https://www.faz.net/-gpf-36wz

Naher Osten : Annan: „Ausmaß des Gemetzels ist Schrecken erregend“

  • Aktualisiert am

Die Gewalt fordert täglich neue Opfer auf beiden Seiten Bild:

UN-Generalsekretär Annan hat heute Israelis und Palästinenser in einem eindringlichen Appell zum Ende der Gewalt aufgefordert.

          Wenige Tage vor der Ankunft des amerikanischen Vermittlers Anthony Zinni im Nahen Osten hat UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag die dortigen Konfliktgegner in einem eindringlichen Appell zur Beendigung der Gewalt aufgerufen.

          Währenddessen wurden bei der seit Tagen andauernden israelischen Großoffensive in den Palästinensergebieten allein am Dienstag mindestens 31 Palästinenser getötet. Bei ihrer größten Operation seit dem Libanonkrieg 1982 hat die israelische Armee große Teile der palästinensischen Verwaltungsstadt Ramallah im Westjordanland besetzt. An der Offensive sind nach Angaben der israelischen Nachrichtenagentur ITIM etwa 20 000 israelische Soldaten beteiligt.

          Appell an Israelis und Palästinenser

          „Das Ausmaß des Gemetzels ist Schrecken erregend“, sagte Annan in einer öffentlichen Debatte des Weltsicherheitsrates. „Die Situation ist die schlimmste seit zehn Jahren.“ In der von ihm beantragten Sitzung des höchsten Entscheidungsgremiums der UN wandte sich Annan, wie er sagte, „direkt an die Völker und Führer beider Seiten“. Er forderte den israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Palästinenserführer Jassir Arafat auf, ihre beiden „Völker aus dem Desaster herauszuführen“.

          Kein Ende der Gewalt

          Den Palästinensern sagte er: „Ihr habt das unveräußerliche Recht auf einen lebensfähigen Staat in international anerkannten Grenzen, aber ihr müsst alle Terrorakte und Selbstmordanschläge stoppen.“ An das israelische Volk gewandt, erklärte er: „Ihr habt das Recht auf ein Leben in Frieden und Sicherheit innerhalb international anerkannter Grenzen, aber ihr müsst die Okkupation (palästinensischer Gebiete) beenden.“ Beide Seiten müssten zudem sofort die Angriffe auf Zivilisten einstellen. Die Vertreter der 15 Mitgliedsländer des Gremiums zogen sich nach der öffentlichen Erklärung Annans wieder zu Beratungen hinter verschlossenen Türen zurück.

          Tote auf beiden Seiten

          Die meisten Toten gab es im Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen, wo Soldaten in der Nacht 18 Bewohner erschossen, die der Armee Widerstand leisteten. Nach Angaben palästinensischer Ärzte wurden 75 Menschen verletzt. Die meisten Opfer seien Angehörige der palästinensischen Sicherheitsdienste. Dschabalia ist mit 200 000 Bewohnern das größte Flüchtlingslager im Gazastreifen. Es soll nach israelischer Darstellung eine Hochburg von Extremisten sein.

          Bei einem Angriff mutmaßlicher palästinensischer Extremisten auf einen israelischen Bus sowie einen Autofahrer nahe der libanesischen Grenze kamen mindestens sechs Israelis und zwei Angreifer ums Leben. Nach israelischen Berichten eröffneten die Angreifer aus einer Bananenplantage an der Hauptstraße nahe Mazuba im westlichen Galiläa das Feuer auf einen Reisebus und mehrere andere Fahrzeuge. Bei der darauf folgenden Schießerei mit israelischen Polizisten kamen mindestens zwei der Attentäter ums Leben.

          Besetzung Ramallahs

          Bei der Besetzung Ramallahs wurden mindestens fünf Palästinenser getötet. Nach Angaben des palästinensischen Menschenrechtlers Mustafa Barguti drang die Armee mit starken Panzerverbänden aus fünf Richtungen in die Stadt ein, die sie seither fast vollständig besetzt hält. Über die meisten Stadtteile wurde eine Ausgangssperre verhängt. Wer gegen den Befehl verstoße, werde erschossen, wurde die Bevölkerung nach Angaben Bargutis gewarnt.

          Rechte Minister treten zurück

          Minister haben am Dienstag ihren Rücktritt eingereicht. Ministerpräsident Ariel Scharon habe den Rücktritt von Infrastrukturminister Avigdor Lieberman und Tourismusminister Benny Elon angenommen, teilten die Parteien Israel Beitenu und Nationale Einheit am Dienstag in Jerusalem mit. Beide Parteien treten für eine harte Linie gegenüber den Palästinensern ein.

          Schwierige Mission für Zinni

          Der amerikanische Nahost-Gesandte Zinni wird in dieser Woche in der Region zurück erwartet, um eine Waffenruhe in den über 17-monatigen Kämpfen durchzusetzten. Sie sind durch die verlustreichste Phase des Konfliktes in den vergangenen beiden Wochen weiter eskaliert. Insgesamt sind bereits mehr als 1000 Palästinenser und knapp 350 Israelis getötet worden.

          Weitere Themen

          Tausende demonstrieren in Hongkong

          Trotz Verbots : Tausende demonstrieren in Hongkong

          In der Nähe des Regierungssitzes in Hongkong zogen die Demonstranten vorbei. Am Vortag war es zu Auseinandersetzungen zwischen Protestlern und China-freundlichen Demonstranten gekommen.

          Topmeldungen

          Die Ruhe vor der Messe: Ola Källenius im provisorischen Daimler-Hauptquartier auf der IAA

          Erste IAA für den Daimler-Chef : Ola im Härtetest

          „Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen“, sagt Ola Källenius und schwört die Belegschaft auf harte Zeiten ein. Die Aktionäre als Eigentümer sollen zugleich höchste Priorität haben. Seine erste IAA als Daimler-Chef hat es in sich.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.
          Hält von der Kritik ter Stegens wenig: Manuel Neuer

          Nach ter-Stegen-Aussagen : Neuer not amused

          „Auch wir Torhüter müssen zusammenhalten“: Manuel Neuer hat sich kritisch gegenüber Marc-André ter Stegen geäußert. Der Nationalmannschaftskollege vom FC Barcelona hatte sich zuvor frustriert über seine Ersatzrolle gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.