https://www.faz.net/-gpf-o7sw

Nachfolge-Diskussion : Ein Dutzend Kandidaten für die Nachfolge von Johannes Paul II.

  • Aktualisiert am

Wer neuer Papst und Nachfolger von Johannes Paul II. wird, entscheiden die Kardinäle in streng geheimer Wahl. Zwölf aussichtsreiche Kandidaten werden gehandelt. Darunter ist ein Afrikaner, dem aber nur Außenseiterchancen zugebilligt werden.

          2 Min.

          Wer neuer Papst und Nachfolger des am Samstag verstorbenen Johannes Paul II. wird, entscheiden die Kardinäle in streng geheimer Wahl. Doch auch außerhalb der Sixtinischen Kapelle beschäftigt die Frage, welcher der 117 wahlberechtigten Kardinäle die besten Chancen hat, Menschen in der ganzen Welt.

          Im folgenden eine Aufstellung aussichtsreicher Kandidaten:

          Francis Arinze aus Nigeria: Der 72jährige war rund 20 Jahre lang Spezialist für die Beziehungen zum Islam - eine Frage, mit der sich auch der nächste Papst beschäftigen muß. Die Wahl eines afrikanischen Papstes wäre kirchengeschichtlich jedoch eine Sensation. Arinze machte eine steile Karriere in der Kirche, wurde mit 32 Jahren Bischof. Mit 52 war er Kardinal und einer der mächtigsten Kirchenvertreter Afrikas.

          Jorge Mario Bergolglio aus Argentinien: 68jähriger Kardinal von Buenos Aires, einflußreicher Jesuit. Gilt als reserviert und bescheiden. Bevor er sich für das Priesteramt entschloß, studierte er Chemie. Soll der Vereinigung „Communion and Liberation“ nahe stehen - einer konservativen Bewegung, mit denen Johannes Paul II. den Einfluß der Kirche stärken wollte.

          Dario Castrillon Hoyos aus Kolumbien: Der 75jährige Kardinal gilt als einer der erfahrendsten Kandidaten und ist Experten zufolge im richtigen Alter. Spielte eine herausragende Rolle beim Kampf gegen die Befreiungstheologie in Lateinamerika. Galt als einer der loyalsten Anhänger des verstorbenen Papstes.

          Godfried Danneels aus Belgien: Der 71jährige ist Erzbischof von Brüssel. Gilt als moderat. Hat bei den jüngsten Synoden führende Rollen übernommen und sich in vielen Fragen wie Vatikan-Ämter für Frauen offener als Johannes Paul II. gezeigt.

          Ivan Dias aus Indien: Wurde in Bombay geboren und ist heute Erzbischof der Stadt. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er jedoch außerhalb Indiens. Er studierte in Rom und war im diplomatischen Dienst des Vatikans in Ghana, Südkorea und später in Albanien. Hat in vielen Reden die konservativen Lehren der Kirche zu Moral, Abtreibung und Homosexualität verteidigt.

          Claudio Hummes aus Brasilien: 70jähriger Erzbischof von Sao Paolo. Galt einst als Rebell, heute jedoch als moderat bis konservativ. Erteilte einst während seiner Messen Gewerkschaftssprechern das Wort. Gilt als „Verteidiger der Armen". Kritisierte Regierungen für hohe Arbeitslosenraten, sprach sich jedoch für Privatbesitz aus.

          Jose Da Cruz Policarpo aus Portugal: Der 69jährige hat - bis auf seine Studienzeit in Rom - sein Leben in Portugal verbracht und ist den Gläubigen außerhalb des Landes relativ unbekannt. Unter den Kardinälen soll er seit langem als Nachfolger gehandelt werden. 1936 nahe Lissabon geboren, gilt als moderat, setzt sich für den Dialog mit Nicht-Christen ein.

          Joseph Ratzinger aus Deutschland: Der bald 78jährige gilt als Prototyp des konservativen Hardliners und Wächter über die Kirchendoktrin. Seit 1981 Präfekt der Glaubenskongregation, der Nachfolgebehörde der Inquisition. Verfügt über einen äußerst scharfen Verstand. Brachte mit seinen Ansichten liberale Katholiken und Angehörige anderer Religionen gegen sich auf.

          Giavanni Battista Re aus Italien: Der 71jährige gilt als einer der besten Vatikan-Kenner und engsten Vertrauten des verstorbenen Pontifex. Diente seit 1979 elf Jahre lang als Kardinalstaatssekretär. Seit 2000 Vorsitzender der Bischofskongregation. Arbeitet oft 16 Stunden am Tag.

          Oscar Andres Rodruigez Maradiaga aus Honduras: Mit 62 Jahren der jüngste Teilnehmer des Konklaves. Nach Meinung vieler Experten idealer Kandidat, jedoch zu jung, da die Kardinäle nicht wieder ein so langes Pontifikat wünschen. Spricht fünf Fremdsprachen, kämpft für soziale Gerechtigkeit.

          Christoph Schönborn aus Österreich: Der 60jährige ist Erzbischof von Wien. Gilt wegen seines Intellekts, seiner Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten, Vorliebe für Philosophie und seines tiefen Glaubens als guter Kandidat, jedoch sehr jung.

          Angelo Sodano aus Italien: Top-Diplomat des Vatikans, zu Lebzeiten des Papstes zweithöchster Mann im Kirchenstaat. Der 77jährige kommt aus dem diplomatischen Dienst, war unter anderem in Chile tätigt. Johannes Paul II. holte ihn 1988 nach Rom. Gilt als konservativ.

          Weitere Themen

          Kurden setzen Kampf gegen IS-Milizen vollständig aus

          Krieg in Syrien : Kurden setzen Kampf gegen IS-Milizen vollständig aus

          Die Kurden und ihre Verbündeten haben den Kampf gegen den „Islamischen Staat“ vorerst als beendet erklärt. International besteht die Befürchtung, dass die türkische Intervention den Dschihadisten in kurdischer Haft die Möglichkeit zur Flucht gibt.

          Morales hofft auf vierte Amtszeit Video-Seite öffnen

          Bolivien : Morales hofft auf vierte Amtszeit

          Am Rande einer Wahlkampfkundgebung mit dem linksgerichteten Präsidenten Evo Morales gab es auch Proteste und gewaltsame Auseinandersetzungen.

          Die Hintertür führt zur KP

          Überwachung in China : Die Hintertür führt zur KP

          Dass Chinas Kommunistische Partei die Bürger mit einer Smartphone-App erziehen will, ist schon länger bekannt. Nun kommt heraus: Die Software sammelt auch fleißig Daten.

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.