 2000 kurz vor Ende seiner Amtszeit gemacht hatte.

          Moratinos verfasste sein Dokument auf der Grundlage der Informationen, die er von beiden Seiten während der Gespräche erhalten hatte. Bei der Niederschrift habe er erneut beide Seiten konsultiert. Dennoch wurde das Dokument von israelischen Teilnehmern der Gespräche kritisiert.

          Gilad Scher, der frühere Berater Baraks, nannte es nach Angaben von „Haaretz“ sogar „völligen Unsinn“. Alle israelischen Sprecher haben deutlich gemacht, dass die Vorschläge von Taba angesichts der Gewalt der vergangenen 16 Monate „vom Tisch sind“.

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