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Naher Osten : Anschlag in Israel gefährdet Waffenruhe

  • Aktualisiert am

Der Bus war von Tel Aviv nach Nazareth unterwegs Bild: AP/APTN

Eine Busfahrt endete für sieben Israelis tödlich. Das Attentat eines Pälastinensers stellt die Friedensbemühungen im Nahen Osten abermals in Frage.

          Der Selbstmordanschlag mit sieben Toten in Nord-Israel hat die intensiven Bemühungen um eine Waffenruhe im Nahen Osten erneut in Frage gestellt. Nur einen Tag nach dem Besuch von US-Vizepräsident Richard Cheney sprengte sich am frühen Morgen nahe der arabischen Stadt Um-el-Fachem ein 24-jähriger Palästinenser in einem israelischen Linienbus in die Luft und tötete dabei sieben Israels. Mindestens 27 Reisende wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

          Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte „die Operation gegen Zivilisten in Israel“, doch Israels Ministerpräsident Ariel Scharon warf Palästinenserpräsident Jassir Arafat vor, „nichts zur Beendigung des Terrors getan“ zu haben. Dennoch vereinbarten beide Seiten für Mittwochabend ein weiteres Treffen ihrer Sicherheitsexperten, bei dem Einzelheiten einer offiziellen Waffenruhe ausgearbeitet werden sollten.

          Islamischer Dschihad bekannte sich zur Tat

          Zu der Tat bekannte sich die extremistische Organisation Islamischer Dschihad. Unter den Getöteten waren vier Soldaten und mehrere israelische Araber. Der Bus war auf dem Weg von Tel Aviv nach Nazareth, als der Täter den um den Leib geschnallten Sprengsatz zündete. Es war bereits der zweite Anschlag auf einen Bus dieser Linie innerhalb weniger Monate.

          Der Terror in Israel geht trotz Friedensbemühungen weiter

          Scharon und seine Minister berieten am Morgen in Jerusalem über eine Reaktion auf das Attentat. Angesichts der diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung der Gewalt wurden dabei jedoch keine massiven militärischen Vergeltungsschläge beschlossen. US-Nahostvermittler Anthony Zinni sprach am Nachmittag bei Arafat vor. Er machte dabei offenbar massiven Druck auf den 72-Jährigen, weitere Anschläge zu verhindern. Palästinensische Sprecher nannten das zweistündige Treffen in Ramallah äußerst direkt“.

          Cheney fordert mehr Anstrengungen von Arafat

          US-Vizepräsident Cheney hatte am Dienstag ein von den Palästinensern gefordertes Treffen mit Arafat davon abhängig gemacht, dass dieser „hundertprozentige Anstrengungen“ zur Bekämpfung des Terrors gegen Israelis unternehme. Unter anderem forderte er ihn auf, sich mit der geplanten Waffenruhe-Erklärung direkt an die arabische Bevölkerung zu wenden, Extremisten festzunehmen und tausende illegaler Waffen einzusammeln.

          Der israelische Ministerpräsident deutete nach dem Anschlag erneut an, dass Arafat nur dann zum arabischen Gipfeltreffen in Beirut Ende März reisen dürfe, wenn er die Forderungen der USA erfüllt. Israel hält den Palästinenserführer seit mehr als drei Monaten in Ramallah fest.

          „Israel tut nichts für den Frieden“

          Der palästinensische Parlamentspräsident Ahmed Kurei gab Israel eine Mitschuld an dem jüngsten Anschlag, „weil es nichts für den Frieden tut“. Gleichzeitig hofft er, dass sich beide Seiten am Mittwoch „auf einen gemeinsamen Plan“ zur Beendigung der Gewalt einigen. Immerhin ist die Zahl blutiger Zwischenfälle in den Palästinensergebieten gesunken. Am späten Dienstagabend waren allerdings erneut zwei Palästinenser erschossen worden, die zuvor eine israelische Gemeinschaftssiedlung auf israelischem Gebiet mit Kalaschnikow-Gewehren angegriffen hatten.

          Inzwischen hat ein bisher geheim gehaltener Bericht des israelischen Armee-Geheimdienstes die jüngsten Offensiven Israel in den Palästinensergebieten für die Eskalation des Nahostkonflikts mitverantwortlich gemacht. Die Operationen der Armee hätten unter den Palästinensern nur das Verlangen nach Vergeltung geweckt und nicht zur Beendigung der Terroranschläge in Israel geführt, steht in dem Bericht. Die Autonomiebehörde sei gleichzeitig daran gehindert worden, Maßnahmen gegen die Extremisten zu ergreifen.

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