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Nach von Beusts Rücktritt : Wie weiter in Hamburg?

Bild: reuters

Dass Bürgermeister von Beust gehen wollte, war schon seit längerem klar. Mit seinem Rücktritt lenkt er die Aufmerksamkeit auf sich - und weg von dem Volksentscheid, der nicht nur für Schwarz-Grün eine Niederlage ist.

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          Noch im Abschied bleibt Ole von Beust in der deutschen Politik ein besonderer Fall. Seine Entscheidung, das Amt des Ersten Bürgermeisters von Hamburg niederzulegen, verkündete er, ehe das Ergebnis des Volksentscheids über die Bildungsreform der schwarz-grünen Regierung vorliegen konnte. Damit setzte er sich nicht dem Verdacht aus, wegen dessen Ergebnis zurückzutreten; so konnte er besser erklären, warum er sich zu diesem Schritt entschlossen hatte: aus privaten Gründen.

          Dass von Beust gehen wollte, war schon seit längerem klar, doch er wählte diesen Tag. Damit lenkt er die Aufmerksamkeit auf sich - und weg von dem Volksentscheid, der für Schwarz-Grün schon eine Niederlage war, weil er überhaupt stattfand. Alle Welt redet nun darüber, was der Abschied von Beusts bedeutet: für die Hamburger CDU, für den Senat, für die Stadt und für die Bundespolitik.

          Seine Karriere begann unspektakulär als Bürgerschaftsmitglied in der letzten Reihe der CDU-Fraktion. Weil es mit der Partei in Hamburg aber nie recht etwas wurde und kaum einer die Arbeit ohne Aussicht auf Erfolg machen wollte, rückte Ole, wie er in den eigenen Reihen nur genannt wurde, immer weiter auf. Er wurde Fraktionsvorsitzender, Spitzenkandidat bei der Bürgerschaftswahl. Auch Niederlagen schadeten ihm nicht. Von Beust nutzte 2001 seine Chance, trotz des wiederum schlechten Abschneidens der CDU mit der Hilfe des politischen Abenteurers Ronald Schill eine Koalition zu schmieden und Bürgermeister zu werden.

          Einzelinteressen gefährden das gesellschaftliche Ganze

          Sein politisches Talent, sein Charme, seine Fähigkeit, auf Menschen zuzugehen, Stimmungen aufzunehmen und überzeugend zu reden, machten von Beust zu einem der beliebtesten Bürgermeister Hamburgs. Er schaffte die absolute Mehrheit für die CDU, schmiedete das erste schwarz-grüne Bündnis in einem Bundesland. Knapp neun Jahre lang war er Bürgermeister.

          Doch zuletzt wurde es immer schwerer, weil ihm auch die CDU nicht mehr in allem folgen mochte - wie etwa in der Schulpolitik. Immer häufiger störte von Beust sich daran, wie aus seiner Sicht der Kampf um Einzelinteressen das gesellschaftliche Ganze gefährdete. Auch den Volksentscheid gegen die Schulreform sah er in diesem Zusammenhang. Nun geht es in Hamburg aber nicht mehr nur um die Bildungsreform, sondern auch um die Frage, wie es nach Ole von Beust weitergehen soll.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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